Gesundheit, Schwangerschaft
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Cytomegalie in der Schwangerschaft

 

 

In meinem Post zur 14. SSW erwähnte ich ja, dass ich mit einem doofen Virus in Kontakt gekommen bin und mich angesteckt haben könnte.
Genauer gesagt litt der besagte Patient an den Folgen einer Infektion mit dem Cytomegalie-Virus (CMV). Das war allerdings am Anfang noch überhaupt nicht absehbar und auch nicht sehr wahrscheinlich.
CMV gehört zu den Herpes-Viren. Typ 1 und 2 sind ja ziemlich bekannt und verbreitet (Stichwort: Lippenbläschen). Es gibt aber noch eben eine ganze Reihe weiterer „Familienangehöriger“, die bei ausgewachsenen Menschen mit gesundem Immunsystem eigentlich kein nennenswertes Problem darstellen.
Wie auch Listerien, Salmonellen, Toxoplasmen und das Parvovirus B19 (Erreger der Ringelröteln) handelt es sich beim CMV aber um einen fieses Tierchen, das für eine embyronale/ fetale Fehlentwicklung verantwortlich sein kann und gegen das auch nicht geimpft werden kann (wie beispielsweise gegen Masern, Windpocken und Röteln, die ja auch während der Schwangerschaft gefährlich werden können). Hinzu kommt, dass eine Infektion der Schwangeren keine oder nur unspezifische Symptome (bisschen „Grippe“) beschert.
Wenn man einmal mit Toxoplasmen oder Cytomegalieviren infiziert wurde, bleibt man in der Regel lebenslang immun (VORSICHT, leider gibt es bei CMV zumindest ein paar wenige Subtypen).
Diese Immunität kann man durch einen Blutwert (CMV-IgG) kontrollieren, allerdings ist das keine gewöhnliche Screening-Untersuchung, die in den Mutterschaftsrichtlinien vorgeschrieben ist und auf Kassenleistung angeboten wird.
 
 
Wer muss sich nun sorgen und sollte sich testen lassen? Wann muss man sich sorgen? Was kann man tun, um sich nicht in der Schwangerschaft anzustecken? Was muss man tun, wenn man sich angesteckt hat?
Zur Klärung all dieser Fragen habe ich ein paar Fakten zusammen getragen und hoffe, dass jemand damit meine Erfahrung/ Schreckmomente vermeiden kann:
 
Wie wird das Virus übertragen?
Leider am aller fiesesten: als Tröpfeninfektion (Husten, Speichel), aber auch über Urin, Blut und Geschlechtsverkehr

 

Wer ist infiziert/ ansteckend?
1.    Kleine Kinder – also ist Vorsicht bei schwangeren Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und –Ärztinnen geboten (Windeln wechseln, Sabber wegmachen…) und generell natürlich Mehrfach-Müttern
2.    Organtransplantierte: durch verschiedene immunologische Prozesse und vor allem die Unterdrückung des Immunsystems sind sie oft durchseucht – also ist Vorsicht geboten, wenn man Kontakt zu transplantierten Angehörigen hat oder mit eben diesen zusammen arbeitet
3.    Menschen mit schlechtem Immunsystem: Krebskranke, HIV-Kranke ect. – auch hier ist das medizinische Personal bzw. die Angehörigen betroffen
Es wird vermutet, dass die Infektionswahrscheinlichkeit außerdem von der Körperhygiene und vom Sozialstatus abhängt.
Mein besagter Patient war übrigens weder Erzieher, Vater, sichtbar immungeschwächt noch organtransplantiert, krebskrank oder HIV-positiv. So viel also zur tollen Theorie.
Welche Symptome und Krankheiten ruft CMV hervor?
Die Inkubationszeit kann bis zu sechs Wochen betragen, theoretisch ist eine akute Infektion aber auch schon nach einer Woche möglich. Die Beschwerden können ganz unspezifisch und leicht sein (grippaler Infekt, Abgeschlagenheit), komplett fehlen oder aber, gerade bei gestörtem Immunsystem, sehr schlimm sein und schwere Entzündungen in fast allen Organen auslösen: Lungenentzündung, Hepatitis/ Gelbsucht, Durchfall

 

Was macht das Virus beim Ungeborenen?
Das ist sehr kompliziert. Beschrieben sind vor allem zu Beginn der Schwangerschaft (1. Trimenon) Fehlbildungen des Gehirns und des Gehörs, zum Ende der Schwangerschaft und bei Geburt eher schwere Augenentzündungen oder Hirnhautentzündungen.
Allerdings ist die Chance, das Virus am Anfang der Schwangerschaft zu übertragen, relativ gering (20%), dafür sind halt die Folgen schwerer. Am Ende der Schwangerschaft (3. Trimenon)  ist das Übertragungsrisiko sehr hoch (80%), dafür die Folgen nicht so schwer und behandelbar.
Nun kann ja die Ansteckung bis zu sechs Wochen dauern und was bitte bedeutet konkret dann Anfang und Ende der Schwangerschaft und was passiert im 2. Trimenon? So einfach sind die theoretischen Überlegungen also nicht.

 

Was kann man präventiv tun?
Wer mit kleinen Kindern oder im Gesundheitswesen arbeitet, könnte vor einer geplanten Schwangerschaft theoretisch im Blut testen lassen, ob eine „Durchseuchung“ vorliegt. Wenn nämlich das IgG positiv ist, kann man sich eher nicht mehr akut erstinfizieren und relativ entspannt weiter arbeiten.
Ob nun ein negativer Status bedeutet, dass es ein Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft gibt (oder ab einer bestimmten Woche) ist leider nirgendwo klar geregelt und individuell zu handhaben.

 

Was kann man tut, wenn der Verdacht auf eine Infektion vorliegt?
Wichtig: Relativ zügig den Betriebs- oder Frauenarzt informieren! Bei mir auf der Arbeit hat leider keiner richtig geschaltet (die Problematik ist auch selbst bei Medizinern gar nicht so bekannt!). Es sollte IgG und IgM bestimmt werden – direkt und mindestens noch einmal im Verlauf (z.B. nach 3 und 6 Wochen). Wenn die Marker im Verlauf positiv werden, kann überlegt eine Therapie mit Immunglobulinen sinnvoll sein (klinische Studien).
Mein Gynäkologe vertritt Meinung, dass eine Antikörper-Bestimmung in der Schwangerschaft manchmal fehlerhaft ist, weil eben das Immunsystem anders arbeitet als sonst. Darüber habe ich aber keine wissenschaftlichen Informationen finden können.
Wenn eine prä-/perinatale Infektion nach der Geburt durch einen Bluttest beim Baby sicher diagnostiziert wurde, muss es gegebenenfalls ein virenhemmendes Medikament einnehmen.
Fazit:
Bei mir war nun die erste Titer-Bestimmung für IgG und IgM negativ, das bedeutet, ich war zum Abnahmezeitpunkt weder seit längerem durchseucht (=immun) noch nachweisbar akut infiziert. Die Kontrollen im Verlauf waren auch alle negativ. Glück gehabt.
Ich war im vergangenen Jahr so sehr mit „schwanger werden“ beschäftigt und habe wenig daran geglaubt, dass es dann doch klappen könnte. Das hat mir nun Stress und Sorge eingebrockt.
Retrospektiv empfehle ich allen Kinder-wünschenden Frauen, die mit Kindern oder im Gesundheitswesen arbeiten, vor der Schwangerschaft diesen Bluttest zu machen, auch wenn er aus eigener Tasche bezahlt werden muss (kostet ca. 50 Euro laut meinen Recherchen). Dann hat man eine verlässliche Ausgangslage und kann sich dementsprechend verhalten: sorgfältige Hygienemaßnahmen und ggf. Kontakt vermeiden.

 


Ps.: Ich hoffe, ich habe es hinbekommen Fachchinesisch zu vermeiden?! Wenn mal konkrete, brennende Fragen bestehen, probiere ich sie gerne zu beantworten! Außerdem würde mich interessieren: Hat jemand eigene Erfahrungen mit CMV machen müssen oder wurde jemandem  ein Test vorher angeboten?

PPs.: Auch wenn ich mich bemüht habe alles richtig zusammen zu tragen, übernehme ich keine Gewähr für die Richtigkeit dieser Informationen. Falls der Verdacht auf eine Infektion besteht sollte der erste Weg der zum Frauenarzt sein! Weiterführende, detailierte Informationen gibt es außerdem ganz gut zusammengetragen beim Robert-Koch-Institut.

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