Meine Still-Erfahrungen (Zwillinge, Frühgeburt), Stillen
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Stillen: Zwillinge/ Mehrlinge abstillen

Alle reden über das Stillen. In der Schwangerschaft wird man zu Vorträgen eingeladen. Den Milcheinschuss begleiten Stillberaterinnen und Hebamme.
Das Abstillen passiert bei den meisten viel später „einsam“. Also ohne Unterstützung. Ohne dass man darüber groß etwas gelernt hätte. Ich gehe davon aus, dass es bei den meisten Frauen und Babys deshalb ohne Probleme funktioniert und nebensächlich, weil natürlich, ist. Das habe ich nämlich auch bei uns so erwartet. Schließlich ist man ja mit der Zeit Stillprofi geworden.
Irgendwie habe ich es aber zu leichtgenommen. Das „Anstillen“ war wie wir uns erinnern schon Drama genug. Da habe ich mir über das Abstillen gar keine Gedanken gemacht, einfach die Dinge seinen Lauf gehen lassen und musste dann den ein oder anderen heftigen Milchstau bewältigen. Und nach kleiner Recherche habe ich herausgefunden, dass es auch bei einigen anderen stillenden Zwillings- bzw. Mehrlingsmüttern gar nicht so leicht war. Immerhin fließen größere Mengen Milch als bei der stillenden Einlingsmutter.

Zwillinge Abstillen Erfahrungen

Allerdings haben mir auch einige Mamas berichtet, dass es bei ihnen total problemlos lief. Zum Beispiel, wenn der Körper schon von alleine die Milchmenge reduziert bzw. nicht mehr mit der Produktion hinterherkam und zugefüttert werden musste. Es ist wohl sehr individuell, wie der Körper das Abstillen verpackt.
Trotzdem sollte man das Thema im Hinterkopf behalten und sich vielleicht noch einmal mit einer mehrlingserfahrenen Hebamme oder Stillberaterin kurzschließen, wenn es soweit ist.
Hier kommen nun erst einmal meine Beobachtungen und daraus resultierende Tipps:

Mahlzeiten ersetzen

Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte die Mahlzeiten der Babys nicht komplett parallel ersetzen, sondern ein bisschen versetzt. So fällt nur eine Entleerung weg. Das kann der mütterliche Körper besser kompensieren. Voraussetzung dazu ist natürlich, dass eine zweite Betreuungs-/ Bezugsperson zu entsprechenden Zeiten vor Ort ist und helfen kann.
Andernfalls empfehle ich, die einzelnen Doppel-Abstill-Etappen etwas zu planen. Eine ruhige Woche sollte es definitiv sein. Ein Kind, das gerade erkältet oder aus anderem Grund bei den verbliebenen Stillmahlzeiten trinkschwach ist, empfiehlt sich definitiv nicht.

Milchreduzierende Maßnahmen

Wenn nur noch wenige Stillmahlzeiten (z.B. nur nachts) übrig sind, kann man tagsüber unterstützend Salbei und/ oder Minze zu sich nehmen. Ein frischer Minz-Salbei-Tee ist nach langer Abstinenz eigentlich sogar ziemlich lecker. Dadurch soll sich die Milchmenge reduzieren und man fühlt sich besser.
Es ist relativ normal und unumgänglich, dass man sich zwischenzeitlich wie eine Kuh fühlt, die mal wieder dringend in ihre Melkstation müsste. Es kann auch sein, dass man wieder Stilleinlagen benötigt. Das bessert sich nach ein paar Tagen.

Komplikationen frühzeitig bekämpfen

Wichtig ist, trotzdem den Moment abzupassen, an dem es zu einem Milchstau mit Brustentzündung kommt. Prophylaktisch hilft (feucht) Kühlen und Ausruhen, so gut das eben geht. Fleißig Minze/ Salbei konsumieren und den Beikost-Plan über Bord werfen und hoffen, dass das Baby gewillt genug ist, sich um Mamas akute Problemzonen zu kümmern. Glücklicherweise hat man ja zwei (oder mehr) Sauger zu Verfügung. Mit einer Handpumpe abzupumpen hat sich zumindest bei mir als nicht Ziel-führend herausgestellt. Es kann natürlich sein, dass das von Frau zu Frau unterschiedlich ist und dass es bei manchen die Verhärtung löst.

Zwillinge Abstillen Erfahrungen Milchstau

Abstillen: Requisiten bei Milchstau – Kühlkissen, Minz-Salbei-Tee und viel Ruhe!

Es bringt nichts, sich tapfer durch den Tag zu quälen, weil man möchte, dass die Babys ihren Brei verputzen und sich entwöhnen, wenn man dafür am Abend mit Schüttelfrost, Fieber und Gliederschmerzen in den Seilen hängt. Allerdings ist es natürlich auch kontraproduktiv, das Stillen immer wieder anzubieten. So fährt der Körper die Milchproduktion nämlich nicht herunter.

Wie ihr euch vorstellen könnt, sind alle Tipps Resultate aus Negativ-Erfahrungen. Hinterher ist man immer schlauer. 🙂 Sie drehen sich auch alle in erster Linie um das Wohl der Mama. Was ich noch gar nicht thematisiert habe, ist der Blickwinkel der Babys.

soziale Herausforderungen

Bei zwei Säuglingen ist das mit den Beruhigungs- und Nähealternativen nämlich so eine Sache, wenn sich einmal ans Stillen gewöhnt wurde. Das wurde mir von anderen Zwillingsmamas bestätigt.
Aktives nächtliches Entwöhnen, wenn der andere Zwilling nicht geweckt oder ausquartiert werden soll, ist fast unmöglich. Paralleles Kuscheln/ Trösten/ Einschlafbegleiten ist mit Tandemstillen sehr bequem, für alle Beteiligten. Deshalb gibt es neben dem körperlichen Aspekt auch noch den sozialen Aspekt des Abstillens, der bei Mehrlingen besonders kreativer Lösungen bedarf.
Ich hatte vorher nie groß darüber nachgedacht, nun (mindestens?) ein ganzes Jahr zu stillen. Und wir werden sehen, wie sich alles entwickelt…
(Nachtrag: mit 13 Monaten haben wir im dreiseitigen Einverständnis abgestillt.)

Trotzdem ist es bestimmt – auch für andere stillende Zwillingsmamas – spannend, wenn jemand da von seinen Erfahrungen berichten mag?!

Abstillen mit der Milchpumpe

Zu guter Letzt noch Hinweise zum Abstillen mit der Pumpe: So nervig es die ganzen Wochen und Monate auch gewesen sein mag, so einfach ist das Abstillen. Denn: man hat alles selbst in der Hand und musst nicht auf Kooperation der Babys setzen. Das einzige was man haben solltest, ist ganz viel Geduld. Wer es sanft und ohne Stau hinbekommen will, der sollte einige Wochen zum Abstillen einplanen. Zunächst empfehle ich, die Pumpdauer zu verkürzen und anschließend die Intervalle vorsichtig zu verlängern. Umgekehrt wird es sicher auch gehen. Aber nicht gleichzeitig! Ich rate davon ab, einzelne Sitzungen zu streichen, so wie es mit den Babys wäre. Das praktische ist ja, dass man immer wieder nach eigenem Bedarf abpumpen kann, wenn die Brüste zu hart sind und man sich keine Gedanken machen muss, ob es nun mit den Beikost-Zeiten harmoniert.
Wenn man es eilig hat, gibt es auch ein Medikament, das der Frauenarzt in Ausnahmen verschreiben kann. Da es im Gehirn wirkt, macht es jedoch häufig Nebenwirkungen, deshalb würde ich es nicht generell empfehlen.

So dann erzählt doch mal, wie das Abstillen bei euch gelaufen ist? Oder immer noch läuft? Ich würde auch gerne mal wissen, ob es vielleicht bei nur einem Baby Probleme gibt? Oder läuft das zumindest auf der Seite der Mama mehr nebenher?


Ps.: Wer sich noch einmal in Ruhe durch mein anfängliches Stilldrama klicken möchte, hier geht es zum Prolog, hier zu allen Akten.

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