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Tipps für die Zahnpflege bei Babys & Kleinkindern

Bezahlte Kooperation | Als Mama- oder Papa-Neuling ist man ja irgendwie sehr bestrebt, bloß alles richtig zu machen. So auch bei der ersten Zahnpflege. Nur was ist hier richtig? Was ist falsch? Ab wann sollten die Zähne geputzt werden? Und womit? Und was macht man, wenn das Kind diesbezüglich ganz andere Vorstellungen hat als man selbst? Es kursieren beim Thema Zahnpflege mal wieder unzählige Mythen, Tipps und Ratschläge im Eltern-Kosmos. So möchte auch ich gerne meinen Senf dazu beitragen, von unseren Erfahrungen und meiner Einstellung zum Zähneputzen berichten.
Grob zusammengefasst ist die nämlich im Vergleich zu der Einstellung von Zahngesundheitsbeauftragten relativ entspannt, habe ich das Gefühl. Zähne sind zwar bedeutende Organe, aber im Zweifel gibt es wichtigere…

Ein gesunder Start bringt gesunde Zähne?!

Wie ich schon im Artikel über die zuckerfreie Babyernährung schrieb, Zahngesundheit kommt meiner Meinung nach hauptsächlich von innen – und die Grundsteine dafür werden schon lange vor dem Durchbruch des ersten Zahnes gelegt . Wer gesund ist, sich gesund ernährt, nicht die allerschlechtesten genetischen Voraussetzungen hat und ein wenig Putzdisziplin beherrscht, braucht sich nicht viele Sorgen um Karies zu machen. Aber ein paar WENN und ABERs gibt es natürlich schon. Sonst wäre dieser Beitrag sehr kurz.

Der Artikel entstand übrigens wieder in Kooperation mit der Initiative 1000 Tage . Was es genau  mit dem Projekt auf sich hat, habe ich ja neulich schon erklärt. Wem es im gerade erwähnten Punkt „gesunde Ernährung“ noch an Inspiration fehlt, dem kann ich nur empfehlen, dort mal zu stöbern.

richtig Zaehneputzen von Anfang an Tipps und Tricks

Wenn man anfängt, sich Meinungen von Kinderarzt, Zahnarzt, Hebamme, Stillberater, Familie und Freunden einzuholen oder das große Worldwideweb befragt, wird man schnell merken, dass schon alleine die Wahl der Zahnpasta die Geister scheidet. Und wann ist der richtige Zeitpunkt für das erste Putzen gekommen? Wie oft und wie lange soll geputzt werden? Und wie überzeuge ich nun noch das Kind in der Autonomiephase vom ganzen Hokuspokus? Diese Fragen versuche ich im Folgenden zu beantworten.

Wann mit dem Zähneputzen starten?

Oft wird – vollkommen logisch – empfohlen, ab dem ersten Zahn mit dem Zähneputzen anzufangen. Wir haben es trotzdem anders gemacht.
Bei uns gab es im neunten Lebensmonat die ersten Zähne. Mit sechs Monaten bekamen die Zwillinge schon ihre erste Zahnbürste, die sie unter Aufsicht für kurze Putz-Sessions nach Herzenslust abschlabbern durften. Bestenfalls habe ich mir dann parallel noch selbst die Zähne geputzt und ab und zu mal ein bisschen die Kauleiste vorsichtig und absolut spielerisch abgebürstet. Als sie mobil wurden, haben sie mich immer ins Badezimmer verfolgt und waren bei meinen täglichen Zahnpflegeritualen zugegen.
Der Vorteil in diesem frühen, ungezwungen Heranführen ist für mich, dass der Druck fehlt. Wäre schon ein Zahn da, würde ich putzen (müssen), egal ob das Baby Lust hat oder nicht. So geht erst einmal alles nach Lust und Laune. Und für den Ernstfall wissen die Kleinen dann schon genau, was sie erwartet. Mit etwas Glück finden sie es total normal.
Ich hatte sogar den Eindruck, dass die Zahnbürste eine gute Zahnnungshilfe ist. Selbstverständlich sollte man ein Baby aber damit nicht unbeaufsichtigt spielen lassen, da es sich verletzen kann.

Zahnpflege bei Babys und Kleinkindern Erfahrungen

die richtige Zahnbürste

Wenn der erste Zahn im zweiten Lebenshalbjahr auftaucht, was ja bei den meisten Babys der Fall ist, sollte man mit einer weichen Babyzahnbürste gut zurechtkommen. Die haben nur ein ganz kleines Borstenfeld und einen kurzen Stiel. Für Kinder ab 3 Jahren, die dann ja ihre 20 ausgewachsenen Milchzähne zu pflegen haben, wächst dann noch mal der Borstenbereich, bevor ab Schulzeit eine normal große Bürste, wie wir sie benutzen, angebracht ist. Ein verkürzter Stiel erleichtert auch das selbstständige Schrubben.
Falls Säuglinge schon im ersten Lebenshalbjahr zahnen und die Verletzungsgefahr mit der Bürste noch zu groß ist, weil jegliche Kooperation und Koordination fehlt, würde ich mal ein Fingerzahnbürste ausprobieren. Die gibt es in diversen Ausführungen und aus verschiedenen Materialien – Stoff (siehe Foto), Silikon, Plastik… – sowohl in der Drogerie als auch im Babyfachmarkt und natürlich online. Bei uns kam der niedliche Hase (noch) nicht zum Einsatz, da es mit der Bürste ganz gut geklappt hat. Aber vielleicht bald…
Auch gibt es spezielle Babyzahnbürsten, quasi mit größeren Massage-Elementen statt Borsten, die nicht nur für die Mundhygiene sondern auch als Zahnungshilfen beworben werden. Damit habe ich jedoch gar keine Erfahrung.
Wie auch bei den Erwachsenen sollte eine Kinderzahnbürste regelmäßig ausgetauscht und nach jedem Putzen gründlich ausgewaschen werden.

die richtige Zahnpasta

Die Wahl der Zahnpasta ist mal wieder eine Art Eltern-Glaubensfrage. Speziell für das entsprechende Alter empfohlen sollte sie in jedem Fall sein. Das reduziert schon einmal die möglichen Tuben im Ladenregal. Ein paar mehr als bloß eine bleiben trotzdem noch übrig: Deshalb die nächste Frage: Fluorid ja oder nein? Wer täglich Fluorid-Tabletten gibt, sollte definitiv eine Fluorid-freie Zahnpasta verwenden, weil es sonst einfach zu viel ist. Wer keine Fluorid-Tabletten gibt, sollte im ersten Lebensjahr einmal täglich eine Fluorid-haltige Zahnpasta benutzen (etwa erbsengroße Menge, 500 ppm bis zum 6. Lebensjahr). Meine Meinung dazu könnt ihr im Blogpost: Hausapotheke fürs Baby – Vitamin D, Fluorid & Eisen nachlesen.

Zahnpasta und Zahnbuerste fuer Babys

Doch auch hier ist die Qual der Wahl noch nicht beendet: Fluorid ist chemisch je nach Zahnpasta-Marke an unterschiedliche Träger gekoppelt: Ammonium-Fluorid (zum Beispiel Elmex) oder Natrium-Fluorid (zum Beispiel Odol Med 3). In diversen Foren und Kreisen wird heiß diskutiert, was nun davon besser ist. Ich sage aus dem Bauch heraus: in der aufgenommenen Dosis es ist egal. 😉 Wirkungsnachweis gibt es für beides ausreichend.
Fluorid-freie Zahncremes enthalten reinigende Substanzen wie zum Beispiel Süßholzwurzel, Kieselgel oder Xylit, einem Zuckerersatzstoff (Zuckeralkohol!), dem eine Karies-hemmende Wirkung nachgesagt wird. Es gibt auch Ansätze mit Milchenzymen, anderen mineralischen Komplexverbindungen… Die Liste der Produkte ist lang und reicht von schulmedizinisch bis ökologisch. Bei mir fallen die meisten dieser Zahncremes in der Theorie durch. Das ordentliche Bürsten alleinig mit Wasser, das ich für alle Zahnlinge unter einem halben Jahr sowieso empfehlen möchte, sollte einen ähnlichen Effekt haben.
Vollkommen daneben halte ich für den Anfang Produkte, die süß schmecken. Babys sollen das Zeug zwar schlucken, aber nicht herzlich verspeisen. Sie sollen sich an den eigentlichen Ablauf und Zweck gewöhnen. Diesen Köder würde ich mir allenfalls für harte Verweigerer in der späteren Autonomiephase aufheben.

Wie häufig werden die Zähne geputzt?

Die Empfehlungen lauten hierzu: Bis zum ersten Geburtstag einmal täglich, ab dem ersten Geburtstag zweimal täglich, davon aber nur einmal mit Fluorid-haltiger Zahnpasta, ab dem zweiten Geburtstag dann zweimal täglich mit Zahnpasta.
Ich denke, jede Familie muss für sich selbst entscheiden, wie sie das Ritual am besten in den Alltag integrieren kann und kleinere Abweichungen von diesem Plan sind vollkommen in Ordnung.
So haben wir es gemacht: Als mit 8-9 Monaten die ersten Schneidezähne eine putzbare Größe hatten, haben wir abends mit Zahnpasta geputzt, vorher nur unregelmäßig spielerisch.
Mit eineinhalb Jahren fehlten nur noch die hintersten Backenzähne und ich habe aus dem Bauch heraus beschlossen, von nun an auch am Morgen mit der gleichen Zahnpasta zu putzen.
Ich halte die Fluorid-Menge für vertretbar, da nicht immer alles heruntergeschluckt wird und wir uns generell salzarm ernähren, also auch wenig andere natürliche Aufnahmequellen haben.

Zaehneputzen in der Autonomiephase

Putztechniken

Über Dauer des Putzens und die richtigen Techniken gibt es ganze Brochüren, passende Liedtexte und Reime. Toll für die Theorie. Und sicher hilfreich für Kindergartenkinder. Aber wir reden hier über das Zähneputzen bei ungeduldigen Babys und unkooperativen Kleinkindern. Am befriedigendsten ist es für alle Beteiligten, wenn die Ansprüche an die Möglichkeiten angepasst werden, würde ich mal ganz neunmalklug behaupten.
Mein oberstes Ziel ist, dass die Zahnpasta abgelutscht wird (glücklicherweise sehen meine Kinder das auch so) und dass Mama oder Papa einmal über alle Zähne sowie den Rest der Kauleiste schrubben (da sind wir uns schon nicht immer einig). Alles andere ist utopisch oder Kür. Wenn das Pflichtprogramm durch ist, dürfen die Zwillinge morgens bei mir auch immer noch ein bisschen selbst putzen.
Solltet ihr putzbegeisterte Kinder haben, bei denen man bei jedem Zahn von zehn herunter zählen kann oder das KAI-System1 anwenden kann, könnt ihr ja gerne mal eure Tipps und Tricks in den Kommentaren lassen.
Es wird übrigens aktuell empfohlen, nach dem Zähneputzen nicht mehr auszuspülen oder die Zahnpasta auszuspucken, sondern sie soll einfach verputzt und geschluckt werden, damit das Fluorid auch im Körper ankommt. Ich muss gestehen, dass ich mich so ans Spucken gewöhnt habe, dass ich es gar nicht mehr abstellen kann. Ich bin gespannt, wie das bei den Kleinen ist…

Zahnputz-Verweigerung

Das ist wohl der Aspekt des Themas, mit dem wir Eltern uns am meisten herumschlagen. Theorie und Hintergrundwissen sind ja schön und gut. Aber was ist, wenn sich das eigensinnige Baby in Sachen Zahnpflege einfach nicht helfen lassen will?
Die Beweggründe, Zähneputzen gerade oder auch langfristig so richtig doof zu finden, können vielseitig sein. Ich finde es hilfreich, wenn man sich erst einmal überlegt, wieso das Kind ablehnend reagiert, bevor man nach einer Lösung sucht.
Ist der Grund ein akuter Zahnungsschmerzen oder eine besondere Empfindlichkeit, würde ich genau diese Stelle immer erst zuletzt und nur sehr behutsam putzen. Und wenn es sein muss, dort eben einmal nicht.
Ihr wisst, dass ich zum Mama-Typ „ziemlich konsequent“ gehöre. Deshalb ist es für mich keine Option, das Zähneputzen komplett ausfallen zu lassen. Das steht hier also nie zu Debatte. Die Zähne werden geputzt. Basta. Vermeidungsstrategien bringen keinen weiter.
Für akute Bocklosigkeit hat sich bei uns bewährt, dass ich mir erst einmal selbst die Zähne putze oder mich dem anderen Kind widme. Das zweite kommt dann meistens doch plötzlich ganz von alleine. Ein Geschwisterbonus, der zumindest die Zahnbürste im Mund landen lässt. Putzen ist dann wieder etwas anderes.
Oder das Setting wird irgendwie aufregender. Statt wie immer auf dem Schoß darf das Kind stehen bleiben, wir setzen uns zusammen auf den Boden, es darf liegen wie ein kleines Baby, der lustige Tier-Waschhandschuh wäscht, ich denke mir ein Lied aus…
Schwieriger wird es, wenn Kinder den Mund gar nicht öffnen wollen oder die Bürste richtig abwehren. Richtig schlaue Einfälle, wie man damit umgehen soll, habe ich bislang nicht gefunden: Ein gutes Vorbild sein und trotzdem konsequent bleiben, auch wenn es nervig ist und in Kämpfen ausarten kann, fällt mir nur dazu ein. Vielleicht kann man das Kind von einer Art Tausch überzeugen: es darf bei Mama oder Papa putzen, wenn es die Zahnbürste selbst im Mund toleriert.
Bei richtig hartnäckige Putzverweigerer könnte natürlich auch eine Geschmacksveränderung der Zahnpasta ein Versuch wert sein. Oder eine elektrische Zahnbürste oder App, mit der das ganze zum Spiel wird. Es gibt diverse Bilderbücher zum Thema Körperhygiene, die auch zum Verständnis beitragen könnten.

Wann das erste Mal zum Zahnarzt?

Hierzu habe ich schon diverse Zahnärzte und deren Mitarbeiter befragt und immer andere Antworten erhalten. Sinnvoll finde ich die Stellungnahme des Bundesverbands der Kinderzahnärzte2: Ein regelmäßiger Besuch wird ab dem 3. Geburtstag empfohlen. Da aber auch schon früher Zahnschäden auftreten können (auch Milchzucker kann Kariesbakterien nähren!) und so Umgebung, Arzt und Ablauf ungezwungen kennengelernt werden können, sollte man das Kind von kleinauf mit zu seinen eigenen Zahnarztbesuchen nehmen. In der Praxis mit Zwillingen sorgt das natürlich für riesiges Chaos in der Praxis und ist nicht wirklich was für meine Nerven. Das könnt ihr euch sicher vorstellen…

Wie sind eure Erfahrungen beim Zähneputzen? Habt ihr Zahnputz-Freaks oder Verweigerer? Wie geht ihr damit um? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

Milch & Mehr Mamablog Signatur

Ps.: Der Artikel entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit Milupa Nutrica. Text, Thema und Meinung kommen aber zu 100% von mir.

1 KAI-System nach BZgA
2 Bundesverbands der Kinderzahnärzte

2 Kommentare

  1. Anna sagt

    Ein sehr schöner Beitrag. Ich kann leider noch keine Tipps abgeben, weil ich grad die letzten Schwangerschaftstage vor mir habe. Aber ich habe mir gerade bildlich vorstellen können, wie die Zwillinge durch die Praxis Düsen, während man probiert seine Zahnreinigung durch zu bekommen 😂

    • Nora | milchundmehr.de sagt

      Vielen Dank! Alles gute für die Geburt und die vorerst zahnlose Zeit 😉

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