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Zwillinge nach Bedarf stillen – eine Vierfach-Mama berichtet

Heute habe ich mal endlich wieder eine Stillgeschichte für euch. Julia berichtet. Und es ist der blanke Wahnsinn, dass sie dafür überhaupt Zeit gefunden hat. Sie ist 30 Jahre alt, verheiratet und hat vier Kinder. Vier. Die jüngsten kamen etwas zu früh im Doppelpack. Die Zwillinge hat Julia im letzten Jahr voll und nach Bedarf gestillt. Nebenbei wurden noch die zwei Großen durch den Alltag manövriert und das erledigt, was man halt sonst so machen muss. Pediküre und Vorabend-Soaps waren das sicher nicht.
Ob die doppelte Stillerfahrung, die Julia durch die Großen sammeln konnte, ihr bei der besonderen Herausforderung – Mehrlinge und Frühchen zu stillen, geholfen hat? Oder war es generell die Tatsache, dass sie schon im Leben der Mehrfach-Mama angekommen war? Gute Unterstützung? Zufall? Sicherlich eine Mischung aus diversen Faktoren. Für sie brachte das doppelte Glück plötzlich ganz andere Herausforderungen mit, als ich es von mir und den anderen Zwillingsmamas kenne. Sehr bereichernd, diese etwas verschobene, wenn auch so ähnliche Perspektive.
Auch wenn es nicht immer einfach war, das Stillen hat letztendlich wunderbar geklappt. Eine schöne, mutmachende Erfolgsgeschichte folgt nun. Die musste auch wirklich mal sein… Aber Julia findet auch erfrischend ehrliche Worte über die Schattenseiten des Lebens als Großfamilien und wunderbar pragmatische Lösungsabsätze. Ich hoffe, sie inspiriert den ein oder anderen zum Kämpfen und sich zu Trauen: egal ob Mehrlinge zu stillen oder die Familie zu vergrößern. 😉

Geschwisterkind beim Stillen einbinden

Stillen ist selbstverständlich.

Mein Name ist Julia. Ich bin 30 Jahre alt, verheiratet und habe vier Kinder. Sie sind geboren im Juli 2013, Mai 2015 und die Zwillinge kamen im Januar 2017. Die 1. Geburt war spontan bei 38+4. Die 2. war richtig schön bei 39+6. Die Zwillinge waren ein Kaiserschnitt bei 35+1 nachdem die Fruchtblase geplatzt war, somit waren sie Frühchen.
Stillen ist für mich selbstverständlich und ich hatte mir vor den Zwillingen noch nie Gedanken um Abpumpen oder Flaschen gemacht. Die ersten beiden Kinder habe ich angelegt und sie haben ohne Probleme getrunken. Auch bei den Zwillingen war klar,dass ich sie stillen möchte. Dafür hatte ich meine Beweggründe: die Nahrung ist immer da und direkt fertig, zu jeder Zeit und überall. Es geht schnell, man kann nebenbei stillen, während man zum Beispiel noch mit den älteren Kindern spielt, kocht oder gar schläft…

Hilfsmittel und die Milchpumpe

Hütchen habe ich nicht eingesetzt. Abgepumpt habe ich mit einer elektrischen Medela Doppelpumpe. Es bleibt ein doppelter Zeitaufwand, weil das abgepumpte ja auch  verfüttert werden muss. Ich war unglücklich, dass ich die Versorgung nicht durch Stillen hinbekam. Am Anfang waren die Babys noch zu schwach, um aus der Brust zu trinken. Aber um den richtigen Geburtstermin herum hat es dann gut geklappt. Die Zwillinge wurden einzeln oder zusammen gestillt, je nachdem, wann sie sich meldeten.
Das Abpumpen war für mich komplett neu und ich mochte es nicht. Ich bin keine Kuh (und Kühe finden abpumpen vermutlich auch nicht toll und würden lieber ihre Kälbchen stillen ) und habe mich schlecht gefühlt, weil ich es anders nicht hinbekam.
Meine großen Kinder fanden das Abpumpgerät super und wollten auch bei sich abpumpen. 😅

Das größte Problem? Nicht allen gerecht zu werden!

Wirklich schwierig war für uns die Organisation des Tagesablaufs. Babys füttern, abpumpen, große Kinder anziehen und glücklich machen, Essen kochen, Hausarbeit und was eben noch so anstand war schwer unter einen Hut zu bekommen. Und dabei noch Ruhe für Stillversuche finden…
Unsere Große war wieder wie ein Baby, wollte gefüttert werden, ständig an der Hand laufen und nur gemeinsam mit mir die Treppen steigen. Die größte Herausforderung war also, allen gerecht zu werden. Das hat bei uns am Anfang eher schlecht funktioniert. Ich hatte viel mit mir selbst zu tun (Kaiserschnitt und Frühgeburt verarbeiten, auf Zwillinge einstellen), die Ehe hat gelitten, da man funktionieren musste und hauptsächlich über die Kinder gesprochen hat: wer hat wann getrunken, wer muss wann schlafen…
Pumpen bedeutet viel zu Hause zu sein. Das ist für mich schwierig, da ich gern unterwegs bin. Ich habe durch meine Kinder aber gelernt, dass es zu Hause auch schön ist und kann nun entschleunigen und es ist okay für mich, weniger zu machen. Das tut uns allen gut.
Für uns lösten sich die Probleme am besten, indem wir Erwachsene viel miteinander geredet haben. Mein Mann war Tag und Nacht voll mit eingespannt, solange ich abgepumpt habe. Mit Stillbeginn war ich für die Zwillinge und er nachts für die großen Kinder zuständig.
Mit dem Stillen ist vieles einfacher geworden. Ich hatte keine Angst mehr außer Haus zu gehen.

Stillerfahrungen einer vierfachen Mama

Mit vier Kindern in den Zoo – kein Problem mit gestillten Zwillingen. Foto: privat

Eine typische Komplikation hatte ich am Anfang:innerhalb von 1,5 Woche hatte ich zwei Milchstaus mit hohem Fieber. Beim ersten war ich noch im Krankenhaus. Ich habe beide Male Paracetamol eingenommen und mich ausgeruht. Mein Mann, meine Eltern und Geschwister haben mir in der Situation eigentlich am meisten geholfen, indem sie die Großen betreut haben.

Multitasking-Stillen

Wie wurden die älteren Kinder und der zweite Zwilling bei Laune gehalten?
Im Krankenhaus habe ich Bastelsets von JAKO-O für meine Tochter bestellt, damit ich ohne viel Stress mit ihr basteln kann. Sonst saß ich viel auf dem Sofa oder Boden, habe stillend vorgelesen, Duplo gespielt oder Eisenbahn gebaut.
Die Babys waren sehr, sehr pflegeleicht. Entweder hab ich sie gemeinsam gestillt oder nacheinander. Der andere lag dann mit auf dem Zwillingssstillkissen oder auf dem Sofa und hat geschlafen oder geguckt.
Ich fand und finde es dennoch sehr schwierig allen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden.
Das Leben hat hauptsächlich im Wohnzimmer stattgefunden. Hier wurde gewickelt und gespielt. Im Gespräch war und bin ich während des Stillens mit meinen Großen fast immer. Egal ob beim Vorlesen, Spiel anleiten…
Beim ersten Kind war das wirklich noch alles komplett anderes.

Das Abstillen

Als die Zwillinge sieben Monate alt waren, habe ich mit der Beikost angefangen.  Jetzt sind sie 1 Jahr alt und ich bin dabei langsam abzustillen. Sie essen beide sehr gut, Gläschen sowie unser Essen vom Tisch.
Jetzt nach einem Jahr reicht es mir langsam. Als wir alle Magen Darm Virus hatten, hab ich wieder komplett voll gestillt, da es für die Kinder in der Situation das Beste war. Die eigenen Wünsche stell ich dann doch für die Kinder hinten an.
Beweggründe zum Abstillen waren für mich wunde, offene Stellen an den Brust. Außerdem habe ich seit Monaten nachts dauergestillt und der Schlafmangel nagt schon langsam an mir.
Beim einen Zwilling hab ich gemerkt,dass sie die Brust tagsüber gar nicht mehr braucht und ich sie nur ständig anbiete, weil es so einfacher und schneller geht. Ich stille sie nur noch nachts zwei Mal. Ich konnte sie von einem Tag auf den anderen ohne Tragen und Brust ( aber mit Schnuller) ins Bett legen. Der andere Zwilling trinkt noch deutlich mehr und kommt nachts stündlich.

Zwillinge Stillen nach Bedarf

Tipps an werdende Zwillingseltern

Könnte ich die erste Zeit noch einmal erleben,wäre ich insgesamt entspannter. Und ich würde schon eher anfangen, die Babys einfach häufig anzulegen und darauf vertrauen, dass sie satt werden, anstatt so lange abzupumpen.
Ich würde anderen Eltern raten: Genießt. Guckt die Babys an. Staunt. Und seid dankbar. Aber das ist genau wie der nächste Punkt alles leichter gesagt, als getan:
Sorgt für Entspannung – lasst jemanden zum Putzen kommen, kocht in der ersten Zeit nur einfache Mahlzeiten, bestellt etwas oder lasst euch Essen von Freunden/Verwandten vorbeibringen.
Macht viele, viele Bilder, auch mit Mama drauf! Das ist bei uns im Vergleich zu den Großen viel zu kurz kommen.
Meines Erachtens wird alles von Tag zu Tag einfacher.
Wenn die Beziehung zum Partner stimmt, ist alles andere sehr viel leichter. Das erfordert viele nötige Gespräche, auch wenn dabei dann auch noch wertvolle Schlafenszeit bei drauf geht.


Vielen, vielen Dank Julia, dass du dir bei all dem ganzen Trubel noch die Zeit genommen hast, dich meinen Fragen zu stellen.

Wenn auch DU deine Stillgeschichte auf Milch & Mehr teilen möchtest und deine Erfahrungen anderen Mamas und Papas zu Verfügung stellen möchtest, dann schreibe mir eine E-Mail an mail (at) milchundmehr.de .

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