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Langzeitstillen mit Zwillingen – ein Erfahrungsbericht

Zwillinge Stillen – viele Mütter, Hebammen und Stillberater müssen dabei erstmal an Schwierigkeiten, Milchpumpen und Ersatznahrung denken. Auch im Milch & Mehr Stillgeschichten-Archiv wimmelt es von komplikationsreichen Erzählungen. Aber es gibt auch Zwillingsmütter, die über eine wunderschöne, unkomplizierte Stillerfahrung berichten können. Und dann gibt es noch die Familien, die am Anfang ganz schön fürs Zwillingsstillen kämpfen müssen, es aber ganz und gar nicht bereut haben. Plötzlich werden sie von anderen Eltern in die Schublade „Langzeitstillen“ einsortiert.
So ging es zum Beispiel Susi, die ihre Geschichte über die ersten mühsamen Wochen und das weitestgehend harmonische Langzeitstillen von Zwillingen nun hier mit euch teilt.



Abstillen, wenn das Kind über Milch reden kann?!

Spätestens, wenn das Kind darüber reden kann, sollte man nicht mehr stillen – das war meine Überzeugung, als ich noch keine Kinder hatte. Heute sind unsere Zwillinge 25 Monate alt und sprechen schon ziemlich gut. Wir stillen noch. Mein kinderloses Ich wäre entsetzt – und mein heutiges Ich ist unglaublich stolz, denn das Stillen war für uns nicht immer leicht.

Zwillinge Stillen Erfahrungsbericht

Zwillinge Stillen: Wunsch und Wirklichkeit

Mein Plan in der Schwangerschaft lautete: Ich will voll stillen, aber nicht allzu lange.
Selbst, als ich wusste, dass es Zwillinge werden, war ich mir sicher: Ich stille mindestens sechs Monate, dann sehen wir weiter.
Daraus wurde unsere Realität: Ich stille ziemlich lange – aber nicht voll.

Zufüttern um jeden Preis

Das Zufüttern begann wenige Stunden nach der Geburt.
Unsere Töchter kamen fünf Wochen zu früh per Kaiserschnitt zur Welt. Das hätte ich mir anders gewünscht.
Sie waren erstaunlich fit, aber sehr leicht. Und sie waren zu schwach, um ausreichend an der Brust zu trinken, sagten die Ärzte und Schwestern. Also bekamen wir eine ganze Palette mit Pre-Milch ins Familienzimmer gestellt und die Anweisung, mindestens alle 3 Stunden zu stillen und danach noch die Flasche zu geben.
Ich war irritiert. Hatte ich nicht gelesen, dass Stillen vollkommen ausreicht, auch bei Zwillingen? Dass von allein genug Milch kommt? Dass sich schon ganz junge Babys zuverlässig melden, wenn sie Hunger haben? Und jetzt sollten wir unsere Kinder nach Stundenplan wecken und abfüllen? Ich war enttäuscht und ernüchtert. Ich fragte jeden Arzt, jede Schwester, ob die Flasche wirklich sein muss. Jeder einzelne sagte: Ja.

Wochenbett: Versorgungsrunden mit Protokoll

Also spielte ich mit. Bald war ich sowieso zu müde für Widerspruch. Denn in den ersten Tagen in der Geburtsklinik sah die Prozedur so aus: Papa wickelt Kind 1, ich stille Kind 1, Papa wickelt Kind 2, Papa gibt Kind 1 die Flasche, ich stille währenddessen Kind 2, danach gibt Papa Kind 2 die Flasche. Das Ganze dauerte 90 Minuten. Wir waren ungeübt, die Kinder ebenfalls.
So blieben uns allen also noch 90 Minuten zum Schlafen bis alles von vorn begann.
Am dritten Tag war ich einfach nur müde, müde, müde.
Die Kinder wahrscheinlich auch – denn sie wachten selten von allein auf. Wir mussten sie für jede Fütterung wecken.
Wir sprachen mit den Schwestern und stellten den Rhythmus um: Nachts durften wir die Abstände etwas vergrößern, wenn wir tagsüber öfter fütterten – mindestens acht Mahlzeiten pro Tag sollten es sein, wir führten Protokoll.
Um Zeit zu sparen und damit wenigstens der Papa etwas schlafen konnte, ließ ich mir mitten in der Nacht zeigen, wie ich beide Kinder gleichzeitig anlegen kann. Und ich bat um eine Milchpumpe. Einerseits, um die Produktion hochzufahren – andererseits dachte ich: wenn unsere Kinder schon die Flasche bekommen, dann wenigstens eine Flasche mit Muttermilch.

Anmerkung: Ich, Nora, bin hier dezent positiv überrascht vom Still-Managment der Entbindungsklinik. Dass Susi selbst um die Pumpe bitten musste, hätte ich nicht erwartet. Bei Zwillingen wird die Milchpumpe den Wöchnerinnen (vor-)schnell als Lösung nahegelegt und bedeutet unter Umständen den Beginn eines Teufelskreises. Manchmal ist sie aber auch unumgänglich und gar nicht selten eine echte Bereicherung, wie ihr gleich noch erfahren werdet!

Zu Hause ist es entspannter

Nach fünf Nächten in der Geburtsklinik durften wir nach Hause. Was für eine Erleichterung! Zurück in den eigenen vier Wänden. Ohne Krankenschwestern, die um sieben Uhr morgens die Nacht beenden.
Im großen Familienbett konnten die Kinder viel einfacher bei uns schlafen als in den hohen, schmalen Krankenhausbetten, und dadurch schliefen auch wir Eltern ruhiger.
Unsere Hebamme war deutlich entspannter als das Klinikpersonal.
Wir ließen das Zufüttern bleiben. Wir weckten die Kinder nicht mehr, sondern vertrauten darauf, dass sie sich bei Hunger von selbst melden. Mit dem Gewicht ging es trotzdem aufwärts. Wir konnten entspannen.

Zwillinge Beduerfnisorientiert Stillen

Clusterfeeding & Flaschen-Eifersucht

Aber Vollstillen? Das ging nicht lange gut. Die Kinder forderten ihre Flasche zurück.
Tagsüber und nachts klappte das Stillen wie im Bilderbuch – aber abends wurden sie auch nach stundenlangem Clusterfeeding immer unruhiger. Sobald der Papa die Flasche gab, waren sie selig. Und ich war wahnsinnig eifersüchtig. Ich wollte doch komplett stillen!
Warum klappte das nicht? Ich hatte das Gefühl, zu versagen. Als Mutter nicht zu genügen. Dass mir jeder sagte, dass das Quatsch sei, half nicht.
Was mir half – nach vielen Tränen – war die Milchpumpe. Abends wollten die Kinder einfach nicht stillen. Also pumpte ich ab, irgendwann spätabends oder nachts. Diese Milch gab es dann am nächsten Abend aus der Flasche. Immerhin Muttermilch statt Pre Nahrung, damit konnte ich etwas besser leben.
Was mich anfangs so traurig machte, erwies sich später – mit etwas Abstand – als großes Glück. Die Flasche verschaffte mir etwas Unabhängigkeit und ermöglichte einen total entspannten Beikoststart. Doch dazu später mehr.

Zwillinge Stillen: Einzeln oder Tandem?

„Stillst du die beiden gleichzeitig oder einzeln?“ Das ist vermutlich die häufigste Frage, die mir zum Thema Stillen gestellt wurde. Für die Antwort muss ich etwas ausholen, weil sie sich so oft geändert hat – mit dem Alter der Kinder, mit dem Ort der Nahrungsaufnahme und sogar mit der Tageszeit.
Nach der Geburt stillte ich erst mal einzeln, doch schon nach wenigen Tagen war klar, dass das zu lange dauert.
Ich ließ mir zeigen, wie ich beide gleichzeitig anlegen konnte – im Sitzen, ein Kind links und ein Kind rechts in Football-Haltung auf einem riesigen Kissenberg. Das war unsere Stillposition in den ersten zwei Monaten, tags und nachts.
Im Sitzen schlafen ist möglich, aber keine Dauerlösung. Deshalb habe ich irgendwann angefangen, nachts im Liegen zu Stillen – einzeln und nach Bedarf. Das „Problem“ bei Zwillingen liegt auf der Hand: Zwei Kinder sind doppelt so häufig wach wie ein Kind. Trotzdem bekam ich so mehr Schlaf, weil ich mich nicht mehr hinsetzen musste und beim Stillen weiterdösen konnte.

Unterwegs mit zwei Neugeborenen

Wenn wir zu Hause waren, stillte ich tagsüber weiterhin Tandem. Unterwegs ging es ohne meinen riesigen Kissenberg nur einzeln. Als die Kinder 2,5 Monate alt waren, musste der Papa wieder arbeiten und ich fing an, stundenlange Touren mit dem Kinderwagen zu unternehmen. Es war Sommer, mir fiel die Decke auf dem Kopf und die Kinder konnten (damals noch) wunderbar im Wagen schlafen. Sobald ein Kind wach wurde, stillte ich es auf der nächstbesten Parkbank und drückte die Daumen, dass die Schwester lang genug schlafen würde, bis wir fertig gestillt hatten.
Für Notfälle hatte ich immer eine Flasche Pre-Milch dabei – Tandemstillen ging unterwegs nicht. Aber mit der freien Hand eine Flasche halten, das habe ich simultan geschafft.
Die Kinderwagen-Phase ging vorbei, mit 4,5 Monaten schliefen unsere Kinder tagsüber nur noch in der Trage. Oft hatte ich ein schlafendes Kind auf dem Rücken und habe das wache Geschwisterchen gestillt oder bespaßt.

Zwillinge Tandem Stillen

Kleinkinder Tandemstillen

Tandemstillen ging ohnehin nicht mehr, weil die Kinder zu groß und zappelig geworden waren und sich vom Kissenberg herunter strampelten. Erst nach einigen Monaten und mit etwas mehr Körperbeherrschung konnte ich sie zum Einschlafen wieder gleichzeitig stillen.
Nachts stillte ich nur in Notfällen Tandem, nämlich wenn sie gleichzeitig wach wurden. Eine Zeit lang habe ich das in einer Art Doppeldecker-Position geschafft. Dabei musste ich das oben liegende Kind aber gut festhalten – ziemlich unbequem für mich! Inzwischen kann ich mich auf den Rücken legen und die Kinder suchen sich selbst eine passende Position.
Bis heute ist es so, dass ich tagsüber meist  gleichzeitig stille. Wenn eine der beiden „Guckuck machen“ möchte (so nennen unsere Kinder das Stillen), dann kommt die Schwester meist auch angelaufen. Das ist auch der Grund, warum wir nur noch an Orten stillen, wo wir ungestört sind und ich mich bequem hinsetzen oder hinlegen kann – also in der Regel zu Hause.

Beikoststart bei Zwillingen

Irgendwann will jedes Kind etwas anderes essen als Muttermilch. Anders als beim Thema Flasche war ich auf die Beikost keineswegs eifersüchtig, sondern freute mich darauf.
Wie spannend, Kinder dabei zu beobachten, wie sie unterschiedliche Geschmäcker ausprobieren!
Ich wollte gut vorbereitet sein, studierte Beikost-Pläne – und wurde nicht so recht warm mit der Idee, unsere Kinder eine Woche lang immer zur gleichen Uhrzeit mit dem gleichen Brei zu füttern.
Mir schien das zu starr, zu langweilig, zu erzwungen. Und überhaupt: Wie füttert man Zwillinge? Abwechselnd oder nacheinander? Ich konnte mir das nicht vorstellen. Zum Glück hatte meine Nichte Brei verschmäht, sodass ich schon von Baby Led Weaning (kurz BLW, mehr Infos hier) gehört hatte. Auch unsere Hebamme sprach sich für den Familientisch aus.
So gaben wir unseren Zwillingen mit etwa 5,5 Monaten feste Nahrung in die Hand: Obst, gedünstetes Gemüse, Nudeln, Apfelpfannkuchen, Brötchen und so ziemlich alles andere, was Babys gut greifen können und was keinen zugesetzten Zucker und wenig Salz enthält.
Für uns fühlte sich das richtig an. Die Kinder probierten und spielten begeistert mit dem Essen, aßen anfangs aber sehr wenig.
Für mich war das kein Problem. Ich hatte es nicht eilig, Mahlzeiten zu ersetzen. Das Stillen lief gerade sehr entspannt.



Jobeinstieg in der Stillzeit

Wenn ich einmal nicht verfügbar war – ich wollte bald wieder arbeiten-, gab es ja immer noch die Flasche. Meine alte Feindin wurde ein kleines bisschen zur Freundin. Denn so konnten unsere Kinder ganz ohne Druck und in ihrem eigenen Tempo Essen lernen und ich konnte trotzdem das Haus verlassen – ohne Angst, sie würden hungern.
Sobald unsere Zwillinge 6 Monate alt waren, ging ich an zwei Tagen pro Woche vormittags ins Büro. Mein Mann blieb an diesen Tagen zu Hause.

Das erste Jahr mit Zwillingen am Limit

Das erste Jahr mit Zwillingen war unglaublich anstrengend:
Schlafentzug, weil zwei Kinder doppelt so häufig aufwachen wie eines. Doppelt wickeln und umziehen. Entwicklungsschübe im Doppelpack, Zahnen im Doppelpack.
Dazu kam die ständige Angst, dass beide Kinder gleichzeitig schreien und sich nicht beruhigen lassen.
Anfangs konnte ich sie noch nicht mal ohne Hilfe gleichzeitig auf den Arm nehmen. Das klappte erst, als sie krabbeln und sitzen konnten. Damit ging bei mir das Gefühl einher, niemals beiden gerecht zu werden.
Auch war es einfach körperlich total anstrengend, zwei Kinderwagen-Verweigerer gleichzeitig zu tragen. Ein Kind auf dem Rücken und eins vor dem Bauch in der Trage war monatelang unsere einzige Möglichkeit, von A nach B zu kommen, und sorgte nebenbei für synchronen Tagschlaf.
Als besonders anstrengend empfand ich das „betreute Schlafen“: Im Alter von etwa sechs bis zwölf Monaten kontrollierten unsere Babys im Schlaf dauernd, ob Mama oder Papa noch im selben Raum waren.
Obwohl sie abends früh schliefen, fühlte ich mich ans Bett gefesselt. Abends wagte ich mich kaum aufs Klo, weil fast jedes Mal die Kinder dabei aufwachten. Selbstbestimmung? Fehlanzeige. Nur Netflix und Schokolade hielten mich bei Laune, im Bett neben den schlafenden Kindern.

Langzeitstillen Zwillinge Erfahrungen

Doch Abstillen?!

Natürlich habe ich oft ans Abstillen gedacht. Besonders kamen diese Gedanken nach anstrengenden Nächten, in denen ich gefühlt alle halbe Stunde im Wechsel gestillt habe.
Sobald Kind 1 schlief, war Kind 2 wieder wach.
Ratlos war ich zwischendurch mal bei unserem Stillstreik mit etwa 5 Monaten, als eine unserer Töchter meine Brust tagsüber nur noch anbrüllte.
Und als die Kinder mobil genug wurden, um auf Selbstbedienung an der Milchbar zu setzen, während ich mein T-Shirt in manchen Situationen lieber anbehalten wollte, fand ich zunächst auch unangenehm.
Was mich am Abstillen jedes Mal gehindert hat, war eine Frage: Bin ich sicher, dass es dadurch leichter wird? Und das war ich nie. Im Gegenteil!
Müsste ich nachts aufstehen und Flaschen machen oder die Kinder auf dem Arm zurück in den Schlaf wiegen, wäre das noch anstrengender. Beim Stillen kann ich weiter dösen. Daher empfinde ich das Stillen (meistens) nicht als Bürde, sondern als Entlastung. Es war und ist bei weitem nicht das anstrengendste am Zwillingsmama-Dasein.

Abstill-Versuche & Kleinkind-Rhyhtmus

Um den ersten Geburtstag herum habe ich aktiv versucht, das Stillen zu reduzieren.
Eine Zeit lang haben wir nur noch abends und nachts gestillt. Wie lange, weiß ich gar nicht mehr.
Bei der nächsten Krankheit oder beim nächsten Schub wollten die Kinder auch tagsüber wieder an die Brust. Und ich ließ sie.
Heute, kurz nach dem zweiten Geburtstag, stillen wir mehrmals täglich, zum Einschlafen, in der Nacht und zum Aufwachen. Nachts meldet sich meist jedes Kind einmal, manchmal auch öfter, manchmal gar nicht.
Wenn ich nicht verfügbar bin, kommen meine Kinder auch gut ohne Muttermilch aus.
Abends Freunde treffen, sogar über Nacht wegbleiben – all das geht inzwischen, obwohl ich stille. Mein Mann hat alles im Griff.
Der Härtetest kam, als ich plötzlich und überraschend für mehrere Tage ins Krankenhaus musste. Unsere Zwillinge waren 23 Monate alt. Ich hatte Sorge, wie sie das verkraften würden, und Angst, dass unsere Stillbeziehung abrupt beendet wäre.
Als ich nach Hause kam, fielen sie mir um den Hals und fragten sofort nach „Guckuck“.

Babys versus Kleinkinder Stillen

Mein neuer Plan lautet: Ich möchte unsere Kinder stillen, solange es für uns alle gut ist. Ich hoffe, dass sie sich irgendwann selbstbestimmt abstillen. Vielleicht kommt auch der Tag, an dem ich selbst nicht mehr will. Doch dann kann ich es ihnen erklären.
Kleinkinder zu stillen ist definitiv anders als Babys zu stillen.
Anfangs bedeutete Stillen stundenlanges kuscheln, Babys bewundern und sich freuen, wenn sie unwillkürlich miteinander Händchen hielten.
Ebenso bedeutete es stundenlanges Herumsitzen, bis mir der Hintern weh tat, und nebenbei Lesen oder Playstation Spielen.
Anfangs war Stillen die Wunderwaffe gegen fast jede Unzufriedenheit und ein sicheres Einschlafmittel. Anfangs war Stillen oft schmerzhaft und zu-lange-nicht-Stillen erst recht, auch wenn ich bis heute keinen ernsthaften Milchstau hatte.
Heute ist Stillen völlig anders. Überhaupt nicht mehr schmerzhaft – die Haut ist unempfindlicher geworden, selbst gelegentliche leichte Bisse stecke ich weg.
Irgendetwas nebenbei machen geht schon lange nicht mehr, höchstens Bilderbücher vorlesen. Das Stillen dauert nur noch ein paar Minuten und taugt auch nicht mehr als Schlafmittel, unseren Kindern gibt es eher Energie für neue Abenteuer. Unwillkürliches Händchenhalten habe ich lange nicht mehr beobachtet, dafür gibt es gelegentlich Streit um die „bessere“ Brust oder den lautstark geäußerten Wunsch, die Zwillingsschwester möge weggehen (hier hilft meist meine Hand oder ein Buch als Sichtschutz). Doch auch wenn es nicht mehr so ruhig und harmonisch abläuft wie früher: Kuschelig ist es immer noch. Wir tanken dabei alle auf. Auch ich! Immerhin kann ich beim Stillen für ein paar Minuten im Bett liegen. Das ist sonst im Alltag mit zwei Kleinkindern kaum möglich.
Auch der Unterhaltungswert ist nicht zu unterschätzen: Die Kinder ahmen mich nach und stillen ihre Kuscheltiere (manchmal sogar Tandem!). Sie singen Lieder über das Stillen. Und wenn nicht sofort Milch kommt, beschweren sie sich: „Das dauert!“

Was ich durch meine Kinder gelernt habe

Früher fand ich die Vorstellung, Kleinkinder zu stillen, seltsam.
Warum, kann ich heute gar nicht genau sagen. Vielleicht, weil mir Vorbilder fehlten.
Inzwischen kenne ich einige (wenige) Langzeitstillmamas und auch die WHO-Empfehlung, laut der Kinder mindestens zwei Jahre lang gestillt werden sollten.
Ich bin sehr stolz, das geschafft zu haben – auch wenn ich jede Mutter verstehe, die (aus welchen Gründen auch immer) früher abstillt.
Negatives Feedback zum Langzeitstillen habe ich nur ein einziges Mal bekommen, ausgerechnet von meiner damaligen Hausärztin.
Unsere Familien, die Tagesmutter, Freunde und Bekannte äußern sich positiv oder gar nicht zum Stillen. Wobei ich nur darüber rede, wenn ich gefragt werde – und das tut fast niemand mehr, seit die Kinder älter als ein Jahr sind.

Natürlich ist es sinnvoll, schon vor der Geburt darüber nachzudenken, ob und wie lange man stillen möchte.
Doch später haben die Kinder ein großes Wort mitzureden – genauso wie bei der Frage, wo und wann sie schlafen, ob sie den Kinderwagen lieben oder die Trage, ob sie jeden Fremden anlächeln oder selbst bei Oma fremdeln. Jedes Kind ist einzigartig. Und wenn ich eins gelernt habe: Dass man noch so feste Überzeugungen haben kann – wenn man Kinder bekommt, ist nichts mehr wie zuvor.


Susi war knapp über Dreißig, als sie Mutter wurde. Anfang April 2018 wurden ihre beiden Töchter geboren. Nun feierten sie vor kurzem den zweiten Geburtstag.
Auf Instagram findet ihr Susi als @zwillma. Sie freut sich über Direktnachrichten und Austausch, postet aber selbst nicht.

Vielen Dank, liebe Susi, dass du deine Erfahrungen so ausführlich festgehalten hast. Dein Bericht hat ganz viel Nostalgie in mir geweckt. Auch wenn das alles noch gar nicht so lange her ist, fühlt es sich schon so weit weg an. Die ganzen Schwierigkeiten verblassen mit der Zeit zu einer vagen Suppe. Und die Momente, wie das Händchen-Halten, was du beschrieben hast, sind tief eingebrannt.
Den Vergleich von Säuglingen im Wochenbett und der Zeit mit Gesprächen mit Stillkindern  über das Stillen finde ich besonders spannend! Das entzieht sich komplett meinen eigenen Erfahrungen.
Wie ich schon im Kommentar zur letzten Langzeit-Stillgeschichte schrieb, war ich persönlich immer erleichtert, wenn ich nicht mehr Alleinernährerin war.
Stillen war für mich eher eine ernährende Notwendigkeit nach bestem Gewissen, allenfalls noch eine Bequemlichkeit bei der Einschlafbegleitung. Für „Wohlfühlstillen“ haben weder ich noch meine Kinder uns großartig eingesetzt.  So hat sich nie die Frage gestellt, ob wir übers Stillen „quatschen“. Es hatte sich vorher schon erübrigt.
Das war mein Weg. Für uns passend. Es heißt aber keinesfalls – wie man an dieser Stillgeschichte sieht – , dass er für alle der beste Weg wäre. Jeder is(s)t anders. Sonst wäre es auch ziemlich langweilig…
Ich finde es sehr wichtig, dem Mamaalltag mit Unvoreingenommenheit zu begegnen. Ich kann es nicht oft genug sagen.

Liebe Susi, aus deinem Bericht lese ich heraus, dass du dich sehr bedürfnisorientiert um deine Töchter kümmerst, aber trotzdem auch auf dich selbst und deine eigenen Bedürfnisse achtest.
Die Frage nach „Wird es durch eine Veränderung wirklich leichter?“ hat mich auch schon gut durch zwei Babyzeiten gebracht. Zu diesem Gedankenspiel kann ich alle Eltern in der Babyzeit ermutigen!
Vielleicht magst du ja nochmal 2-3 Sätze ergänzen, wann und wie ihr tatsächlich abgestillt habt. Das ist für viele gleichgesinnte Mütter ja immer noch ein interessanter Aspekt!

 

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Milch und Mehr Kinderernaehrung Signatur

Zum Weiterlesen kann ich folgende Artikel empfehlen:

Zwillinge Abstillen.
Stillen in anderen Kulturen: Brasilien.
Mein Stilldrama: Prolog.
Zwillinge Stillen – Frühchen Stillen. Ein Resümee.
Erfahrungsbericht: frühgeborene Zwillinge Stillen ohne Zufüttern.

Zum Merken & Weitersagen:

Zwillinge Langzeitstillen Milch und Mehr



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