Familie, Tagebuch
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Die 25. Woche (24+0 bis 24+6)


Die Woche fing ehrlich gesagt nicht ganz so schön an. Ich hatte aus überflüssigen Gründen einen doofen Streit mit meinem Co-schwangeren Mann. Da ich so nicht einschlafen konnte zog ich irgendwann sogar von meinem Bett auf die Couch um und streifte noch ein bisschen durchs www. Das mach ich sonst nie.
Dabei erfuhr ich dann von einer richtig traurigen Geschichte. Eine ebenfalls nach Kinderwunschbehandlung Pärchen-Zwillingsschwangere, die mir bloß eine Woche voraus war, erlebte völlig unerwartet eine richtige Tragödie. Am nächsten Morgen sollte sich herausstellen, dass ihrer Tochter nicht geholfen werden konnte. Wenn ich es richtig gedeutet habe, ist ihr Sohn nun ein Extrem-Frühchen auf Intensivstation. Ohne dass ich diese Familie persönlich noch virtuell richtig kenne, berührte mich diese Geschichte unglaublich. Schließlich könnte es auch unsere sein! Manchmal ist die Natur so grausam und das Schicksal so fies. Da fehlen mir die richtigen Worte…
Aber es zeigte mir wirklich deutlich, dass Streitigkeiten unseren beiden Wundern nicht fair gegenüber sind. Dass wir alles, was in unserer Macht steht (es ist ja nicht viel!), tun sollten, dass es ihnen so gut wie möglich geht.
In der 25. Woche präsentiere ich – zwei Ananas-Hälften. So schwer sind die beiden Racker nämlich aktuell. Nach zwei Wochen Auberginen hatten wir mal das Bedüftnis Variation in den App-Kalender und unseren Speiseplan zu bringen.

Wir bemühen uns. Leider schaffen wir es nicht hundertprozentig. Meine neue Rolle als Vollzeit-Bruthenne und vorzeitige Hausfrau bringt doch etwas Konfliktpotential mit sich. Und auch mein Mann bemerkt langsam, dass sich für ihn Dinge ändern.
Am nächsten Tag schnappte ich zufällig auf, dass eine weitere virtuelle Bekanntschaft, deren Zwillingsschwangerschaft ich verfolgte, auch frühe Frühchen-Mutter geworden ist. Außerdem fehlten in meinem Yoga-Kurs zwei Frauen, weil sie vorzeitige Wehen bekommen hatten.

Somit war irgendwie der Wurm in meinem Schwangeren-Makrokosmos. Das verunsicherte mich natürlich. Obwohl die anderen Schicksale, so doof sie auch sind, ja nichts mit meinem Körper und meiner Schwangerschaft zu tun haben. Was konnte ich noch optimieren, damit ich bis August durchhalte? Muss ich mich mehr schonen und weniger im Haushalt anpacken? Ernähre ich mich wirklich gut genug? Wie kann ich mir weniger Stress machen?
Auf jeden Fall wurde mir diese Woche wirklich gut vor Augen geführt, wie glücklich ich mich bislang schätzen kann. Und was das alles für ein großes Privileg ist.
Am Samstagmorgen fühlte ich mich auf einmal wirklich komisch. Da war zu viel Blut in meinem Kopf. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los einen erhöhten Blutdruck zu haben. Das ist natürlich eine ernste Sache und gerade mit den ganzen Geschichten im Hinterkopf machte mich das alles andere als entspannt. Letztendlich entschieden wir uns den Blutdruck in der Apotheke messen zu lassen. Er war tatsächlich höher als bei den Routinemessungen beim Frauenarzt, aber zumindest zum Messzeitpunkt noch nicht besorgniserregend hoch. Einerseits beruhigte mich die Erkenntnis, da ich scheinbar sehr sensibel gegenüber  körperlichen Veränderungen bin. Das heißt, ich hoffe, schlimmeres auf jeden Fall mitzukriegen. Andererseits musste der Wert nun im Auge behalten werden. Ich probierte mich dann sehr viel auszuruhen und organisierte mir ein Messgerät für zu Hause. Die folgenden Werte waren alle top und ich fühlte mich auch wieder besser.
Das mit dem Ausruhen war aber gar nicht so leicht, da wir eine Horde Menschen zu Besuch hatten. Dies erbrachte mir noch folgende Erkenntnis: Unsere Wohnung ist alles andere als kindersicher. Allerdings frage ich mich, ob es wirklich nötig ist ein Umfeld zu schaffen, in dem Kinder unbeaufsichtigt alles auseinander nehmen dürfen, oder ob man sie eben in gewissen Räumen beaufsichtigt und ihnen beibringt, bestimmte Dinge in Ruhe zu lassen. Schließlich möchte ich sie ja auch guten Gewissens mit zu Besuch oder ins Restaurant nehmen können. Es wird sich wohl demnächst zeigen, was aus meinen persönlichen Erziehungs-Illusionen wird…Einige unserer Freunde handhaben es aber relativ erfolgreich so. Der am Wochenende anwesende Babyjunge war allerdings von einem anderen Schlag.
Der Bauch wächst stetig. Mein Mann plädierte schon für tägliche statt wöchentliche Bauchfotos. Ich werde immer schwerfälliger und schlapper. Es ist wirklich erstaunlich, was mir die paar Extrakilos im Alltag für Probleme bereiten. Hut ab den Leuten, für die das Normalität ist. Mit vielen Pausen werkele ich an diversen Kreativprojekten vor mich hin und probiere Erledigungen abzuarbeiten. Wer weiß, wie viel Zeit noch bleibt…
Vermisse ich etwas?  weiterhin Puste, Kraft, Beweglichkeit; selbstgemachtes Eis
Heisshunger? nichts konkretes, laut meinem Mann dürfte es mal wieder deftiges Fastfood sein, damit er auch was davon hat…
 Wehwechen? Blutdruckveränderungen, Bücken anatomisch und kreislauftechnisch stark erschwert
 Bauch?  ich warte darauf gefragt zu werden, ob es demnächst  soweit ist
Stimmung?  etwas ängstlich, ansonsten bis auf die Streitigkeiten stabil
Highlight der Woche? Koala-Babys im Zoo ohne Tränen, Sonne
Worauf freue ich mich?  hoffentlich bald viele Striche auf der „To Do“ Liste
Anschaffungen?eine weitere Ladung Klamotten, der DHL-Mann hat schon Kuchen von mir bekommen; ansonsten wurden noch unsere Babymarkt-Bestellung (unter anderem um Schlafsäcke! Endlich…) erweitert, müssen dann demnächst alles dort abholen

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