Gesundheit, Kinderwunsch
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PCOS ohne Übergewicht: Skinny Cysters

Im Lehrbuch klingt alles immer so klar und offensichtlich: Die Kinderwunsch-Patientin ist übergewichtig, hat Akne und einen unschönen Damenbart. Im Zucker-Belastungstest fällt sie durch. Sie reduziert ihr Gewicht, nimmt Metformin ein und hat plötzlich wunderbare Zyklen und Eisprünge.
Leben und Lehrbuch haben manchmal aber rein gar nichts miteinander zu tun.
Heute möchte ich erzählen, wie ich vor einiger Zeit aus allen Wolken fiel und was es mit den „Skinny Cysters“ auf sich hat.

PCOS ohne Übergewicht Erfahrung Skinny Cyster

Wenn man schon lange vor dem eigentlichen Projekt Kinderwunsch weiß, dass es auf Grund einer chronischen Vorerkrankung dabei Schwierigkeiten geben könnte, geht man natürlich etwas anders an das Thema heran. Mit großer Planung. Mit der Option zu Plan B. Ohne allzu hohe Erwartungen. Leider mit Komplikationen im Hinterkopf.
Dann kommt es plötzlich anders.
Monsterzyklen.  50 Tage, 60 Tage, 90 Tage. Irgendwann blutet es gar nicht mehr. Die Temperatur, die ab einem gewissen Zeitraum jeden Morgen feinsäuberlich aufgezeichnet wird, zeigt ein munteres, zusammenhangloses hoch und runter. Von einem Eisprung weit und breit keine Spur.
Die Haut sieht schlimmer aus als in der Pubertät. Die Haare fallen aus. Die, die noch auf dem Kopf sind, sind sofort nach dem Waschen direkt wieder fettig. Im Bauch zwickt und zwackt es beinahe täglich.
Irgendwann landet man ratlos und geknickt auf dem gynäkologischen Stuhl. Ultraschall. Dicke runde Löcher – der Eierstock sieht aus wie ein Schweizer Käse.

Plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen: die Hautprobleme, die fehlenden Zyklen. Die polyzystischen Ovarien. Ich leide leide unter PCOS!
Wie bitte? Ich? Ich habe doch schon diese eine chronische Erkrankung! Läuse und Flöhe? Ich bin schlank, mein Blutzucker nach dem Verzehr eines Käsebrots liegt bei 60 mg/dl. Haare im Gesicht an unpassenden Stellen habe ich auch nicht.
Damit hätte ich nicht gerechnet. Mit allem, aber damit nicht.
Den Schock habe ich natürlich mit Recherche kompensiert. Und dabei bin ich auf die ein oder andere interessante Tatsache gestoßen.
Informationen, Studien und Erfahrungsberichte in großem Umfang gibt es vor allem aus den USA. Dort sollen ca. 4 % der weiblichen Bevölkerung an PCOS leiden, was gar nicht ganz so viel ist. In Australien gibt es nämlich Studien, wo das Vorkommen mit 11% angegeben wird.

Die Diagnose wird nach den „Rotterdam-Kriterien“ gestellt:

1.         laborchemische oder klinische Zeichen des Testosteronüberschusses (Haut/Haare)
2.         zu seltene/ gar keine Blutungen bzw. Eisprünge ODER typische Zysten im Ultraschall

Übergewicht und Insulinresistenz kommen also in den Definitionen schon mal gar nicht vor.
Leider habe ich bis jetzt noch keine genauen Zahlen gefunden, allerdings scheint es einen gar nicht so kleinen Anteil an Betroffenen zu geben, die in den USA als „Skinny Cysters“ bezeichnet werden: Frauen mit normalem oder sogar zu niedrigem BMI, die an PCOS leiden.
An einigen Stellen habe ich gelesen, dass eine Therapie bei Skinny Cysters schwieriger sein soll. Die Option Gewichtsreduktion als Problemlösung fällt weg. Metformin ist nur mit Vorsicht zu genießen. Die weiteren Therapiekonzepte sind aber ähnlich: Clomifen oder Letrozol zur Unterstützung der Eireifung. In einer Studie wird behauptet, dass Letrozol in diesem Fall sogar etwas erfolgsversprechender sei. In Deutschland kommt es aber wohl seltener zum Einsatz.
Die gute Nachricht ist, dass IVF/ICSI bei Normalgewichtigen scheinbar weniger Komplikationen und eine höhere Baby-Take-Home-Rate haben.
Sehr, sehr spannend finde ich die zahlreichen Erfahrungsberichte und der rege Austausch zwischen Betroffenen, z.B. auf Seiten wie www.soulcysters.net.

Falls jemand hier einen Erfahrungsbericht teilen mag oder auch konkretere Fragen zum Thema hat, freue ich mich über Kommentare oder Nachrichten!

PCOS ohne Uebergewicht Skinny Cysters Erfahrungen Kinderwunsch

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