Gesundheit, Schwangerschaft
Schreibe einen Kommentar

Schwangerschaftslektüre – ein Erfahrungsbericht


Gerade in den ersten Monaten der Schwangerschaft schien mir alles so surreal. Tausende Fragen geisterten in meinem Kopf herum und eigentlich wollte ich mich 24/7 mit dem Thema auseinander setzen und alles ganz genau wissen. Aber ein bisschen Abstand brauchte ich paradoxerweise auch. Ich hätte zum Beispiel auch kurz nach dem erreichten Meilensteil der berüchtigten zwölf Wochen noch kein Kinderzimmer einrichten können oder Tüten-weise Babyklamotten kaufen können. Somit war es für mich ein guter Einstieg mich mit etwas Lektüre einzudecken. Das ist meiner Meinung nach nicht unbedingt zwingend notwendig um gesunde Babys auszutragen und großzuziehen. Aber ich bin einfach der Typ, der sich gerne vorher theoretisch mit etwas auseinandersetzt und plant.

Ganz anspruchslos war ich nicht an das, was ich lesen wollte: mein berufsbedingtes Vorwissen sollte berücksichtigt werden, allerdings sollte vor allem mein Mann, der rein gar kein Vorwissen besaß auch etwas von den Informationen haben. Sie sollten mehr praktisch und neutral als zu dogmatisch sein. Und sowohl Fachwissen bzw. medizinische Informationen vermitteln als auch unterhalten.

Es gibt sicher unzählige gute Bücher und wahrscheinlich auch ein paar eher weniger gute. Im Folgenden möchte ich euch vorstellen, welche ich wirklich empfehlen würde und warum.
1.    Hebammen Gesundheitswissen (Silvia Höfer/ Nora Szasz)
Auf fast 400 Seiten erläutern zwei Hebammen wirklich alles was man zu Schwangerschaft, Geburt und der ersten Zeit mit Baby wissen sollte. Ich finde, sie schaffen wirklich gut den Kompromiss zwischen fachlicher Theorie, Laienwissen, Praxis und Unterhaltung zu finden. Allerdings merkt man als Leser schon, welche Positionen sie zum Beispiel zu Naturheilmitteln, Geburtsmodus und Babypflege vertreten. Aber das ist ja auch ein gutes Recht des Autors eine Meinung zu haben! Es ist aber eben auch gut möglich, manchmal die Ansichten nicht zu teilen und trotzdem von den vielen sachlichen Informationen des Buches zu profitieren. Es wird also keine Meinung aufgezwunden. Da hatte ich definitiv auch schon andere Exemplare in der Hand!
Vor allem gefällt mir das Kapitel am Anfang, wo ein kurzer Abschnitt über jede Schwangerschaftswoche zu finden ist und parallel auf der gegenüberliegenden Buchseite auf die aktuelle Entwicklung des Babys eingegangen wird. Das war gerade am Anfang absolut spannend und bringt uns auch jetzt noch dazu das Buch immer wieder in die Hand zu nehmen und dann in dem Zuge nochmal zu bestimmten Themen, die jetzt erst richtig relevant werden, zu blättern.
Auch super praktisch finde ich bebilderte Anleitungen zu Yoga- und Gymnastikübungen für zu Hause, vor allem für bestimmte Wehwehchen ausgelegt.
Mein (fachfremder) Mann hat einen guten Überblick über Schwangerschaft, Geburt und Babypflege bekommen und nach dem Lesen definitiv ein realistischeres Bild vom Thema. Vorher war seine Sicht der Dinge irgendwie ein bisschen zu rosa-rot, anschließend war sie realer. 
 

2.    Zwillinge(Petra Lersch, Dorothee von Haugwitz)
Dieses Buch war definitiv die beste Anschaffung! Was haben wir uns alles für Gedanken und Sorgen gemacht, nachdem wir die zwei Pünktchen im Ultraschall bestaunt haben. Dieses Buch gibt so unglaublich viele praktische Antworten auf meine konkreten Fragen, dass es wirklich viele Ängste genommen hat. Verfasserinnen sind eine Psychologin/ Zwillingsmutter und eine Hebamme, die selbst Zwilling ist und sich auf die Betreuung von Mehrlingsfamilien im Rheinland spezialisiert hat. Es gibt zu diversen Fragestellungen Interviews mit Zwillingseltern und sogar auch mit Ärzten. Außerdem berichten sie viel aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz und über ihre internen Statistiken. Theoretische, allgemeine Informationen über die Schwangerschaft gibt es auch, wenn auch in etwas kürzerer Form als im oben vorgestellen Buch, sodass es auch als alleiniger Ratgeber ausreichen würde.
Gut ist natürlich, dass viel detaillierter auf Mehrlingsschwangerschafts-Probleme, -Wachstumskurven und -Geburt eingegangen wird als es in den gewöhnlichen Schwangerschaftsratgebern der Fall ist.
Ein befreundeter Zwillingsvater erklärte mir letztens noch als seine Mäuse ein paar Wochen alt waren, dass doch alle Ratgeber absolut nicht auf Zwillinge anzuwenden sein und ich sie gar nicht erst lesen müsste, weil alles ganz anders läuft. Er kannte diesen hier nicht! Ich habe das Gefühl, dass man damit doch so gut wie nur möglich vorbereitet wird. Natürlich kann immer noch alles ganz anders kommen, ABER: es hat sich schon jemand für mich Gedanken gemacht, wie ich zwei Kinder stille/ bade/ bett- oder ausflugsfertig mache. Dass ich alle Tipps 1:1 übernehme, denke ich nicht – aber ich habe Inspiration und Hilfe  fürs erste Lebensjahr im Regal stehen und im Hinterstübchen abgespeichert! Also – 100% ige Kaufempfehlung für werdende Mehrlingseltern! Natürlich haben auch die beiden Autorinnen wieder ihre persönliche Einstellung – aber die ist vor allem praktisch geprägt, was sich ganz gut mit meiner deckt.
Dies ist ein eher humorvoller, kurzweiliger Roman, den ich mir als Pool-Lektüre für unseren Babymoon auf den Kanaren mitgenommen habe. Mitterlweile bevorzuge ich wieder Krimis oder schlechte Frauenbücher, die nichts mit Babys zu tun haben. Zu besagter Zeit war aber die Schwangerschaft so Gedanken-beherrschend, dass es auch ein thematisch passender Roman sein musste. Ich tippe darauf, dass die Autorin, selbst Mutter eines Sohnes, viele Erfahrungen ihrer eigenen Schwangerschaft aufgegriffen hat und sich außerdem noch des ein oder anderen Klischees bedient, um die Zeit, in der die Protagonistin schwanger ist, wiederzugeben. Schöne und weniger schöne körperliche und seelische Veränderungen werden abgearbeitet. Protagonistin Linda und ihr Freund erleben viel, was man selbst durchgemacht hat oder noch machen wird. Insgesamt ist es auch wirklich leicht und unterhaltend. Unter der richtigen Ladung Hormone an der einen oder anderen Stelle auch gefühlsduselig. Als „Patientin“ mit längerem Kinderwunsch-Weg war ich anfangs zugegebenermaßen etwas genervt von Lindas Gejammer. Ich bin davon ausgegangen, dass ihr Weg  nicht sehr lang und nervenaufreibend war und diese Tatsache hat mir irgendwie das Sympathie-Empfinden erschwert. Ist vielleicht nicht ganz richtig diese Einstellung – aber wegzaubern konnte ich sie nicht. Aber im Verlauf der Erzählung kommt dann raus, dass es doch gar nicht alles ganz so leicht war. Bling – Sympathie-Skala steigt. Ist etwas fies. Und stolz macht mich das auch nicht gerade.
Wer noch nicht genug von alleinigen Blog-Geschichten anderer Bald-Mamas hat, keine Lust auf Theorie und Hebammen“geschwätz“ oder ganz einfach etwas leichtes für die Garten-/Pool-Liege sucht, dem sei der Roman ans Herz gelegt. 
4.  Das glücklichste Baby der Welt (Dr. Harvey Karp)
Dies ist ein relativ beliebter Ratgeber in den USA, der von einem Kinderarzt verfasst wurde. Er hat eine Theorie entwickelt, von der er sehr überzeugt ist um unruhigen Babys und deren Eltern in den ersten zwölf Wochen das Leben einfacher zu machen. Seine Behauptung: im sogenannten „vierten Trimester“ vermisst das Baby die Gebärmutter und benötigt eine ähnliche Umgebung, sonst leidet es an Schrei-Koliken. Er erklärt sein Konzept sehr ausführlich auf fast 400 Seiten und gibt praktische Anleitungen zum Pucken/ Einwickeln, Wiegen, Saugen und Co. Die Quintessens des Ratgebers wäre definitiv auch schneller abgehandelt, aber es ist auf Grund vieler Praxisbeispiele und Interviews auch gut unterhaltend und schnell gelesen. Der Autor nimmt Bezug auf seine eigene Arbeit als Kinderarzt und auf diverse klinische Studien, es ist aber kein trockenes Mediziner-Gefasel, sondern gut verständlich.
Ich hatte vor dem Lesen große Fragezeichen im Kopf bezüglich des Puckens und Beruhigens. Was soll das bitte bringen? Tut das nicht weh? Der Autor gibt auf jeden Fall gut verständlich wieder, wieso es seiner Meinung nach eine gute Idee ist. Auch macht er Hoffnung, dass es in der ersten Zeit doch Wege gibt, mal auf die Toilette, unter die Dusche oder zum Kühlschrank zu kommen. Ob ich alles so umsetzen werde und ob sein Konzept auf meine beiden Schätzchen anzuwenden ist, weiß ich natürlich noch nicht… aber versuchen werde ich es definitiv! Zwei Pucktücher liegen schon im Schrank bereit.
Dr. Karp reißt auch noch kurz Stillprobleme, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und organische Ursachen für Bauchweh an. Das war auch alles ziemlich spannend.
Ich kann übrigens allen, die sich für das Buch interessieren, empfehlen es noch in der Schwangerschaft zu lesen und nicht erst aus Verzweiflung, wenn das Baby schon da ist und schreit. Weil sein Konzept wirklich für die ersten acht bis zwölf Wochen ausgelegt ist und man da ja bestimmt nicht so viel Zeit und Muße zum Schmökern hat. Für ältere Babys ist es nicht mehr so richtig relevant.
5.    Informationsmaterial der Krankenkasse
Als Ergänzung zu meinen Ratgebern weiß ich mittlerweile die Infobroschüren, die mir die Krankenkasse monatlich zusendet, wirklich zu schätzen. Hätte ich nicht erwartet. Es sind wirklich gut aufgearbeitete Informationen, die nicht selten auf klinische Studien Bezug nehmen, was mein Mediziner-Herz höher schlagen lässt. Zwar ist alles nur immer kurz angerissen, aber so habe ich direkt Quellenangaben, wo ich weiter lesen könnte, wenn mich etwas genauer interessiert. Leider gibt es natürlich keine spezifischen Informationen für Mehrlinge. Beim Themenblock „gesunde Ernährung“ gab es auch ein Rezeptheftchen mit leckeren, saisonalen Gerichten, von denen ich wirklich ein paar ausprobiert habe. Sollte eure Krankenkasse so einen Service anbieten, kann ich wirklich empfehlen das zu nutzen.
6.    Pregnancy + App
Wer meine Obst-Wochen-Updates hier oder auf Instagram verfolgt, dem wird natürlich nicht entgangen sein, dass wir diese App benutzen. Der wöchentliche Obst-Baby-Größenvergleich ist natürlich nur eine Spielerei. Im Grunde kann die App noch einiges mehr: Jeden Tag hält sie eine kurze Information zu bunt gemixten Themen bereit. Zum Wochenwechsel gibt es einen längeren Text unterteilt in Schwangerschaftsverlauf, körperliche Veränderungen, Baby und auch immer einen Abschnitt zu Mehrlingen! Außerdem gucken wir gerne die passenden Ultraschall-Foto-Beispiele und eine 3D-Rekonstruktion, die aussieht wie gemalt, um uns vorzustellen wie die beiden Kleinen aktuell aussehen. Oder wir klicken auf dem Countdown oder der Zeitleiste herum, um zu gucken, was noch vor uns liegt oder schon hinter uns. Mein Gewichtsverlauf dokumentiere ich übrigens auch in der App.
Teilweise sind die Infos medizinisch nicht ganz korrekt. Teilweise wiederholen sie sich. Und es ist alles auch eher amerikanisch angehaucht. Täglich habe ich nur am Anfang reingelesen. Ich glaube bis zur 16. SSW kann man alle Funktionen kostenfrei nutzen, anschließend muss man eine Erweiterung für ein paar Euro kaufen, um weiterhin Zugriff auf die täglichen- und wöchentlichen Updates zu haben. Es gibt noch zig Funktionen, die ich nicht nutze: Einkaufszettel, Namenslisten, Terminkalender.
So, wer hat den noch weitere gute Buchtipps für mich? Oder schon was von meinen Favoriten gelesen? Oder ist Schwangerschafts-Lektüre überflüssig?


Ps.: Ich habe die Bücher als Partner-Link zu Amazon.de gesetzt, damit ihr sie einfach findet. Falls ich wen neugierig gemacht habe, würde ich mich sehr über den entsprechenden Klick freuen.Falls dadurch Einnahmen erzielt werden, werden sie auch wieder in den Blog gesteckt, sodass alle Beteiligten davon profitieren!

0 Kommentare

  1. Ich hab auch das Buch "Zwillinge" und fand es ebenfalls toll. Es ist alles toll erklärt und ich denke das es auch für später gut ist um einiges nochmals nachzulesen.

  2. Anonym sagt

    Vielen Dank für die tollen Buchzusammenfassungen. Ich hab schon oft in den einschlägigen Buchläden gestanden und dann doch wieder alles weggelegt, weil die Auswahl mich erschlagen hat. Ich werde mir jetzt Hebammen Gesundheitswissen holen.
    Außerdem ein großes Kompliment für deinen Blog!! Ich lese schon seit ein paar Wochen still mit und freue mich jedes Mal über neue Blogeinträge! Ich bin selbst Zahnärztin und dein medizinischer Background gefällt mir daher super 😉 Liebe Grüße, Katja

  3. Liebe Katja,
    herzlich Willkommen und vielen Dank für deine lieben Worte. Da hüpft mein Herz beim Lesen!
    Gerade über "Kollegen"-Leserinnen freue ich mich doch besonders. Wer weiß, ob ich nicht auch nochmal ein Gingivitis-Problem habe 😉 Aber trotzdem habe auch ich das Gefühl, dass wir zwar nen langes, intensives Studium hatten, aber das Baby-Diplom einfach fehlt! Ich stehe bei sehr vielem einfach auch wie der Ochs vorm Berg!

    Ich hoffe, dass das Buch dir dann auch zusagt… wie ich schon schrieb, ich finde es gut und trifft ganz gut den Kompromiss zwischen Sachlichkeit und Bauchgefühl-Ratschlägen. Alles Gute für deine Schwangerschaft!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.