Ernährung, Kleinkind Ernährung

Trinken Lernen | Trinkmenge bei Kleinkindern

Vernünftig zu trinken ist der allerwichtigste Grundpfeiler der gesunden Ernährung. Ohne Wasser kann unser Körper nicht arbeiten: Stoffwechsel, Verdauung, Wachstum, Konzentration und Denkfähigkeit, Temperaturregulation, Entgiftung, Transport. Jede einzelne Zelle besteht aus Wasser.
Doch das Wassertrinken ist bei Groß und Klein eher unbeliebt. Oft wird es vergessen oder es kommt die „keine Zeit“ Ausrede. Ich fühle mich manchmal wie ein Mitglied einer geheimen Wassersekte, weil ich es ständig allen anpreise und vorlebe.
Wie bringe ich nun meinen Babys das Trinken vernünftig bei? Wann und womit haben sie zu trinken angefangen? Welche Getränke biete ich an? Wie viel sollte ein Kleinkind im zweiten Lebensjahr täglich an Flüssigkeit zu sich nehmen?
Auf diese Fragen möchte ich im Folgenden näher eingehen.

Trinken Lernen Baby Kleinkind

Trinken und Beikost

In vielen Ratgeber liest man immer wieder, dass bei der Beikosteinführung das Trinken erst ab der dritten ersetzten Mahlzeit notwendig ist. Vorher reicht die Milchmenge und der Wasseranteil im Brei für einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt.
Allerdings kann man von keinem Baby erwarten, dass es dann plötzlich ein großer Wassertrinker wird und den 200 Milliliter-Becher in zwei Zügen leert. Deshalb halte ich es für natürlicher und entspannter, das Trinken parallel zum Essen einzuführen, auch wenn direkt hinterher noch gestillt oder die Flasche gegeben wird. Ohne Zwang und Druck, spielerisch, genau wie das Probieren vom Brei oder der festen Nahrung. Am besten wurde die Neugierde schon geweckt, weil Mama und Papa ständig den Becher in der Hand halten und so lustig daran schlürfen. Oder das Baby es schon mal anfassen durfte und gemerkt hat, dass es ja ganz lustig kalt ist.
Und bis die dritte Mahlzeit aufgetischt wird, hat man dann schon herausgefunden, ob das Baby den Becher, die Schnabeltasse oder den Strohhalm favorisiert. Das Trinken ist Bestandteil der Mahlzeit geworden und endet nicht in einem Kampf.

Trinkmenge

Es wird empfohlen, dass ein nebenher noch gestilltes, aber voll an den Mahlzeiten teilnehmendes Baby im ersten Lebensjahr ungefähr 200 Milliliter, also einen Becher, zusätzlich trinkt.
Für Kleinkinder (bis 4 Jahre) stolpert man häufig über eine benötigte Flüssigkeitsmenge von 600-800 Millilitern pro Tag, also theoretisch bis zu vier Becher. Hier möchte ich aber unbedingt darauf hinweisen, dass es sich eben um eine Empfehlung für die komplette Flüssigkeitsmenge, nicht um die pure Trinkmenge von Wasser zu den Mahlzeiten, handelt. Wenn das Kleinkind einen Abendbrei oder ein Frühstücksmüsli mit 200 Millilitern Milch bekommt, ist ein Viertel der Ration schon abgearbeitet. Wenn es dazu noch 100 Gramm Obstmark verputzt, hat es auch schon weitere 80 Milliliter Wasser zu sich genommen. Also keine Panik!
Und auch die Eltern von Vieltrinkern müssen sich nicht direkt Sorgen machen. Eine Trinkmenge von zwei Litern ist vollkommen in Ordnung. Allerdings kann vermehrter Durst auf Diabetes melitus hindeuten. Bei Zweifeln das Thema bitte beim Kinderarzt ansprechen!

Trinkmenge Kleinkind Beikost

das richtige Getränk

Als Alltagsgetränk empfehle ich ausschließlich Wasser. Ob Baby-Thermalwasser, Leitungswasser, abgepacktes Mineralwasser aus PET oder Glas  – das entscheidet jede Familie für sich selbst.
Wer sich in der frühen Kindheit ans Wassertrinken gewöhnt, soll der Theorie nach auch später dabei bleiben.
Kräutertee würde ich allenfalls mit therapeutischem Effekt bei Krankheit anbieten. Und verdünnte Fruchtschorlen kommen für mich persönlich auch nicht in Betracht.  Durst und das Verlangen nach Süße und Geschmack brauchen nicht miteinander verknüpft zu werden.
Etwas Kuhmilch gibt es bei uns nun statt Abendbrei zum Abendbrot. Allerdings gesondert in einer Tasse und nicht im normalen Becher. Damit möchte ich begreiflich machen, dass es keine entweder-oder-Option ist, sondern dass es eben Wasser und Milch gibt, letztere aber nicht als Free-Refill. Laut DGE-Lebensmittelpyramide zählt  Milch ja auch gar nicht zu den Getränken, sondern zu den Milchprodukten/ tierischen Lebensmitteln. Sie könnte durch Yoghurt, Käse oder Quark ersetzt werden, die natürlich einen geringeren Wasseranteil haben.
Fernab vom Alltag, also zu besonderen Gelegenheiten, enthalte ich meinen Kindern gewisse Lebensmittel aber nicht vor. So gab es schon Probierschlücke von Smoothies, frischen Fruchtsäften, Bananenmilch oder sogar vom Winzer-Traubensaft aus dem Sektglas bei einer Hochzeitsfeier. Aber alles nicht zum Durstlöschen, sondern eher als Snack-Ersatz oder Bestandteil der Mahlzeit. Frischer Saft zählt auch nicht zu den Getränken, sondern zu Obst/ pflanzlichen Lebensmitteln. Ausschlaggebend für die Kategorisierung sind die Nährstoff-Eigenschaften.
Kakao, Säfte, Nektar und Softdrinks und Eistee spare ich mir im Kleinkindalter komplett. Das aktive Verlangen danach wird noch früh genug kommen…

die richtigen Trinkgefäße

Ab dem 7./8. Monat, also relativ parallel zur Beikosteinführung, sollen Babys motorisch in der Lage sein, aus einem normalen Becher zu trinken. Leichter fällt es mit diesem vorne abgeschrägten Doidy Cup*, der auch seitliche Griffe hat.  Am Anfang wird so oder so relativ viel geschlabbert und sich hin und wieder verschluckt. Deshalb sollte man definitiv assistieren.
Als Alternative zum Becher gibt es unzählige Trinklerngefäße. Ich kenne keine Familie, die auf Anhieb den perfekt passenden gefunden hat. Bei den meisten schlummert ein kleines Sammelsurium im Schrank.
Wir hatten zunächst für eine kurze Zeit die Trinktrainer* von Mam. Da daraus aber nichts gesaugt wurde, habe ich sie schnell gegen den Plastikbecher getauscht.
Der beliebte Magic Cup* funktioniert bei uns seitdem sie etwa ein Jahr alt sind. Allerdings werden dort keine großen Mengen getrunken.
Per Zufall haben wir herausgefunden (Mamas Smoothie war sehr reizvoll), dass die Zwillinge beide mit neun Monaten perfekt aus dem Strohhalm saugen konnten. Da das viel weniger Schlabberei ist, sind wir bis heute dabei geblieben. Unterwegs oder nachts im Dunklen sind die Alternativen Becher oder Becher und Strohhalm etwas unpraktisch. Deshalb haben wir Trinkhalm-Flaschen* in Gebrauch. Eigentlich sind sie vom Hersteller erst ab 18 Monaten empfohlen. Es klappte aber auch schon perfekt im Alter von 13 Monaten. Trinkhalm-Flaschen gibt es in unzähligen Varianten und von diversen Marken. Von Familie Kuntabunt haben wir uns mal wieder einen Trick abgeschaut: Mit Schnullerketten halten sie prima am Kinderwagen oder Kindersitz.
Für zu Hause haben wir lange Zeit ganz gewöhnliche Strohhalme benutzt, die ich etwa drei Zentimeter gekürzt habe. Aus den Resten können übrigens ältere Kinder prima Ketten fädeln! Neulich habe ich Cocktail-Strohhalme im Angebot gefunden. Sie sind kürzer und dicker und damit klappt es bei uns noch besser. Wer etwas für die Umwelt tun möchte, kann Strohhalme aus Edelstahl benutzen und mit Pfeifenbürsten reinigen.
Das Trinken mit dem Strohhalm fördert übrigens die Mundmotorik und kommt dem Spracherwerb zu Gute.
Ansonsten gibt es noch unterschiedlichste Trinklerngefäße, mit denen wir bislang aber keine Erfahrung gesammelt haben. Schnabeltassen sollten bis zum ersten Lebensjahr vorne weich sein. Für Kleinkinder gibt es auch härtere Aufsätze. Auch mit Schnapsgläsern können Kleinkinder unter Aufsicht sehr gut das Trinken üben.
Generell sollte man drauf achten, dass die Gefäße nicht zum Nuckeln, sondern nur zum Trinken benutzt werden. Sonst kann es zu Kieferfehlstellungen und je nach Getränk auch zu Karies kommen.

Trinklernbecher Baby Erfahrungen

Tricks für kleine Trinkverweigerer

Auch bei uns gibt es die nervigen Phasen, in denen das Trinken sich keiner großen Beliebtheit erfreut. Gerade im Sommer wird man da als Mama leicht nervös… Wie kann man also zum Trinken animieren?

Dran bleiben – zur Not das Getränk halbstündlich/stündlich – anbieten.

Kleine Entdecker sind natürlich mit vielen anderen Dingen beschäftigt und merken noch nicht richtig verlässlich, dass sie gerade durstig sind. Wenn es ihnen dann nachts plötzlich mit Brand einfällt, dass noch drei Becher fehlen, ist keinem wirklich geholfen. Trotzdem klappt das Trinken bei uns besser, wenn sonst wenig Reize drum herum sind: vor dem Schlafengehen und nach dem Aufwachen, im Kinderwagen, bevor wir aufbrechen oder nach Hause kommen. Sobald Essen auf dem Tisch steht, werden die Becher auch gerne mal ungeduldig weggeschlagen. Deshalb biete ich nochmal zum Ende der Mahlzeit oder anschließend das Getränk an.

Das Trinkgefäß variieren.

Mal der Becher, mal Mamas Glas, mal mit Strohhalm, mal ohne. Mal aus der Flasche oder dem Trinklernbecher. Für richtige Ablehnungstage bediene ich mir der Wunderwaffe Neugierde. Klappt dann zwar auch nur für ein paar Schlücke. Aber immerhin.

Die Temperatur variieren.

Gerade im Sommer wollen auch Babys schon lieber etwas Kaltes trinken, als die lauwarme Plörre, die den ganzen Tag in der Wickeltasche herumgeschleppt wurde. Mein Tipp für lange Ausflüge: eine gekühlte Halbliter-Flasche am Kiosk kaufen und mit Strohhalm anbieten.

Trinkneid erzeugen. Vorbild sein.

Wie Futterneid gibt es zumindest bei mir in der Familie auch einen ausgesprochen großen Trinkneid. Wenn Mama oder Papa gierig ein Glas Mineralwasser trinkt und dann zufrieden „Ahh“ seufzt, möchte das Baby das unbedingt nachmachen. Wir profitieren auch eindeutig vom Geschwisterbonus und es wird sich regelmäßig um die Trinkflasche gestritten.
Außerdem sollte man möglichst oft vorleben, dass Wassertrinken vollkommen selbstverständlich ist und möglichst oft ein Glas oder eine Flasche dabei haben. Da hatte ich zugegebenermaßen mit meinen täglichen 6-7 Litern in der Stillzeit leichtes Spiel…

Sprudel

Wenn alles nicht geht – solche Tage gibt es hier auch – dann biete ich die ultimative Mutprobe an. Wer traut sich, aus dem Blubberglas zu trinken? Na, ist das Baby wirklich so mutig? Ja. Kicher. Kicher. Ist es. 😛

Ich empfehle im ersten und zweiten Lebensjahr, für das Alltagsgetränk unbedingt bei Wasser zu bleiben, weil sich sonst falsche Trinkgewohnheiten einschleichen. Also ist es kein guter Trick, mit dem Getränk als solches für Abwechslung zu sorgen. Das muss aber letztendlich jede Mama für sich selbst entscheiden.
Grund für die Trinkunlust ist übrigens, dass Babys und Kleinkinder Durst noch gar nicht richtig vom Hunger abgrenzen können. In den ersten Lebensmonaten wurden ja beide Bedürfnisse mit der Milch parallel gestillt.

Was und wie trinken eure Kinder? Wer mag seine Erfahrungen mit Trinklernbechern teilen? Wer ist selbst ein geheimer Trinkmuffel? Oder ein Wasserjunkie wie ich?
Wenn eure Kinder allgemein nicht sonderlich interessiert an der Nahrungsaufnahme sind, also auch nicht so gerne essen, klickt euch doch noch zum Artikel  „Tischmanieren“ mit meinen Erfahrungen zum Essen Lernen durch!

 

 


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2 Kommentare

  1. Ich kann mich dem nur anschließen, der Doidy Cup macht das Trinkenlernen wirklich leichter. Und auch ich möchte unterstreichen: trinken ist wichtig! Und: Wasser ist und bleibt das beste Getränk! In diesem Punkt bin auch ich Mitglied der Wassersekte 🙂

    • Nora | milchundmehr.de sagt

      Huhu, schön, dass du hier her gefunden hast, Sekten-Kompanion 😉 Ohne euch hätte es der Becher nicht in den Beitrag geschafft. Vielen Dank nochmal für den Tipp! Liebe Grüße

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