Familie, Tagebuch
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9 Monate Mama-Glück

Drei Viertel eines ganzen Jahres bin ich nun schon Mama. Mit Leib und Seele. Von zwei großartigen Menschlein. Es ist unfassbar, was in dieser kurzen – aber doch auch irgendwie langen – Zeit aus den hilflosen Miniwesen geworden ist. Riesenbabys mit Temperament und Charakter. 
Weitere einleitende Worte muss ich mir sparen. Dass der Post online geht, grenzt bei momentaner „Arbeitsbelastung“ an ein Wunder. Schade, um alle spannenden Texte und Themen, die mir noch im Kopf rumschlummern. Irgendwann ist wieder Zeit dafür…hoffentlich.
 


Der festgehaltene Tag ist ein ganz besonderer. Ein Alltag. Aber auch irgendwie nicht. Ein Tag zu viert. Aber mitten in der Woche. Eine Seltenheit bei uns. Ein Abenteuer. Ich bin mir sicher, dass ich später gerne noch einmal von diesem Tag lesen und mich daran zurück erinnere. Es war ein anstrengender, aber toller Tag. Und es gibt sogar ein paar passende Bilder, da die Kamera auch mit dabei war.

Ich werde aus tiefem, traumlosen Schlaf wach. Neben mir, weiter unten im Reisebett, meckert es. Der Mann ist auch wach geworden und reicht mir das Früchtchen zum Stillen. Ganz schön tief, diese Reisebetten. Selbiges wiederholt sich noch ein paar Mal, auch aus den Tiefen des zweiten Reisebettes, ohne dass wir auf die Uhr schauen. Luxus. Allerdings war dieser in den vergangenen Nächten noch größer. Da waren die Früchtchen so erledigt von den neuen Eindrücken, dass sie sich äußerst selten gemeldet haben.
In der Dämmerung wachen wir mit beiden Babys in der Besucherritze auf und kuscheln. Während ich mich tagesfertig mache, turnen die Früchtchen jauchzend mit Papa durchs Bett.
Dann darf Papa duschen und die Babys werden von mir auf der zur Wickelstation umfunktionierten Recamiere im Wohnzimmer angezogen. Unser Schlafzimmer ist nämlich mit den zwei Babybetten rappelvoll. Durch ein bisschen Umgeschiebe hat es gottseidank erst überhaupt gepasst. Das neue Eincreme-Ritual erfreut sich keiner großen Beliebtheit. Muss aber sein. Mit Sonnencreme. Es gibt ein Milchfrühstück (die einzige verbliebene Tandem-Stillmahlzeit), anschließend Müsli und Brot für die Ü1-er. Der Mann und ich fechten kurz die erste Lappalie des Tages aus. Wer hat getrödelt? Wer sitzt bei den Kindern auf dem Boden statt am Esstisch? Wer hat die Papaya-Stückchen zu groß geschnitten? Oder etwas in der Art. Wir sind es nicht gewohnt, so eng zusammenzuarbeiten.
Schließlich sind diverse Breimahlzeiten, Windeln und was man halt noch so braucht gepackt, die Früchtchen müde gespielt und wir starten ins Landesinnere. Der große Wunsch des Mannes. Eine Tagestour von ihm ausgearbeitet. Wir überholen unzählige Biker und genießen bei auf dem Rücksitz schnarchelnden Babys mit jedem Höhenmeter die tolle Aussicht. Wir halten sogar an einem Aussichtspunkt und machen schnell ein Zweier-Selfie. Davon haben wir sonst im Urlaub immer unzählige gemacht. Nun fotografieren wir die Kinder und es ist etwas Besonderes geworden. 



Kurz vor dem nächsten Stopp, einem weißen Bergdörfchen, wachen die Babys auf und brabbeln vergnügt.

Wir suchen einen Parkplatz, laden den Kinderwagen aus und die Früchtchen ein… und schauen uns erst einmal schnell im malerischen Örtchen um. Die nächste Diskussion des Tages: wann und wo wird gefüttert? Schließlich wird es eine schattige Bank vor der Kirche. Wenn ich von alle Touristen, die die Babys kommentieren, ein paar Cent bekommen würde, könnte ich mir nun erst einmal ein Eis kaufen. Stattdessen übergebe ich aber an den Mann, der zurück zum Auto rollt, um im Kofferraum zu wickeln. Während unsere Freunde schon fertig mit dem Sightseeing sind, haben wir noch gar nichts gesehen. Sie sind aber zu einer weiteren Runde durchs Dorf bereit und so schlendern wir noch durch kleine Gässchen, vorbei an Hexenhäuschen zu einer traditionellen Bäckerei. Dort snacken wir Kokosbällchen und Mandelkekse, während die Früchtchen ihre Speckbeinchen in die Sonne strecken und Turn-Übungen im Wagen machen.
 


Dann geht es weiter mit dem Auto die Serpentinen hoch. Es ist verdammt warm, trotz Höhe. Der Himmel ist wolkenlos. Die Früchtchen duseln wieder weg. Nächster Stopp ist eine kleine Wanderung zum Roque Nublo. Die Früchtchen kommen in die Tragen. Da die Mittagssonne aber ganz schön knallt, schlagen wir den direkten Weg ein, statt wie geplant einen einstündigen Rundweg. Erst darf ich aber noch eine Höhen-Freiluft-Windel unter einer Pinie wechseln und nutze den Moment zum Nachcremen. Der Wanderweg ist ziemlich beliebt und wir kassieren unzählige Kommentare. Von „Oh wie entzückend, halten Sie unbedingt ganz viele Erinnerungen für die beiden fest“ bis „Passen Sie bloß mit den Beinchen und der Sonne auf“, ist alles dabei. Ein Hobbyfotograf lässt es sich nicht nehmen, ein kleines Familien-Fotoshooting für uns zu machen, ohne dass wir darum gebeten hätten, während sich seine Frau über die Niedlichkeit der Früchtchen nicht mehr einkriegt und andere Spaziergänger abhält, ins Bild zu rennen. Manchmal ist es auch vorteilig, aufzufallen. 
 
Die Landschaft in der Höhe ist aktuell wirklich grandios. Fette Salbei und Kamillen-Büsche in voller Blüte säumen die Wege. Allerdings ist die Sonne wirklich stark, die Früchtchen durstig und wir ich vom Tragen ganz schön geschafft. Wir beschließen tatsächlich einstimmig, auf die letzten 300 Meter zum eigentlichen Ziel, den Felshaufen, zu verzichten. Stattdessen klettern wir einen Trampelpfad hoch, damit ich halbwegs ungesehen und im Schatten stillen kann. Das wartende Früchtchen darf etwas strampeln und vom Mittagsbrot des Mannes naschen. Ohne Sonne ist es plötzlich wirklich kalt. Der Abstieg auf den Hauptweg ist auch nicht gerade ohne, mit acht Kilo und einer großen Verantwortung vor dem Bauch. Zwei Touris bleiben stehen und wollen mir helfen. Ich schaffe es aber alleine.


Es ist verrückt. Vor einem Jahr hätten wir nie so kurz vor dem Ziel „aufgegeben“. Und nun fühlt sich genau das richtig an. Ohne Wehmut. Die Bedürfnisse der Kinder stehen vor allem.
Auf dem Rückweg durch die wunderschönen Wildkräuter schlafen die Früchtchen in den Tragen ein. Am Parkplatz gönen wir uns noch ein Eis. Aber im Schatten. Die Speckfüßchen haben genug Sonne gesehen. 
 
Im Auto wird kurz weitergeschlafen. Wir genießen das Panorama und halten schließlich an einem Picknickplatz in der Nähe eines Bergsees. Auch den Trampelpfad dorthin, also an die eigentliche Sehenswürdigkeit, knicken wir uns. Stattdessen dürfen die Früchtchen auf dem Strandlaken unter Pinien etwas herumtoben. Sie wollen die Piniennadeln verspeisen. Den Nachmittagsbrei gibt es wieder im Kinderwagen. Der Rückweg gestaltet sich nicht ganz so entspannt. Langsam geht unser Trinkwasservorrat zur Neige. Mit so warmem Wetter hatten wir nicht gerechnet. Außerdem hat das eine Früchtchen die Faxen dicke und möchte nicht mehr Auto fahren. Somit muss ich die Serpentinen abwärts streichelnd und singend zwischen den Kindern verbringen. Einmal eine große Portion Reiseübelkeit für die Mama und taube Ohren für den Papa. Dafür kurze Pausen des Geschreis.
Zurück in der Unterkunft ist immer noch traumhaftes Wetter. Die Früchtchen dürfen kurz planschen, wir Eltern abwechselnd in den Pool springen. Nebenbei müssen die Utensilien des Tages verräumt und das Abendessen für alle vorbereitet werden. Für die Früchtchen gibt es Hafer-Milch-Brei, Hirsestangen, Erdbeere und Gurke. Für die anderen eine One-Pot-Bolognese, die wir erst essen, als die Kinder im Traumland verweilen. Die weitere babylose Stunde, die mir bleibt, bevor ich selbst ins Bett falle, nutze ich um Seite 4 in den Fotoalben der Kinder zu gestalten. Beim Sortieren werde ich so sentimental über die Winzigkeit, dass ich ein Tränchen verdrücken muss.

P.s.: Hier habe ich noch unsere Urlaubserfahrungen und daraus resultierende Tipps zum Reisen mit Baby festgehalten.

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