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Tops und Flops: Brotaufstrich für Kinder

Wir deutschen Eltern geben uns größtenteils viel Mühe bei der Ernährung unserer Babys und recherchieren vorher viel: Brei nach Fahrplan, Biogemüse, Biofleisch, Vollkorn, zucker- und salzarm, Verdauungsfreundlichkeit… Die Liste mit Anforderungen, die wir an die Lebensmittel, die unser Nachwuchs essen darf, haben, ist lang.
Dann kommt der Moment, an dem das Baby eine Brotzeit mitessen möchte – oft früher als gedacht – zwischen dem siebten und elften Lebensmonat. In vielen Familien gibt es täglich zwei Mal belegte Brote: zum Frühstück und zum AbendBROT.
Wie bleibt die typisch deutsche „Stulle“ ein gesunde Mahlzeit und erfüllt die oben genannten Erwartungen? Ist die Einführung des Brotes – egal ob zum Frühstück oder Abendessen – schon der richtige Zeitpunkt die Ernährungsgrundsätze zu lockern?
Aus Gewohnheit, Bequemlichkeit und Unwissenheit bieten wir unseren Kindern relativ ungesunde Brote und Brotbeläge an und fördern damit eventuell negative Ernährungsgewohnheiten, die bis in ihr Erwachsenenalter hineinreichen, obwohl es gute Alternativen gibt.
Ich schreibe bewusst „wir“, denn ich gehöre trotz meines Interesses an Ernährung  auch dazu. Keiner ist perfekt, und muss es auch nicht werden! Aber das Wissen darum kann nicht schaden.

Brotbelag Aufschnitt gesund fuer Baby

Welcher Brotbelag ist gesund?

Im folgenden möchte ich im Rahmen von einer „Tops und Flops“-Liste darauf eingehen, welcher Brotbelag aus meiner Sicht besonders für Babys erste Schnittchen und auch für ältere Kinder geeignet ist. Ich erzähle euch, welche Aufschnitte und Streichcremes ich meinen Kinder  auch im Kindergartenalter nicht tagtäglich servieren möchte und wo besonders viel Zucker, Salz und „Unnötiges“ versteckt ist. Und natürlich verlinke ich euch auch das ein oder andere gesunde, unbedenkliche Alternativrezept. Um Backwaren kümmere ich mich dann wohl ein anderes Mal.
Vorweg möchte ich aber klarstellen, dass man auch ohne DEN PERFEKTEN Brotbelag groß wird. Ich gestehe: in meiner Kindheit waren Leberwurst und Pflaumenmus mein Lebenselixier und ich bin nun trotzdem gesund, normalgewichtig und soweit ich es beurteilen kann ganz pfiffig. Also kann es nicht so schlimm gewesen sein 😉
In welcher Menge und wann weniger gesunde Lebensmittel konsumiert werden, entscheidet zurecht jede Familie selbst. Ich möchte lediglich aufklären, inspirieren und Alternativen aufzeigen. Ich verurteile aber niemanden, der andere Prioritäten setzt.
Komplette Verbote der Flops halte ich für unangebracht. Sie fördern nur Interesse und Verlangen. Besser ist es, selbst vorbildhaft zu essen und gemeinsame Regeln zu etablieren. Wir frühstücken und genießen beispielsweise immer einmal am Wochenende in gemütlicher Runde, in der jeder sich den Belag, sofern verfügbar, frei wünschen kann. Ansonsten gibt es morgens Müsli (halte ich je nach Rezeptur für gesünder und besser verdaulich als Brot) und am Abend eine geringe Auswahl an Belägen aus den Kategorien „Top“ bis „Mittel“.
Oft essen wir Erwachsenen seit der Kindheit bestimmte Dinge, obwohl sie eigentlich nicht so gut für den Körper sind. Es macht natürlich keinen Sinn, genau diese Sachen selbst täglich zu essen und den Kindern vorzuenthalten. Vorleben ist wichtig. Auch wenn es zunächst Überwindung kostet, alltägliche Gewohnheiten abzulegen, gewöhnt man sich auch in unserem Alter noch schnell an das Neue. Darauf gehe ich unten noch etwas ausführlicher ein.

Avocado

Die Avocado ist DAS Superfood schlechthin. Unglaublich viele gesunde (ungesättigte) Fette, jede Menge gut zu verwertende Energie und viele wichtige Vitalstoffe liefert das grüne Fruchtfleisch. Reif eignet sie sich perfekt als Brotaufstrich, schon für die allerallerkleinsten ab Beikostreife. In weiten Teilen Amerikas wird mit gestampfter Avocado die Beikost begonnen.
Meine Kinder finden ein Avocado-Brot zwischendurch immer noch sehr lecker. Ich persönlich liebe Avocado kombiniert mit Tomate und etwas Kräutersalz.
Wenn die Frucht noch unreif ist, kann man das Brot auch mit Streifen belegen anstatt zu schmieren.
Ein Avocadobrot ist übrigens auch unterwegs im Sommerurlaub super praktisch, wenn man keinen Kühlschrank zu Verfügung hat.

(vegane) Möhrenstreichcreme

Warum nicht noch in den Brotbelag etwas Gemüse hineinschmuggeln? Als babyfreundliches Äquivalent zur Kräuterbutter bin ich in einem Babykochbuch über ein ähnliches Rezept gestolpert, habe es noch etwas angepasst/ vereinfacht und schon 2017 verbloggt: Möhrenstreichcreme für Babys & Kleinkinder. Neben gedünsteten Möhren und Schnittlauch basiert die Creme auf Streichfett und Mandelmus.
Ich bevorzuge ganz klar pflanzliches Fett, am besten aus Raps oder Nüssen/ Mandeln anstatt pure Butter. Wenn man Margarine verwendet, ist die Rezeptur vegan.
Je nachdem wie intensiv man die Möhrenstreichcreme würzt (oder auf dem Brot nachwürzt) schmeckt sie auch großen Essern. Ungewürzt ist sie auf Grund der Mandeln leicht süßlich, obwohl kein Zucker hinzugefügt wird und schon nach dem 6. Lebensmonat zu verwenden.

Brotaufstrich Baby Kleinkind gesund

Nuss-/Mandelmus

Nüsse und Mandeln enthalten sehr viele gesunde (ungesättigte) Fette und Vitalstoffe. Zu Mus vermahlen geben sie einen hervorragenden Brotbelag ab, der auch schon für die Allerkleinsten geeignet ist. Zwar können Nüsse potentiell Allergien auslösen, aber ich empfehle sie trotzdem früh einzuführen, am besten noch in der Stillzeit, um den Körper bestmöglich daran zu gewöhnen.
Pures Erdnuss-, Haselnuss- oder Mandelmus kann man mit einer Hochleistungsküchenmaschine wie zum Beispiel dem Thermomix super unkompliziert selbst herstellen.
Es gibt auch tolle Rezepte für gesunde Erdnussbutter, mein Lieblingsrezept kommt von „WhatMiniLoves“. Die industriell hergestellte Erdnussbutter ist überflüssigerweise mit viel Zucker und Palmöl (enthält gesättigte Fettsäuren) gestreckt. In diversen Bio-Regalen (Dm, Rossmann, Alnatura…) und ausländischen Supermärkten sind auch ganz gute pure Produkte zu finden, denen lediglich etwas Meersalz zugesetzt ist.
Es ist schade (aber nachzuvollziehen), dass die gestreckten, gesüßten Produkte viel günstiger sind, als wenn man eine gesunde Alternative kauft oder selbst herstellt.

Datella/ Zartbitter-Schokocreme

Direkt hinter purem Nussmus oder selbstgemachter Nussbutter sortiere ich tatsächlich Schokocreme ein, in der selbstgemachten Variante zum Beispiel nach meinem kürzlich verbloggten Rezept. Sie wimmelt von gesunde Nährstoffen. Der Fruchtzuckeranteil ist durch die getrockneten Datteln relativ hoch. Ich sehe das aber nicht so eng, da neben der Fructose eben auch noch viele Nähr- und Vitalstoffe enthalten sind, sodass es eigentlich nicht zu Zuckerhochs und -Tiefs kommen sollte (der Blutzucker steigt langsam an).
In der Variante mit Carob statt Backkakao empfehle ich sie auch schon als Aufstrich für das Beikostalter. Backkakao bekommen meine Kinder (natürlich in Maßen) seitdem sie 2,5 Jahre alt sind. Kakao enthält nämlich ein Koffein-Äquivalent.
Für uns ist die selbstgemachte Schokoladencreme eine gute Alternative zu Nutella und Co.

Schokoladen Streichcreme gesunder Ersatz

Käse & Milchprodukte

Käse kann man natürlich nur schwer über einen Kamm scheren. Deshalb ist mein Urteil hierzu nicht allgemeingültig. Allabendlich steht bei uns ein milder (größtenteils fettreduzierter) Gouda zur Wahl. Käse hat allgemein einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, die vom Körper nicht optimal verstoffwechselt werden. Deshalb macht ein „Light“ Produkt meiner Meinung nach Sinn und ist für die Verdauung besser.
Der Zuckeranteil ist sehr gering. Für mich als halbe Vegetarierin gehört Käse einfach zu den Standardbrotbelägen. Deshalb steht er auch meinen Kindern zu Verfügung.
Es ist noch zu beachten, dass einige Käsesorten einen hohen Salzanteil haben und aus Rohmilch hergestellt sind (Listeriose-Gefahr).
Vor allem einige Schmierkäse-Sorten, die für kleine Esser relativ praktisch sind, enthalten viel Salz, Zucker und Verdickungsmittel/ „E-Stoffe“. Als kontrolliertere Alternative kann man Brot auch einfach mit etwas Quark bestreichen und selbst würzen, zum Beispiel mit frischen Kräutern oder etwas Kurkuma.

Butter/ Pflanzenmargarine (Palmfett)

Ich persönlich ernähre mich und meine Kinder bislang komplett ohne zusätzliches Streichfett, da ich den Sinn nicht erkenne. Fette können über die anderen Nahrungsbestandteile ausreichend aufgenommen werden. Der Geschmack ist natürlich Glaubensfrage oder Gewöhnung. Durch Fett werden Aromen besser transportiert.
Was für Butter spricht, ist eine Studie bei der herausgearbeitet wurde, dass der Verzehr in der frühen Kindheit einen Neurodermitis-vorbeugenden Effekt haben soll.
Bei Margarine lohnt es sich auch auf die Inhaltsstoffe zu achten. Viele „light“-Produkte sind mit Palmfett angereichert anstatt nur aus Raps oder Sommenblume zu bestehen, wie die Verpackung suggeriert. Und dann folgt oft noch eine lange Liste an Emulgatoren, Salzen und Farbstoffen. Raps- und Sonnenblumenöl sind relativ gesund.

Honig

Honig ist  vor dem ersten Geburtstag komplett tabu. Als Naturprodukt kann er genau wie auch Ahornsirup Clostridien enthalten, die bei Babys eine folgenschwere Nervenererkranung auslösen können. Ab wann Honig gegessen werden darf ist eine kleine Glaubensfrage. Natürlich kann die Erkrankung auch noch nach dem ersten Geburtstag schlimm verlaufen oder ein paar Monate vorher harmlos… Der Theorie nach müsste der kleine, ansonsten gesunde Körper mit einem Jahr aber in der Lage sein, das Bakterium vernünftig abzuwehren.
Als alltäglichen Aufstrich finde ich Honig für ältere Kinder nicht optimal, da er neben einem geringen Wasseranteil und ein paar zugegebenermaßen richtig guten Vitalstoffen wirklich nur aus Zuckermolekülen (vor allem Glucose und Fructose) besteht. Beim gemütlichen Wochenendfrühstück steht er bei uns aber auch auf dem Tisch.
Bei stärkerer Erkältung ist der Teelöffel Honig dafür aber Teil meiner Therapie. Wieso, weshalb, warum kann im Artikel: Immunsystem von Kindern stärken nachgelesen werden.

was steckt in Marmelade Nutella Wurst und Kaese

Marmelade & Fruchtaufstrich

Marmelade besteht klassisch aus gekochten Früchten und Gelier-Zucker im Verhältnis 1:1 oder 1:2. Gelierzucker bedeutet, dass neben Saccharose noch das Geliermittel Pektin und Zitronensäure enthalten ist. In den gekauften Produkten findet sich noch das ein oder andere Aroma und teilweise ist das Frucht-Zucker-Verhältnis noch erschreckender (bis 2:3), weil noch Glucose-Sirup beigemengt wird.  Die Vitamine aus dem Obst sind größtenteils dem Einkochen zum Opfer gefallen.
Wer selbst Marmelade macht, kann natürlich die Rezeptur zu Gunsten der Früchte verändern. Noch besser sind zuckerfreie Fruchtaufstriche, die sich ganz leicht zum Beispiel mit Chia-Samen herstellen lassen. Sie sind dann natürlich im Vergleich zur herkömmlichen Marmelade nur ganz kurz haltbar.
Babys lieben auch schlicht und einfach pures Fruchtpüree auf dem Brot. Ich persönlich finde vegetarische Breireste auch teilweise gar nicht so übel, gerne gepimt mit ein paar Kräutern und Rohkost.

Streichcreme mit Agavendicksaft

Süße Alternativen zu Honig und Marmelade findet man mittlerweile einige, vor allem in Bio-Abteilungen. Wir haben uns ein bisschen in eine Kokoscreme aus der Drogerie verguckt. Die Zutatenliste ist recht kurz, was ich an Industrieprodukten sehr schätze: Agavendicksaft, Kokosmus, Vanille, Meersalz. Das Süßungsmittel aus den mexikanischen Agavenpflanzen wird kontrovers diskutiert. Einerseits soll der Sirup mehr Vitalstoffe und weniger Kalorien als Haushaltszucker enthalten, andererseits gibt es wohl ein paar Studien, die ihm körperschädigende Wirkung zuschreiben (metabolisches Syndrom, Gicht…).
Die Kokoscreme ist auf jeden Fall lecker. Nichts für jeden Abend, aber für manchmal…

vegetarische Streichcreme & Wurst-Ersatz

In den letzten Jahren immer beliebter geworden und mittlerweile auch schon beim Discounter zu finden sind vegetarische/vegane Streichcremes wie Currycreme, Linsencreme, Tomatencreme und viele mehr. Ursprünglich kannte ich nur „Tartex“, den Aufstrich gibt es wirklich schon seit Jahrzehnten.
Ansich finde ich den Brotbelag nicht schlecht, auch für Kleinkinder. Zutatenliste (bio) und „Chemie“ in den Produkten sind überschaubar. Sie basieren meistens auf Sonnenblumenöl und -Kernen, Obst oder Gemüse. Der Geschmack kommt aus Gewürzen und nicht aus künstlichen Aromen. Aber es ist häufig relativ viel Salz und/ oder (Rohr-)Zucker enthalten, dazu kommt ja noch die Fruchtsüße. Das ist natürlich nicht schlimm, man sollte sich dessen aber bewusst sein, vor allem für die Ernährung von kleinen Kindern.
Ähnlich sieht es mit Wurst-Ersatz aus der Kühltheke aus. Die vegetarischen Produkte von der Firma mit der roten Mühle beispielsweise besteht aus Rapsöl, Wasser und Erbsenbestandteilen. Es folgt noch eine Liste an vielen weiteren, teils synthetischen Bestandteilen für Geschmack und Konsistenz. Zucker, Glucosesirup und Karamell tauchen auch auf (bis 4,5 g auf 100 g).
Erst dachte ich „sowas kann ja nur besser sein als die richtige Leberwurst“. Aber eigentlich sind sich beide Lebensmittel abgesehen von den Hauptbestandteilen nicht so schrecklich unähnlich. Die Sinnhaftigkeit von Fleischersatz möchte ich an dieser Stelle gar nicht weiter aufgreifen…
Als selbstgemachte vegane Streichcreme kann ich mein rotes Tomaten-Nuss-Pesto empfehlen.

rotes Pesto als Brotaufstrich

Nutella & Co

Nutella besteht über die Hälfte aus Zucker (56 g auf 100 g), außerdem aus Kakao, Palmöl, Haselnüssen und Milchpulver. Letzteres macht sie also uninteressant für strenge Veganer.
Es gibt deutlich gesündere Alternativen als den klassischen Nugat-Aufstrich, die meiner Meinung nach auch besser schmecken: mit höherem Kakao-Anteil, weniger Palmfett und Zucker. Generell ist das Verhältnis von Vitalstoffen zu Zuckermolekülen eher schlecht.
Die beste Alternative für Schokosuchtis ist meiner Meinung nach Datella (siehe oben).
Aber generell ist ein Schokoladen-Aufstrich wahnsinnig lecker und wird auch schnell zu Gewohnheit oder gar Sucht.

Wurst

Im folgenden kommen noch meine persönlichen, subjektiven Flops, weil fleischhaltig. Für mich muss der Fleischkonsum nachhaltig und bewusst erfolgen. Dem wird man auf dem Brot einfach nicht gerecht. Ganz davon ab ist mir der Fettgehalt (fast ausschließlich gesättigte Fettsäuren) in Wurst generell viel zu hoch. Und  Trotzdem möchte ich noch ein paar Fakten liefern, warum Wurst auch objektiv nicht ideal auf dem täglichen Kinderbrot ist. Die Qualität und Zusammensetzung von Wurstwaren variieren allerdings stark mit der Herstellung. Deshalb lässt sich das eigentlich nicht verallgemeinern…
Übrigens habe ich mich bei der Recherche zu den nun folgenden Abschnitten wirklich gefragt, warum wir Menschen Wurst überhaupt essen?! Meinen Mann kann ich nun dazu (heimlich) zitieren, weil ich die Antwort nicht wusste: „Weil sie lecker ist“. Fleischig (unami = schmackhaft) wird neben süß, sauer, salzig und bitter als eigene Geschmacksqualität gehandelt, die ein Großteil der Menschen als sehr positiv wahrnehmen.

Salami, Rohwurst & Schinken

Salami, roher Schinken und Mett können prinzipiell mit Bakterien wie Salmonellen, EHEC oder Listerien verunreinigt sein. Eine Lebensmittelvergiftung kann für Babys und Kleinkinder lebensbedrohlich sein. Deshalb wird Rohwurst (genau wie Rohmilchprodukte und roher Fisch) vom Institut für Risikobewertung generell erst ab einem Alter von 5 Jahren empfohlen.
Inwiefern man der Hygiene von Herstellern und dem Immunsystem des Kindes vertraut, muss letztendlich jede Familie für sich entscheiden. Ich würde den Verzehr frühestens nach dem ersten Geburtstag in Betracht ziehen.
Eine typisch deutsche Salami aus Schweinefleisch besteht zu mehr als 1/3 aus Fett (vor allem gesättigte, ungesunde Fettsäuren).
In 100 g Wurst befinden sich über 4 g Salz. Salami ist Salz-Spitzenreiter unter allen Wurstsorten. Wenn man davon ausgeht, dass eine durchschnittliche Scheibe 25 g wiegt, ist 1 g Salz pro Portion enthalten. Ein Kleinkind sollte nicht mehr als 2 g Salz pro Tag zu sich nehmen, alles darüber hinaus ist schädlich für den Körper, insbesondere für die Nieren. Ein Erwachsener benötigt nur 5-6 g Salz pro Tag.
Interessant fand ich bei meiner Recherche, dass die Begründung „ich esse Wurst für meine Blutbildung“ bei Salami überhaupt nicht greift. Die Eisen- und Vitamin B-Mengen sind verschwindend gering, da kaum Muskelfleisch enthalten ist. Wer darauf wert legt, sollte Rohschinken essen. Der enthält folglich auch viel, viel weniger Fett (3-5%). Der Salzgehalt liegt bei etwa 2 g pro 100 g.

Fleischwurst

Fleischwurst oder Mortadella besteht zu mehr als der Hälfte aus Wasser und zu etwas weniger als 1/3 aus Fett. Der Salzgehalt ist deutlich moderater (<2 g auf 100 g Fleischwurst), dafür ist die Haltbarkeit kürzer (maximal 3 Tage).
Da das verarbeitete Schweinefleisch während der Herstellung gart, besteht nur ein geringes Risiko für eine oben angesprochene Keimbelastung.
Die Zutatenliste ist je nach Art relativ lang. Häufig findet man Hefen, Glucosesirup/ Zucker, Nitrit (und das potentielle Vorkommen soll aber im Spinat-Brei problematisch sein?!).
Fleischwurst wird trotzdem gerne  als „Kinderwurst“ behandelt und noch zusätzlich in eine Bärchenform gepresst, da die homogene Konsistenz sehr ansprechend und der Geschmack eher mild ist. 75 Kalorien und etwa 7 g Fett (je nach Alter um die 10% des Tagesbedarfs) müsste in etwa eine Scheibe haben, die Kinder an der Wursttheke geschenkt bekommen.

Schmier- & Leberwurst

Auch Teewurst zählt zu den Roh-Fleischsorten und ist damit nicht für Babys geeignet.
Generell enthalten alle Streichwürste sehr viel Fett, da sie das erst überhaupt gut streichbar macht.
Leberwurst besteht zu Anteilen tatsächlich aus Schweineleber (10-35%), wird aber in der Zubereitung gegart. Einerseits wird diskutiert, dass der Verzehr von Leber gesund ist, da viel Vitamin A (kann überdosiert werden!) und Eisen dort gespeichert wird. Andererseits ist die Leber aber nun auch mal die „Entgiftungszentrale“ und deshalb können Ablagerungen je nach Alter des Tieres nicht ausgeschlossen werden. Die Menge, die davon tatsächlich auf dem Brot landet, ist im Normalfall aber so gering, dass es an dieser Stelle bloß Theorie ohne Konsequenz ist.
Auf 100 g Streichwurst kommen in etwa 1 g Zucker und etwas weniger als 2 g Salz.

So, das war nun eine ganze Menge trockene Theorie. Ich hoffe, bis hier unten hat überhaupt jemand gelesen. Mir hat das Recherchieren auf jeden Fall viel Spaß gemacht und auch einige neue Erkenntnisse gebracht. Ich habe versucht, mich in den Erklärungstexten relativ neutral und sachlich auszudrücken sowie aufs Nötigste zu begrenzen. Ich denke, ihr lest trotzdem heraus, mit welchen Lebensmitteln ich eher auf Kriegsfuß stehe.

Was soll auf Babys Brot

Um das ganze noch einmal etwas übersichtlicher zu gestalten, kommt hier nochmal eine kleine, tabellarische Übersicht speziell für die Babyernährung:

„Top“ Brotbeläge für Babys (8 Monate bis 1,5 Jahre):

Avocado
Möhrenstreichcreme (selbstgemacht)
Mandel- oder Erdnussmus
Datella (mit Carob)
Quark
Fruchtmark/ Breireste

Nicht geeignet für Babys sind:

Honig & Ahornsirup
Streichwurst (Leber- und Teewurst), Salami & Schinken

Geschmack & Gewohnheit versus Gesundheit

Wichtig an dieser Stelle zu betonen ist, dass ich persönlich niemanden verurteile, der „Flops“ täglich oder auch nur zu bestimmten Anlässen mit seinen Kindern gemeinsam isst. Die Menge macht es aus und auch das individuelle Verhältnis von eher gesunden zu ungesunden Ernährungsgewohnheiten.
Und: was nützt eine vollkommen perfekte Ernährung, wenn damit die Lebensqualität stark eingeschränkt wird?! Es muss alles im Verhältnis stehen und den Kindern glaubhaft vermittelt werden. Natürlich sollen sich 2/3-Jährige Kinder weitestgehend frei am Familientisch bedienen dürfen und nicht dauernd hören „nein, das isst nur Mama“, wenn ich selbst meine Gewohnheiten nicht ändern möchte. Eine vernünftige Tischkultur und gemeinsame Mahlzeiten sind so wichtig und prägend.
Hinzu kommt auch noch, dass jedes Kind seinen eigenen Geschmack und Willen hat, Lebensmittel im Kindergarten kennen und lieben lernt…und man als Eltern mit der Zeit sowieso nur noch eingeschränktes Mitspracherecht hat. Da nützt dann auch das theoretische Ernährungswissen nichts mehr.
Was mich persönlich nervt: das Wissen um Inhaltsstoffe und Alternativen ist zwar da, aber es ist zeitaufwendig, gesunde Aufstriche selbst herzustellen. Ich würde mich freuen, wenn es das ein oder andere gesunde Produkt mehr zu kaufen gäbe.

Geschmackstraining

Apropos Gewohnheiten: „Aber das schmeckt doch nach nichts!“ Immer wieder werde ich mit diesem Argument konfrontiert, wenn ich einfache, gesunde Alternativen anpreise. Ich kann es aber entkräften. Gechmack ist Trainingssache. Für Babys und Kleinkinder, die gesüßte und gewürzte Speisen nicht kennen, ist eine Avocado oder ein Löffel Quark die reinste Geschmacksexplosion. Vermissen kann man erst, wenn man es anders gewohnt ist. Und das richtig interessante: Die Geschmacksnerven stumpfen mit der Zeit immer mehr ab, je mehr wir süßen und salzen. Ein Teufelskreis, der den Körper belasten kann. Doch Geschmacksknospen sind auch in der Lage, sich neu zu orientieren. Wenn man nach ein paar Wochen zuckerfrei  Nutella oder Marmelade probiert, schmeckt das plötzlich widerlich süß.

Es stellt sich natürlich auch noch die Frage, ob die relativ kleinen Mengen auf dem Brot überhaupt ins Gewicht fallen? Ich würde sagen, ja! Denn es sind nun mal alltägliche Lebensmittel, die unseren Geschmack und unsere Essgewohnheiten prägen sowie einen Anteil an der Ernährungspyramide haben.
Ansich sind die Mengen an Zucker, Salz und gesättigten Fettsäuren nicht vergleichbar mit denen aus einer Tüte Chips. Natürlich! Aber ich möchte wissen, was ich wann esse, ist meine Devise! Und ich möchte im Auge behalten, dass es nicht an der ein oder anderen Stelle zu einseitig ist.

Was sind eure liebsten Brotaufstriche? Was mögen eure Kinder gerne? Habt ihr noch weitere Tops und Flops?
Und verratet mir auch gerne mal, ob ihr mit diesem Beitrag etwas dazu lernen konntet, was euch am meisten überrascht hat oder ob ihr das alles schon wusstet?!

Milch & Mehr Mamablog Signatur

Ps.: Fakten für diesen Artikel kommen aus meinem Gedächtnis und aus folgenden Quellen
Der kleine Souci/Fachmann/Kraut Lebensmitteltabelle für die Praxis (2011) Bundesinstitut für Risikobewertung | Wikipedia | Smarticular

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versteckte Zutaten in Brotbelag gesunde Alternativen

2 Kommentare

  1. Stefanie sagt

    Endlich mal ein toller, informativer und nicht(!) dogmatischer Artikel zu dem Thema.
    Auch wir sündigen ab und an gerade wenn es um das Wochendfrühstück geht. Da gibt es überwiegend Marmelade und natürlich auch Nutella. Marmelade kochen wir allerdings sehr oft selbst und Nutella gibt es nur am Wochenende. Unter der Woche gibt es warmen Haferbrei und Müsli. Aktuell mag mein Sohn gar keine Wurst und nur Butter aufs Brot. Beliebt ist bei uns auch Brot mit kleingeschnittener Banane oder Brot mit frischen Tomatenscheiben und Schnittlauch.

    • Liebe Stefanie,
      dein Feedback freut mich sehr! Genauso war der Text auch gedacht.
      Bananenscheiben mag ich auch total gerne – besonders in Kombi mit Nussmus.
      Viele Grüße,
      Nora

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