Gesundheit, Kinderwunsch
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How to survive….a MONSTERZYKLUS

 

 

Erst einmal vorweg: Ich habe auch keine guten Antworten dafür, wie man mit diesen endlosen Zyklen bei PCO während einer aktiven Kinderwunschzeit klarkommen soll. Es ist für Nichtbetroffene wahrscheinlcih sehr schwer vorstellbar, wie schlimm sich das tatsächlich anfühlt und was es für Herausforderungen mit sich bringt.
Ich habe leider auch keine ultimative Weisheiten parat, aber ein paar Taktiken, die ich in den letzten Monaten entwickelt habe, um Frustration und Tränenfluss etwas zu mindern!

 

 
1. Basaltemperaturmessung – jeden Morgen 

Seit Februar schellt jeden Morgen fünf Minuten vor meinem eigentlichen Wecker der Messwecker. Sieben Tage die Woche, immer zur selben Uhrzeit. Am Anfang fanden wir das am Wochenende höchst nervig. Mittlerweile kann ich anschließend aber direkt wieder einschlafen. Damit die Messung verwertbar ist, muss man zusehen, dass man vorher genug Schlaf und Ruhe bekommt. Bei mir wird es nicht verwertbar, wenn ich weniger als 6 Stunden geschlafen habe. Das ist wahrscheinlich aber individuell unterschiedlich. Es gibt noch einige Störfaktoren, über die ich mal separat berichten kann. Wichtig ist, dass man wirklich fünf Minuten misst, da die Temperatur nach dem Piepen noch ordentlich steigen kann. 
Erkennt man einen eindeutigen Temperaturanstieg, kann man Punkt 2 wieder vernachlässigen und befindet sich in der gewöhnlichen Warteschleife von ca. 2 Wochen.

 

 

2. regelmäßig den aktiven Teil beisteuern

Man hat sehr begrenzt Einfluss und so gut wie nichts in der Hand. Was man aber tun kann, ist dafür zu sorgen, dass für den Fall der Fälle immer genug lebendige Spermien im Gebärmutterhals parat stehen. Das mag leicht und selbstverständlich klingen, wenn man von einem 30-Tage Zyklus ausgeht. Wenn sich die aktive Phase aber über Wochen zieht, kann es manchmal anstrengend werden. Was habe ich mir schon Vorwürfe gemacht, weil wir dieses eine Mal zu müde/ genervt/ gestresst/ nachlässig waren. Natürlich ist es ein sehr intimes Thema, deshalb werde ich hier auf Details verzichten.
In einem Forum hatte ich mal eine Wahrscheinlichkeitsangabe bezüglich Geschlechtsverkehr, Schwangerschaftseintritt und Eisprung gefunden. Worauf diese Daten basieren, also ob hochwertiges Studiendesign oder ausgedacht, weiß ich leider nicht. Wenn man jedenfalls danach geht, kann man sich den optimalen Rhythmus, der zukünftige Eisprünge abdeckt, überlegen und sich vor allem auch etwas entspannen, wenn der vermeintliche Eisprung relativ unerwartet kam.
Wahrscheinlichkeit einer SS bezogen auf GV:
            NACH dem ES         10,3%
            Tag des ES               21,2%
            1 Tag vor ES             25,5%
            2 Tage vor ES           23,7%

            3 Tage vor ES           17,6%
            4 Tage vor ES          
6,8%           
            5 Tage vor ES           2,7%
            6 Tage vor ES           1,4%

3. auf Ovulationstests verzichten

Diese Streifen messen den Anstieg des luteinisiernden Hormons (LH). PCOS zeichnet sich klassischerweise durch einen dauerhaft erhöhten LH-Spiegel aus. Also sind die Dinger immer mäßig positiv und sind bei Zyklen von mehr als 30 Tagen echte Geldverschwendung.
Das Ablesen der Strichstärke ist so ein bisschen wie Kaffeesatzlesen. Außerdem finde ich, dass sie einen wahnsinnig unter Druck setzen und deprimieren. Weil ohne deutlichen Strich ist formal Punkt 2 zu vernachlässigen.

 

 

4. Abbruchblutungen herbei führen

An einem gewissen Punkt hilft es einfach, einen Tag 1 zu haben. Aus dem man neue Hoffnung und Kraft schöpfen kann. Vielleicht wird es ja dieses Mal kürzer.
Natürlich geht dieser Punkt nur mit Hilfe des Gynäkologen. Er sollte vorher schauen, dass wirklich gerade Stillstand in den Eierstöcken herrscht und die Schleimhaut auch nicht so hoch aufgebaut ist, dass eine Einnistung prinzipiell möglich wäre.
Im Prinzip kam man eine Blutung natürlich mit der Einnahme und dem Absetzen der Pille induzieren. Da dies in dieser Situation sehr paradox ist, kann man die zweite Zyklushälfte auch mit einem Progesteron-Präparat „faken“. Über zehn Tage werden die Kapseln zweimal täglich lokal angewendet. In dieser Zeit steigt dann natürlich auch die Temperatur, weil Progesteron das Hormon ist, was auf das Temperaturzentrum wirkt. Über relativ kompliziert ablaufende hormonelle Rückkopplungsmechanismen verhindert Progesteron auch einen Eisprung.
In der Zeit kann man also auch Pause mit den Punkten 1 und 2 machen, einfach ein bisschen leben…und sich eine kurze Zeit wie in eine „0815“ Frau mit Kinderwunsch fühlen. 

 

5. Billig-Schwangerschaftstests parat haben

Immer wieder gibt es Situationen, in denen ich mich frage: Darf ich Alkohol trinken? Mache ich etwas kaputt, weil ich mich so und so verhalten habe? Ist mir gerade etwa übel? Ich bin bemüht, stets alles nach bestem Gewissen zu machen und fühle mich eigentlich schlecht, eigentlich sobald ich nur ein Glas Weinschorle in der Hand habe. Es ist dabei auch relativ egal, ob die Temperatur seit 40 Tagen auf und ab springt oder ob ich mich in einer Progesteron-getriggerten Hochlage befinde. Der Verstand ist komplett ausgeschaltet. In jedes Ziehen in Bauch und Brust wird etwas hereininterpretiert und die Hoffnung nicht aufgegeben. Aufwachen geht mit einem Solo-Strich auf weiß relativ gut, aber schmerzvoll.
Abschließend möchte ich noch mal auf den erwähnen, dass diese Monsterzyklen Hölle sind. Oft lese ich, dass Frauen die läppsichen zwei Wochen nach Eisprung wie Kaugummi vorkommen. Wie würden diese sich dann bitte in meiner Situation fühlen? Naja, irgendwie hat jeder so sein Päckchen zu tragen. Es gibt sicherlich Schlimmeres. Es gibt aber auch Schöneres.
Auch wenn es vielleicht so klingt, als hätte ich mich mit der Situation arrangiert, nein – ich finde sie weiterhin sehr, sehr anstrengend. Trotzdem hoffe ich, dass ich hiermit jemandem helfen kann. Oder sich zumindest jemand damit identifizieren kann? Vielleicht gibt es ja noch ein paar ultimative Survival-Tipps?
Ps.: Rede ich eigentlich zu doll Medizin-Chinesich? Können mich alle verstehen?

0 Kommentare

  1. Anonym sagt

    Liebe Frollein Doctor,

    das ist der erste Beitrag, von so vielen KiWu-Bloggern und -Instamädels, in dem ich mich verstanden und weniger allein fühle. Du triffst genau den richtigen Nerv mit deinen Worten (die nicht zu chinesisch klingen!)
    So ein Monster Zyklus ist auch bei mir nach 1 1/2 Jahren keine Gewohnheit geworden. So traurig es klingt aber über jede Periode sich im Kinderwunsch zu freuen ist irgendwann nur noch deprimierend. Deine Geschichte und die Art wie du sie erzählst, geben mir Mut.
    Dafür DANKE!

  2. Huhu,
    danke für deinen lieben Kommentar!!! Ich freue mich wahnsinnig darüber, wenn unsere Geschichte Mut machen und helfen kann. Genau aus dem Grund habe ich ja mit dem Bloggen angefangen! Und wie du siehst, ist bei uns auch nun nicht alles rosig pink glitzernd, allerdings hat sich das Kämpfen zu 100% gelohnt. Ich würde es immer wieder so machen. Und Glück hatten wir auch noch… Also nicht aufgeben! Lieber die Fachmänner machen lassen!!!
    Liebe Grüße

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