Meine Still-Erfahrungen (Zwillinge, Frühgeburt), Stillen
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Ein Stilldrama: Akt 4 Komplikationen.

Wunden, Risse & Löcher
Stillen ist das natürlichste der Welt – wenn sich Mutter und Kind aneinander gewöhnt haben. Vorher tut es weh! Irgendwie ist diese Information an mir vorbeigegangen. Auf gezieltes Nachfragen geben allerdings einige Frauen in meinem Bekanntenkreis zu, dass es auch ihnen einige Wochen Schmerzen bereitet hat.
Mehrere Hebammen haben mir mittlerweile erzählt, dass gerade Frauen mit hellem Hauttyp und rötlichen Haaren sehr empfindlich reagieren.
Gerade kleine, Flaschen-trainierte/ saugverwirrte Frühchenmünder machen die Sache natürlich nicht viel angenehmer. Ich würde sagen, ich hatte fast drei Monate mit wunden Stellen zu kämpfen.
Mir wurde von einer Stillberaterin zur Linderung die PureLan-Salbe von Medela empfohlen, sie enthält Lanolin, ein natürliches Wollfett, was unbedenklich für den Babymund ist. Es gibt diverse ähnliche Salben von anderen Herstellern. Man braucht wirklich nur einen total dünnen Film auftragen. Ich bin damit sehr gut zurechtgekommen. Eine kleine Tube hält ewig.

Meine Hebamme hat mir außerdem noch die Beinwell-Salbe der Bahnhofsapotheke ausgeliehen. Darauf schwören auch sehr viele Frauen. Dort sind neben dem Lanolin noch diverse pflanzliche Stoffe enthalten. Ich persönlich habe keinen Unterschied in der Wirkung festgestellt, fand aber den Geruch störend. 
Über zwei Monate lang fand ich jede Berührung unangenehm. Selbst jede noch so kuschelige Dusche wurde zur Qual. Vom Luftzug anschließend will ich gar nicht reden…
Dann wurde es besser. Ungefähr eine Woche lang war das Stillen so entspannt, dass ich nebenbei eBooks lesen und im Internet surfen konnte. Dann machte das große Früchtchen einen Entwicklungsschub durch, ich habe kurz nicht aufgepasst – und plötzlich war er da, der kleine Riss. Aua aua. Durch die ständige Beanspruchung wurde dieser immer größer und tiefer, sodass man bald von einem Loch sprechen musste. Und es wurde einfach nicht besser. Vier Wochen lang tat es nach jedem Stillen nachts, wenn ich nicht abgelenkt war, so doll weh, dass ich für mehrere Stunden nicht in den Schlaf fand. Trotz schlafender Kinder. Während des Stillens starte ich nur auf die Uhr. Meine Hebamme empfahl mir, die Stelle mit einem Laser behandeln zu lassen. Das habe ich aber logistisch-organisatorisch immer aufgeschoben. Irgendwie musste es auch so gehen. Einzig die Multi-Mam-Kompressen brachten Linderung und leichte Besserung, die leider immer wieder rückschrittig waren, sobald ein Früchtchen nervös wurde. Schließlich habe ich die Stelle irgendwie wieder zu bekommen, in dem ich unruhige Trinker nicht tolerierte und hin und wieder ein Stillhütchen benutzte.
Milchstau & Mastiris

Der Begriff „Milchstau“ ist etwas verwirrend. Eigentlich hört es sich ja so an, als würde die Milch nicht mehr rausfließen. Dem ist aber nur indirekt so, zum Beispiel wenn sich ein Häutchen über den Ausführungsgang legt. Von einem Milchstau spricht man aber auch, wenn sich die Milch aus diversen Gründen aufstaut, sodass Anteile ins Lymphgewebe fließen, die betroffene Stelle anschwillt und entzündet. Man spürt dann eine pralle Brust und Verknotungen. Es kann ziemlich schnell gehen. Wenn sich auch noch Rötung und Schwellung bilden, man Fieber und Grippe-Symptome bekommt, geht es Richtung Mastitis puerperalis. Damit ist nicht zu Spaßen. Wenn man eine Mastitis verschleppt, können sich fiese Abszesse bilden, die aufgeschnitten werden müssen.
Ich hatte das Problem, dass sich ein Milchstau gebildet hat, wenn ich dem schwächeren Trinker mehrfach hintereinander die Brust der stärkeren Trinkerin angeboten habe.
Mal wieder eine spezifische Zwillingsproblematik…
Ich habe dann immer schnell die Verhärtung weggepumpt, man kann sie aber auch wegtrinken lassen. Der Kiefer soll immer in diese Richtung angelegt werden. Bei mir war es natürlich oben innen, sodass es eine Verrenkung im Vierfüßlerstand bedeutet hätte. Während des Trinkens/ Pumpens soll man mit Wärme die Komplettleerung unterstützen. Hinterher kühlen. Das hat bei mir auch super hingehauen.
Beim letzten und schlimmsten Stau bislang hatte ich hinterher in der betroffenen Seite für mehrere Tage ein reduziertes Milchangebot. Scheinbar ist das keine Seltenheit und soll sich durch häufiges Anlegen wieder selbst regulieren. Es waren harte Tage, womit wir beim nächsten Punkt wären.
 Zu wenig Milch

Dieses Problem ist für mich ein zentrales, leider allgegenwärtiges Thema. Durch Frühgeburt, Kaiserschnitt und den erschwerten Stillstart ist bei mir die Milchbildung nur sehr schwer in Gang gekommen. Außerdem bin ich von der Konstitution her nicht die Frau, die mal eben locker flockig Amme werden könnte. Für den Aufbau wirklicher Fettdepots war meine Schwangerschaft zu schnell zu Ende.
Hinzu kommt außerdem, dass ich ja zwei Fliegengewichte groß kriegen muss. Somit spielt die Psyche bzw. die Angst, dass die beiden zu wenig kriegen könnte, bestimmt auch eine Rolle.
Während des alleinigen Pumpens konnte man die Milchmenge immer gut kontrollieren. Damals hat mir „Piu latte“ von Humana ganz gut geholfen sowie der Stilltee vom Rossmann. Ich habe diverse andere Sorten (Dm, Hipp…) nacheinander ausprobiert, aber nur bei diesem einen positiven Effekt bemerkt.
Auf Bockshornklee habe ich verzichtet, da es eine östrogenartige Wirkung hat. Das kann bei Betroffenen zu Endometriose-Wachstum führen.
Interessanterweise gibt es nach meinen Recherchen keine einzige Studie, die aufzeigen konnte, dass sowohl Stilltees als auch Bockshornklee oder diverse Globuli einen milchsteigernden Effekt haben. Somit spielt der Placebo-Effekt wohl eine nicht unwichtige Rolle. Oder im Fall des Tees verbesserte Durchblutung durch Wärme und gesteigerte Flüssigkeitszufuhr.
Das ist meiner Meinung nach neben dem häufigeren Anlegen auch das wichtigste, um ein oder zwei Kinder zu stillen! Mal wieder die vernünftige Ernährung…mein Lieblingsthema.
In der Schwangerschaft habe ich mindestens drei Liter getrunken, aktuell müssten es täglich fünf Liter sein (inklusive Tee und alkoholfreier Fassbrause). Stellt euch bitte nicht die Pfandmassen vor, die sich nach einer Woche hier anhäufen! Zusätzlich futter ich so viel ich kann. Über den Hunger. Ich bilde mir ein, dass vor allem fettige Milchprodukte und Nüsse helfen.
Und ein großer Milch-Killer ist und bleibt bei mir leider Stress und körperliche Anstrengung. Deshalb sind meine Tage recht eintönig und ich bin immer noch nicht ansatzweise fit, eben eine ausgesaugte Zombiemutter…
Mein schlimmstes Milch-Problem hatte ich im Anschluss an den schweren Milchstau. Mehr als eine Woche hat es gedauert, bis es wieder vernünftig lief. Aber mit viel Geduld wurde auch das überwunden. 
Und ich habe mir einmal einen fetten Sonnenstich einkassiert, da lief dann für einen Abend wirklich gar kein Tropfen. Und da soll noch mal jemand behaupten, die Brust könne nicht leer sein…
Immer wieder wenn es gerade gut läuft kommt der nächste Wachstumsschub der Kinder und bringt alles durcheinander. Oft suche ich dann erst das Problem bei mir: zu viel Stress? Zu wenig getrunken? Aber dann zeigt meistens die Waage plötzlich einen guten Sprung. Apropos Waage: seitdem ich beide Kinder (quasi) voll stille und die Hebamme nicht mehr kommt, wiegen wir einmal in der Woche mit einer Kofferwaage** und einem großem, zum Sack geknoteten Mulltuch. Das ist zwar bei reifen Einlingen sicherlich übertrieben, bei frühgeborenen Zwillingen halte ich das aber für sinnvoll. So konnten wir Woche für Woche erwägen, ob wir ohne Zufüttern auskommen oder nicht.
Zwischenzeitlich hatten wir den Verdacht, dass der Sohn nicht genug trinkt und deshalb eine Babywaage von der Apotheke (kostet bei uns 7,50 € im Monat) geliehen, um Stillproben durchzuführen. Das war dummerweise genau während besagtem Milchstau. Zum Vergleich habe ich auch die Tochter auf die Waage geschmissen und irgendwann bin ich dann in einen Strudel der Unsicherheit geraten. Als ich dann die Waage ganz weit unter den Wickeltisch verbannt hatte, lief es wieder um einiges besser. Stillproben sind sowieso eine schwierige Sache, weil eine genaue Gewichtserfassung bei einem quirligen Baby ziemlich aussichtslos ist.
Übrigens habe ich schon mehrfach aufgeschnappt, dass man nicht die abgepumpte Menge mit der vom Kind getrunkenen Menge vergleichen kann, sollte jemand das als „Messinstrument“ verwenden wollen. Letzteres könne angeblich effektiver die Brust leeren.
Insgesamt ist die Sache mit der Milchmenge wirklich ein schwieriges Vertrauensding. Ein Bauchding. Etwas, wo man Kontrolle abgeben muss. Es könnte sein, dass immer genug da ist und die Kinder manchmal unruhig sind, weil sie müde sind, weil der Bauch drückt oder sie schlechte Laune haben. Es könnte aber auch sein, dass der Körper wirklich nicht mit der Produktion nachkommt.

Im Nachhinein hätte ich gerne das anfängliche Pumpen noch ernster genommen und früher gleichzeitig angelegt. Wenn ich es nochmal machen müsste, würde ich mir dafür definitiv mehr Unterstützung nach Hause holen.
Das wären die von mir erlebten Still-Komplikationen. Sicherlich gibt es noch viele weitere Schwierigkeiten: Hohlwarzen, zu viel Milch, Soor… Falls ihr noch in den Kommentaren eigene Erfahrungen ergänzen mögt, hilft es bestimmt allen Ratsuchenden!

Hier geht es zum Prolog.
Hier geht es zu Akt 3: Frühchen stillen. Zwillinge stillen.

Hier geht es zu meinen gebündelten Survival-Tipps auf dem Medela-Blog.

2 Kommentare

  1. Tanja sagt

    Ich möchte einfach Danke sagen für deine Artikel, sie helfen mir grad wirklich weiter, sowohl inhaltlich als auch einfach, weil jemand ähnliches erlebt wie ich gerade. Wir haben acht Wochen alte Frühchen- Zwillinge, seit knapp drei Wochen komm ich dem vollen Stillen immer näher- und frage mich, wie ich das überstehen soll, ohne irgendwann durchzudrehen oder zusammenzuklappen. Daher tut es enorm gut, dass ich endlich mal etwas genau zu dem Thema gefunden habe!
    Danke & alles Liebe!

    • Nora | milchundmehr.de sagt

      Liebe Tanja,
      es freut mich, dass dir unsere Geschichte Kraft gibt. Ich drücke ganz fest die Daumen, dass es bald leichter für dich wird. Ich kann nur sagen: alle Mühen lohnen sich!!! Alles Gute!

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