Gesundheit, Kinderwunsch
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Die Warteschleife nach Blastozystentransfer

Ich habe ja diese Berichte und Videos regelrecht verschlungen. Schon vor der Behandlung, richtig exzessiv aber erst in diesen Tagen des Wartens. Immer auf der Suche nach Gewissheit. Diese kann man leider aber nie bekommen. Egal wie viel man liest, egal wie viele Symptome man hat oder nicht hat. Man kann auch ohne jegliche Symptome schwanger sein.
Ich möchte aber trotzdem kurz festhalten, wie es mir ergangen ist. Für Leidensgenossinnen, aber auch für mich selbst. Und dann werde ich es mir bei weiteren potentiellen Versuchen immer wieder zu Gemüte führen und mir vielleicht den einen oder anderen Nervenzusammenbruch sparen.
Genau einen Tag lang war ich positiv gestimmt und der glücklichste Mensch des Universums. Dann setzen schon Zweifel ein. Mir fielen so viele Gründe ein, warum es nicht geklappt haben sollte: Genetische Defekte, Gerinnungsstörungen, Überreaktion des Immunsystems und nicht zuletzt auch die kalte Dusche, die ich einen Tag nach dem Transfer unfreiwillig nehmen musste, weil das Warmwasser ausgefallen war. Oder die schlechte Stimmung, die ich ausstrahlte, weil ich mir eben Sorgen machte.
Es gab auch immer wieder Momente, da war ich zuversichtlich. Das konnte stündlich wechseln. Ich hatte jedoch zu keiner Zeit die Eingebung „es hat definitiv geklappt“.
Vier Tage nach Transfer (also neun Tage nach Punktion) fühlte ich gar nichts mehr. Die Schmerzen in den Brüsten, die ich nach Gonal F und/ oder Ovitrelle hatte waren komplett weg. Ich spürte auch meine Eierstöcke nicht mehr. Geschweige denn dass ich irgendeine Form von Einnistungsblutung noch sonderbaren Ausfluss bemerkt hätte. Übel war mir auch nicht. Ich war wirklich hoffnungslos. Es fehlte einfach jegliches Zeichen, dass es geklappt haben sollte. Ich habe mich wieder mehr bewegt und angestrengt, den ganzen Wocheneinkauf getätigt inklusive dem Tragen von schweren Getränken und dann auch noch den Hausputz. Auch habe ich an Tag fünf meine 4-Liter-Trinkmenge wieder reduziert.
Ein Wochenendausflug mit meinen Freundinnen hatte ich im Vorfeld abgesagt und mich darüber richtig geärgert. Es ging mir doch so gut!
Sechs Tage nach Transfer fing es an, dass ich sehr oft zur Toilette musste. Abends hatte ich plötzlich auch Schmerzen im Unterbauch. Aber sehr komische Schmerzen, eher diffus und nicht mehr so klar von den Eierstöcken ausgehend, auch eher oberflächlich als tief. Am nächsten Tag blieben die Schmerzen, der Harndrang war nicht mehr so stark.
Ich musste mir wohl jetzt auch noch eine aufsteigende Harnwegsinfektion eingefangen haben. Denn so ein bisschen generell krank (und appetitlos) fühlte ich mich auch. Oder lag das nur daran, weil wir allen erzählt haben, ich hätte mir einen Virus eingefangen?
Ich nahm mir vor beim HCG-Test in der Kinderwunschklinik nachzufragen, ob sie meinen Urin testen, damit ich dann direkt ein Antibiotikum nehmen kann. Denn das Ergebnis würde negativ sein. Schließlich musste ich ja irgendwie wieder fit für die Arbeit werden und konnte nicht noch Krankentage wegen „so etwas“ dranhängen.
Am Abend des siebten Tages, ein Tag vor dem Bluttest, gefiel mir mein Bauch immer weniger. Ich hatte den ganzen Tag kaum gegessen, er war sehr stark gebläht und die Schmerzen immer noch so diffus und dauerhaft. Es brannte aber einfach nicht typisch beim Wasserlassen. Allerdings erinnerte ich mich noch gut an meinen Notdienst vor ein paar Wochen. Da gab es eine Patientin, die ihre Beschwerden ähnlich beschrieb und letztendlich einen Harnwegsinfekt hatte.
Sollte ich mich nun also doch etwa in der von der Kinderwunschklinik prophezeiten wiederkehrenden Überstimulation befinden? Der Gedanke traf mich ziemlich unerwartet. Aber es machte irgendwie mehr Sinn als alles andere. Trotzdem verdrängte ich das wieder.
Lange Rede kurzer Sinnn – ja zur wiederkehrenden Überstimulation! Das beta-HCG war 8 Tage nach Blastozystentransfer überirdisch hoch.
Da ich mittlerweile relativ erfahren im Progesteron-Einnehmen bin ließ ich mich von den mir bekannten Nebenwirkungen wie zum Beispiel Brustwachstum, Hautveränderungen und Zwicken im Unterleib nicht wirklich aus der Ruhe bringen. Ich hatte aber eigentlich immer das Gefühl, dass es mich müde macht. In den letzten Tagen konnte ich zwar einschlafen, lag dann aber nachts für mehrere Stunden wach. Ich habe es allerdings der nervlichen Belastung und nächtlichen Verarbeitung zugeschrieben.
Im Nachhinein etwas ungewöhnlich war mein sensibler Geruchssinn. Aber auch das konnte auf die künstlichen Hormone zurückzuführen sein.
Zusammenfassend möchte ich also noch mal festhalten: 
Man kann auch OHNE jegliche Symptome und mit schlechtem Gefühl von einem positiven Ergebnis überrascht werden! 
Viele Befindlichkeiten, die andere Frauen beschreiben, sind eventuell nur auf die Medikamente zurückzuführen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es viele Leidensgenossinnen gibt, die sich nicht zumindest ein bisschen verrückt machen – und das ist bei so einer großen, ungewissen, kaum beeinflussbaren Sache auch okay. Also lest dann bitte diesen Bericht, schaut euch Mut machende Videos an und findet wieder Glauben ans gute Ende!

0 Kommentare

  1. Da hast du wohl Recht. Die "Anzeichen" können alles und nichts heißen. Genauso wie es alles und nichts heißen kann, wenn man keine hat. Ich denke, hier ist es eben wie generell: Alle (Frauen) sind anders und reagieren anders. Manche kommen in der Frühschwangerschaft aus dem Brechen gar nicht mehr raus und andere haben gar nichts.

    Jedenfalls lese ich deinen Post so, dass es positiv ausgegangen ist?! Wie geil!! Ich gratuliere dir ganz, ganz herzlich und wünsche dir von Herzen das Beste! Ich bin schon gespannt auf deinen nächsten Post und ob du vielleicht ein wenig mehr verrätst 😉

    LG

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