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Ernährung in der Schwangerschaft Teil II: Die „Don‘ts“

Wie angekündigt, geht es heute weiter mit den „Tabu-Lebensmitteln“ einer Schwangeren, insbesondere um die Problematik diverser Keime in rohen Nahrungsbestandteilen.
In Teil I geht es um meine generelle Einstellung dazu, Koffein und Süßkram.

Rohmilch-Produkte (aus nicht-pasteurisierter/ sterilisierte Milch)

das Problem: Listerien

Eine Listeriose führt bei immun-gesunden Menschen allenfalls zu grippeartigen Beschwerden, intrauterin angesteckt kann es allerdings zur Früh- oder Todgeburt kommen sowie zu diversen Organschäden.
Listerien sterben beim Erhitzen glücklicherweise ab. Sie siedeln sich vor allem wohl in der Käserinde an. Deshalb sollte diese nun besser entfernt werden. Pasteurisierter Käse ist nun in der Zubereitung erhitzt worden und deshalb weitestgehend keimfrei. Aber Vorsicht bei Weichkäse wie Camembert, Brie ect.. Hier habe ich gelesen, dass er teilweise trotz Pasteurisierung weiterhin kontaminiert ist. Oft steht (in Deutschland zumindest) auf einer Käsepackung im Supermarkt die Zubereitungsweise drauf. Auf Französisch heißt das übrigens „au lait cru“. Es gibt diverse Käsesorten, die sowohl pasteurisiert und nicht-pasteurisiert hergestellt werden können. Deshalb sollen wir uns ja bei Fragen an den netten Käsehändler wenden – schlagen Google und Frauenärzte in Internetforen vor. Da ich das vor allem in Restaurants und im Urlaub nicht so richtig praktikabel finde, habe ich versucht eine Liste zu erstellen. Ich übernehme allerdings keine Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit. Letztendlich wird es halt verschiedene Zubereitungswege für diverse Sorten geben. Deshalb habe ich mich letztendlich für eine Käseampel entschieden.
Übrigens tötet Backen und Aufkochen die Listerien gut ab. Aufläufe und Raclette sind also klare „Do’s“, Gorgonzola-Sauce auch, wenn sie gründlich erhitzt wurde. Je härter der Käse, desto unbedenklicher soll er roh sein. Sauermilch-, Joghurt- und Quarkprodukte aus dem (europäischen) Supermarkt sind immer pasteurisiert.

Rohmilchkaese Sorten Taub in Schwangerschaft

rohes Ei

das Problem: Salmonellen, Listerien

Das Krankheitsbild der Listeriose habe ich ja gerade erklärt. Eine Salmonellenvergiftung führt zu schweren Durchfällen. Primär ist das Ungeborene dadurch nicht gefährdet. Es kann aber, wie bei allen Durchfallerkrankungen, zu einer Exsikkose (=Austrocknung) der werdenden Mutter und damit zu einer plazentarer Unterversorgung kommen. Es kann sein, dass man im Krankenhaus/ beim Arzt mit Infusionen behandelt werden muss, um den Flüssigkeitshaushalt wieder auszugleichen.
Vorsicht ist geboten bei rohem Kuchenteig und diversen Nachspeisen wie Tiramisu, frisch hergestellter Eiscreme (heul!). Rohe Eier verstecken sich aber auch in Mayonnaise und erstaunlicherweise in fast allen Fertig-Salatsaucen in der Kühltheke. Bislang bin ich über keine weiteren Eier-Verstecke gestolpert, ergänze aber gerne noch, wenn ihr mir sie in den Kommentaren verratet.

rohes Fleisch

das Problem: Listerien und Toxoplasmen, Salmonellen
Toxoplasmose ist auch eine der tollen Erkrankungen, die keine oder nur unspezifische Symptome beim Gesunden/ der Schwangeren auslösen. Aber sie hat eventuell Gehirnschäden und Aborte in der Frühschwangerschaft sowie diffuse Organentzündungen in der Spätschwangerschaft beim Ungeborenen zu verantworten.
Das gute ist, dass man dagegen mit Antibiotika vorgehen kann und dass man lebenslang immun ist und wirksame Antikörper besitzt, wenn man einmal infiziert war. Der Test dafür ist genau wie CMV nicht in den Mutterschutz-Richtlinien vorgeschrieben und damit eine IGeL.
Nicht auf den Teller kommen sollten somit Medium-Steaks und Burger (und eben alles was noch roter ist), Mett, Tartar, Carpaccio, Rohwurst (Teewurst, Salami, roher Schinken). Vor allem Lamm und Schweinefleisch können bevorzugt Toxoplasmose-infiziert sein. In unzureichend gegartem Hühnchen sind eher wieder die Salmonellen ein Problem (siehe oben).
Erlaubt und gut für den Eisenhaushalt ist ausreichend erhitztes, gegartes Fleisch. Dann sterben die Biester nämlich alle. Somit sollten auch gebratene Schinkenwürfel oder Datteln im Speckmantel aus dem Backofen sowie Salamipizza kein Problem darstellen!

roher Fisch und Meerestiere

das Problem: Listerien
Gemieden werden sollten somit Lachsbrötchen/ Häppchen, Sushi, Räucherfisch, Rollmöpse und diverse Fischsalate. Unbedenklich ist aber wohl Thunfisch aus der Dose, weil er in der Zubereitung schon pasteurisiert wurde.
Generell wird auch kein übermäßiger Verzehr von erhitztem Seefisch wegen Schadstoffbelastung der Meere empfohlen. Ich probiere einmal wöchentlich Fisch in meinen Speiseplan zu integrieren wegen des hohen Anteils an Omega-3-Fettsäuren.
Es gibt wohl auch Lager, die die Ansicht vertreten, dass auch vegetarisches Sushi zu meiden sei. Da es halt in der Lagerung/ beim Zubereiten Kontakt mit Fisch gehabt haben könnte. Das sehe ich nicht so eng. Kleinstmengen an Keimen werden am wahrscheinlichsten sowieso vom Körper ausgeschieden, ohne dass sie sich vermehren können. Außerdem möchte ich mich ja ausgewogen ernähren und wenn ich diese ganzen  Eventualitäten berücksichtige würde das definitiv nicht gehen.

Toxoplasmose Listerien Salmonellen in der Schwangerschaft

Salat, Obst, Gemüse

Hat sie jetzt noch alle? Vitamine soll die Schwangere doch gerade verschlingen! Was macht das jetzt in der Liste? Ich wollte nur nochmal drauf aufmerksam machen, dass auch in Erde/ durch Tierkot Toxoplasmose übertragen werden kann. Deshalb sollte man wirklich alles gut waschen oder wenn es sich anbietet, schälen und sich anschließend auch gut die Hände waschen bevor man sie ableckt (Handschuhe bei der Gartenarbeit!). Ich muss gestehen, dass ich ein absolut fauler Wäscher bin. Dünger/Chemikalien gehen meiner Meinung nach sowieso nicht mit Wasser ab… Momentan bemühe ich mich aber in Vorbildlichkeit. Eben weil ich nicht mehr nur für mich verantwortlich bin. Ich esse aber auch weiterhin Salat und Obst im Restaurant und vertraue auf ausreichende Hygiene.

Nachtrag zum Alkohol

In Teil I wollte ich das Thema ja in einem Nebensatz abhandeln. Mir ist aber noch eingefallen, dass ich doch schon oft auf Fragen gestoßen bin. Nämlich, wie das mit der Verwendung von z.B. Wein beim Kochen und Backen ist. Alkohol hat einen niedrigeren Siedepunkt als Wasser, nämlich bei 78,37 °C. Das heißt, dass er bei dieser Temperatur verdampft und zu einer anderen Verbindung wird. Beim Kochen und Backen arbeiten wir ja definitiv mit Temperaturen über 150 °C. Das ist also meiner Meinung nach vollkommen unbedenklich. Im Grunde muss es aber jeder selbst wissen. Die Maronen-Suppe meiner Schwiegermutter würde ich übrigens nicht essen. Da wird nämlich zum Abschluss noch ordentlich Cognac reingekippt ohne dass sie nochmal aufgekocht wird.

Ich habe übrigens mal meine Mutter und Tante gefragt, wie das Thema „Ernährung in der Schwangerschaft“ eigentlich vor ungefähr 30 Jahren gehandhabt wurde, als sie beide schwanger waren. Erinnern konnten sie sich nicht an besondere Einschränkungen oder Verbote, außer eben Nikotin und Alkohol. Und gut gegangen ist es ja scheinbar auch irgendwie. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass in Japan schwangere Frauen  auf rohen Fisch (Grundnahrungsmittel) verzichten. In vielen Teilen der Welt sind die Frauen dankbar, wenn sie überhaupt genug Nährstoffe für sich und das Kind aufnehmen können.
Sind das also alles überflüssige Verbote in unserer Luxusgesellschaft, die ich hier angesprochen habe? Oder macht der Verzicht wirklich Sinn? Das muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden.
Zum Schluss deshalb noch kurz beispielhaft ein paar Zahlen für den Überblick: In Deutschland gibt es ca. 500 gemeldete Listerieninfektionen pro Jahr, auch mit Todesfällen, vor allem durch Lebensmittelinfektionen. Schwangere haben wohl ein 12-fach erhöhtes Risiko zu erkranken.

So, jetzt reicht es aber auch mal mit Ernährungs-Tabus. Demnächst folgen dann noch jede Menge „Do’s“ und meine Meinung zu Schwangerschaftsvitaminen.

Hat noch jemand gute Tipps zur Käse-Klassifizierung außer dem kompetenten Käsehändler und die Hinweise bei abgepackten Produkten? Wie geht ihr mit den „Verboten“ um?

Milch & Mehr Mamablog Signatur

 


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0 Kommentare

  1. Ich muss gestehen, Emmentaler esse ich ab und an. Ich habe die Verpackung ausgiebig studiert und da steht nichts von roher Milch… Von dem her.

    Fisch krieg ich nicht mehr runter seit ich schwanger bin. Uääh. Keine Chance. Obwohl ich vorher absoluter Fisch-Liebhaber war 😉

    Meine Mutter meinte auch, dass sie damals auf all das nicht geachtet hat und auch nicht drauf hingewiesen wurde. Nikotin und Alkohol. Feddisch.

    Schätze einerseits weiß man heute einfach mehr. Aber andererseits kann man sich auch wirklich verrückt machen. Meine Gyn sagte zu mir: "Und wenn Sie jetzt doch mal eine rohe Salami (oder ähnliches was man nicht essen sollte) erwischen… Geraten Sie nicht in Panik."

  2. Also ich muss sagen dass ich eigentlich genau das alles meide was du angeführt hast. Rohes Fleisch oder etwas wo rohe eier drinnen sind habe ich schon vor der ss gemeidet da ich bei meiner Darmkrankheit sowieso etwas vorsichtiger sein muss.

  3. Huhu,
    also Emmentaler gibt es auch zig Sorten, von denen einige pasteurisiert sind, andere nicht. Da hast du bestimmt die richtige Packung erwischt! Dein Fisch ist mein Salat – aber das trainiere ich gerade wieder fleißig 🙂 Sehe das genauso mit der Panik! Sind ja alles Wahrscheinlichkeiten, die man mit Vermeiden reduziert…
    Liebe Grüße!

  4. Oh ja, das stimmt, da solltest du ja auch jegliche Entzündungsquellen vermeiden. Aber dann bist du ja bestimmt eine Rohei-Quellen-Expertin 😉
    Liebe Grüße!

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