Familie, Tagebuch
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Die 30. Woche (29+0 bis 29+6)


Noch nie war ich so froh, dieses Update schreiben zu dürfen und weiterhin schwanger zu sein! Da können mir wirklich Schwüle, dicke Beine, Ischias und all die fiesen Freunde nichts anhaben. Natürlich war es keine schöne Woche. Die Sorge um unseren Babyjungen hat mich wirklich beinahe aufgefressen. Es ist erschreckend, wie angefressen und ängstlich mein Gesicht auf den wöchentlichen Bauchfotos im Vergleich zur Vorwoche auf einmal aussieht. Mir war gar nicht bewusst, wie schlimm ich aussehe, bis ich das Bild angeguckt habe. Dabei habe ich mir große Mühe gegeben, mich so wenig wie möglich zu stressen. Das hilft den beiden ja auch nicht beim Wachsen. Aber es sagt sich leichter als es ist. 
Vor wenigen Wochen seid ihr bloß zwei Ananas-Hälften gewesen, nun jeweils aber schon so groß und schwer wie die ganze Frucht; eine kleine und eine große Ananas selbstverständlich 😉
Ich habe viel nachgedacht, etwas recherchiert, Szenarien mit mir selbst oder zusammen mit meinem Mann (ein absoluter Optimist) durchgekaut. Teilweise ist auch meine Angst in eine ganz leichte Wut umgeschlagen. Immerhin ist der kleine Kerl seitdem er überhaupt im Ultraschall sichtbar war immer etwas kleiner gewesen. Vom Gynäkologen wurde er vor Weihnachten noch als möglicher Vanishing-Twin bezeichnet, der jetzt ein ganzes Kilogramm wiegt und allem Anschein nach perfekt angelegte Organe hat. Also wollte er nun mal leben und wachsen. Wahrscheinlich mit ein paar plazentaren Blutgefäßen weniger als seine Schwester seit eh und je. Deshalb sollten wir nun auch in ihn vertrauen, dass er das weiterhin so gut es eben geht hinbekommt. Allerdings kann ich natürlich auch verstehen, dass meine Kollegen bei fehlender emotionaler Verbundenheit ein anderes Programm für ihn im Kopf haben.

Nicht geholfen hat als ich erfahren habe, dass sich Pränatalzauberer und Gynäkologe auch noch telefonisch ausgetauscht haben. Das machen Ärzte ja nur, wenn es echt ernst ist. Und über Lungenreifespritzen haben sie da wohl gequatscht. Ich bin wirklich sehr gut ärztlich versorgt und kann mich glücklich schätzen, dass ihnen die Kontrolle von uns dreien so am Herzen liegt. Wäre da nur nicht diese Patientin in mir… Dieser Rollentausch ist wirklich eine ganz neue Erfahrung für mich!
Mit viel Ausruhen, kleinen schönen Unternehmungen und Nestbau-Besorgungen, Nähen, ganz viel vollwertigem Essen, kalten Fußbädern und gefrorenem Obst habe ich mich dann irgendwie durch die Woche geschleppt.
Dann ging es endlich wieder auf den Ultraschall-Tisch beim Pränatalzauberer. Über 100 g hat der Babyjunge zugelegt, seine Schwester über 200 g (profitiert nun auch von dem ganzen Extrafutter). Und der etwas erhöhte Druck im Nabelschnurgefäß ist unverändert. Das ist für uns die maximal zu erwartende gute Nachricht! Es kann erstmal weiter abgewartet werden. Mehrere Kilo Steinbrocken sind mir von der Brust gefallen. Obwohl die Situation natürlich weiterhin ernst und ungewiss ist. Mit Schwangerschaft genießen ist es wohl definitiv vorbei. Aber wie schon am Anfang geschrieben, ich darf meine zwei Wunder weiter ausbrüten! Das ist das, was zählt.
Dankeschön  also für das ganze Daumendrücken. Es hilft. Also bitte weiter so! Und ein riesen Dankeschön für die ganzen Mut-machenden Geschichten, die mich erreichten. Die tun so gut! Und auch ein Dankeschön an alle, die sich auch als Betroffene gemeldet haben. Nicht alleine zu sein ist irgendwie beruhigend. Auch wenn ich es natürlich wirklich niemandem wünsche.
Mir ist aufgefallen, dass es zum Thema Plazentainsuffizienz und deren Konsequenzen in meiner Schwangerschaftslektüre so gut wie gar keine Informationen gibt. Zur Wachstumsdiskordanz bei Zwillingen natürlich erst recht nicht. Wenn mir der Kopf wieder danach ist, werde ich euch also definitiv an meinen Recherchen teilhaben lassen.
Ansonsten habe ich auch noch eine Bekanntschaft machen dürfen mit einer neuen Freundin bzw. Feindin: Frollein Rektusdiastase. Das ist etwas, das hat mir weder im Studium noch im Mutti-Talk je einer erzählt. Da schieben sich meine Bauchmuskeln soweit an die Seiten, dass in der Mitte ein riesiges Loch entsteht. Wenn ich zu viel/ falsch esse und mich anschließend falsch bewege, kommen gluckernde Darm-Pyramidenhäufchen aus der Bauchdecke. Das ist alles andere als angenehm. Auch hierzu gibt es aber wohl noch einen extra „Mythen und Medizin“-Blogpost, damit vielleicht die ein oder andere vorgewarnt ist.
Durch das „Schon dich mehr“-Konzept fallen mir nun natürlich (endlich) Decke und Himmel auf den Kopf und die Tage werden teilweise zäh und die Gedanken dadurch noch wirrer. Aber was muss das muss! Guter Nebeneffekt: Die Babyklamotten-Ausstattung ist fürs erste fast vollständig und gewaschen. Und ein erster Stoß Windeln und andere Drogerieartikel sind nach einem Großeinkauf in die Wickelkommode gezogen. Die Nestbau-Panik kam nämlich auch auf, wenn es dann doch schneller als gedacht gehen könnte!
Vermisse ich etwas?  den Musculus rectus abdominis, Sorgenfreiheit
Heisshunger? halb gefrorenes Obst, ansonsten lässt mich der Appetit weiterhin im Stich, gegessen wird aber auch ohne Hunger
 Wehwechen? Rektusdiastase, Wassereinlagerungen
 Bauch?  der Meter wurde noch nicht geknackt; ich werde schon gefragt, ob wirklich zwei drin sind, ist natürlich in unserer Situation jetzt eher deprimierend; aber man kann es wohl keinem recht machen
Stimmung?  besorgt und ängstlich, seit gestern wieder etwas zuversichtlicher
Highlight der Woche? das ausreichende Wachstum der Kinder
Worauf freue ich mich?  jeden weiteren problemarmen Tag
Anschaffungen?Windeln, Hygieneprodukte, die Babys haben von den Großeltern schon eine Federwiege geschenkt bekommen, damit sie ab Ankunft direkt benutzt werden kann; es hängen Gardinen im Kinderzimmer (einziger Ort in der ganzen Wohnung!)

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