Meine Still-Erfahrungen (Zwillinge, Frühgeburt), Stillen
Kommentare 3

Zwillinge Stillen – Frühchen Stillen. Ein Resümee.

Über ein Jahr lang habe ich gestillt. Es war total normal. Tags und nachts. Daheim und unterwegs. Einzeln und Tandem. Vor allem allein, aber auch mit Unterstützung. Irgendwann war die Beikost tagsüber gefragter als die Milch. Zuletzt war es nachts egal, ob gestillt oder Wasser getrunken und gekuschelt wurde. Somit haben wir tatsächlich harmonisch abgestillt.
Diese vier Zeilen klingen so, als ob sie eigentlich nie einen Post wert gewesen wären. Sie klingen nach einer absolut normalen, natürlichen, unkomplizierten Stillbeziehung zu dritt. Rückblickend war sie das auch wirklich.
Deshalb bin ich sehr froh, so viele Details über den harten Anfang festgehalten zu haben. Viel davon ist nämlich wie der Rest der ersten Zeit mit zwei frühen Neugeborenen verblasst und im Gehirn überschrieben. Ich kann mich kaum noch erinnern, wie weh mir das Stillen anfänglich tat und wie ich die Wunden wochenlang ertragen habe. Wie ungeschickt wir waren. Also die Babys und ich. Was ich täglich alles in mich hineingestopft und geschüttet habe, damit die Milchbildung überhaupt in Gang kam! Mittlerweile frage ich mich, ob ich mir nur eingebildet habe, zu wenig Muttermilch zu produzieren? Wahrscheinlich hatte ich so wie auch jetzt einfach zwei Vielfraße zu versorgen.

Zwillinge Stillen Erfahrungsbericht

Wieso fiel mir das Stillen anfänglich so schwer? Frühgeburt. Kaiserschnitt. Hormon-Chaos. Emotionales Chaos. Mehrlinge. Fehlendes Wochenbett. Fehlende Reserven. Es gab diverse Gründe. Ich weiß, dass alle Faktoren in Summe mir den Stillstart wirklich nicht einfach gemacht haben.
Wieso habe ich trotzdem das geschafft, wo schon einige vorher dran gescheitert sind oder irgendwann aufgeben mussten? Ich denke ein Teil wird eiserner Wille (oder auch Sturheit) sein, ein Teil Disziplin und ein großer, beachtlicher Teil Glück. Ich bin sehr stolz auf mich und meinen Körper. Und auf die beiden Früchtchen erst recht.

Natürlich waren die letzten Monate nicht immer plüschig. Was ich noch zur Fortsetzung des Stilldramas berichten kann:

  • Es gab bis zur Beikosteinführung immer wieder Wachstums-/ Bärenhungerphasen, in denen wir viel Geduld haben mussten. Ich habe dann immer extra viel getrunken und einen Gang runter geschaltet. So musste ich auch mal Termine absagen und stattdessen stillen. Ich kann keinem verübeln, der das nicht möchte oder kann und in so einer Situation beginnt, zu zu füttern oder abzustillen, weil zum Beispiel noch ältere Kinder versorgt werden müssen.
  • Ein Zwilling hat bis zur Beikost-Einführung beinahe täglich beachtliche 60 bis 90 Millilitern aus der Flasche oder eine Extra-Stillmahlzeit als Bonus-Schlückchen eingefordert. Relativ sicher nicht aus Hunger, sondern aus Gründen der Leckrigkeit und Gewohnheit. Birnenmus hat es diese Marotte aber auf der Stelle vergessen lassen. Somit habe ich per Defintion eigentlich gar nicht voll gestillt, auch wenn es sich nun so anfühlt. Das Geschwister hat hingegen seit der sechsten Lebenswoche keine Nuckelflasche mehr im Mund gehabt.
  • Was ich auch noch einmal betonen möchte, um anderen betroffenen Mamas Mut zu machen: in den ersten zwei Wochen habe ich so gut wie keinen Stillversuch gemacht, lediglich das Pumpen relativ ernst genommen. Mit der Entlassung aus der Neonatologie begann aber ein hartes Bootcamp.
  • Ich habe intuitiv Obst-Getreide-Brei für den Beikoststart gewählt, weil mir es mit fast sechs Monate alten vollgestillten Zwillingen wichtig war, eine Mahlzeit nun zügig zu ersetzen. Mit dem Beikoststart viel eine riesige Last von mir ab. Ich war nicht mehr die Alleinernährerin, sondern wir konnte zur Not etwas anderes anbieten. Das mussten wir dann nie ungeplant tun, denn psychisch war der Knoten bei mir ab da vollkommen geplatzt.
  • Tagsüber haben wir bis zuletzt immer zu dritt gestillt. Deshalb war es kein richtiges Stillen nach Bedarf, sondern eher Stillen nach Plan. Wir hatten somit sehr schnell einen regelmäßigen Stillrhythmus. Es gab eine ungefähre Zeitvorgabe von mir und der zuerst Hungrige hat für den zweiten Zwilling mitentschieden. So ist das mit den Mahlzeiten natürlich auch jetzt noch so und bleibt. Dieses Timing ist mit den meisten Mamas und Stillexpertinnen schwer zu diskutieren, weil es ja anders „gelehrt“ wird. Wer Zwillinge komplett nach Bedarf stillt und zu Hause keine zweite Betreuungsperson hat, der melde sich doch gerne mal für ein Interview! Da wäre ich nämlich sehr gespannt, wie das zu schaffen ist…
  • Das Abstillen habe ich noch einmal als überraschend herausfordernd empfunden und darüber schon geschrieben. Letztendlich hat sich der Körper nach einigen Tagen immer wieder mit der neuen Situation arrangiert. Geduld ist also beim Stillstart und beim Stillende wichtig.
  • Es zeichnete sich bei uns nach dem ersten Geburtstag ab, dass beide Babys beim nächtlichen Erwachen eigentlich gar kein Interesse mehr an einer Stillmahlzeit haben. Tatsächlich waren sie und mein Körper wohl etwas eher bereit zum Abstillen als mein Kopf und mein Herz. Loslassen ist eine wichtige Lektion der Mama-Wissenschaft. Aber nun ist es okay so wie es ist.

Zwillinge Fruehgeburt Stillen Erfahrungen

  • Überraschenderweise habe ich über zwei Wochen gar nicht gestillt und hatte dann noch einmal einen einseitigen Milchstau. Letztendlich habe ich ihn mit Ruhe, Kühlen, Ausstreichen und viel Geduld eliminieren können, ohne dass ich noch einmal ein Kind hätte trinken lassen müssen. Der erneute Saugreiz hätte ja die Produktion eher wieder angekurbelt. Als ich mich dazu etwas belaß, fand ich heraus, dass manche Frauen abhängig von Zyklus und Stimulation noch nach Jahren nach dem Abstillen Probleme damit haben. Sehr spannend!
  • Neue Zähne, Müdigkeit und Stillen war bei uns eine schlechte,  für mich sehr schmerzhafte Kombination. Ich kenne Mamas, die deshalb abgestillt haben. Aber auch Babys, die nicht ein einziges Mal zugebissen haben. Und auch Babys, die das Beißen abtrainiert bekommen haben.

Was ich noch einmal extra betonen möchte:  Mein Wissen, das ich mir über die Monate angehäuft habe, hat mir in vielen Situationen wirklich weitergeholfen. Also vielen, vielen Dank noch mal an euch, meine lieben Leser. Ihr habt mich mit vielen Erfahrungsberichten und wertvollen Informationen versorgt. So war es sicherlich auch früher in der Dorfgemeinschaft, als es noch wenige Alternativen zum Durchbringen eines Säuglings gab.

Zuletzt möchte ich noch einmal einen kontrovers diskutierten Satz einfließen lassen, für den mich einige Leser sicherlich am liebsten boxen wollen. Deshalb bitte noch den Rest lesen. 😉

Jeder kann Stillen!

Ja, nach meinen Erfahrungen glaube ich, dass fast jede Mama stillen könnte – kein biologisch. Angeblich können es  ja auch einige Adoptivmütter alleinig durch die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin! Vielleicht klappt es nicht immer für eine Vollversorgung, aber zumindest ein bisschen Muttermilch fließt. Außen vor lasse ich bei dieser Behauptung seltenere Fälle, wo es einfach anatomisch nicht geht, weil zum Beispiel bei der Mama gar keine Milchdrüsen angelegt sind oder das Baby Kieferfehlbildungen hat. Da geht das Stillen dann wirklich nicht. Aber ich habe nun gelernt, dass es klappen kann, auch wenn die Ausgangsbedingungen noch so schlecht sind.  Man muss herausfinden (lassen) wo die Probleme sind. Und dann dagegen arbeiten und durchhalten. Und das ist einfacher gesagt als getan. Es gibt sehr viele triftige Gründe, andere Prioritäten zu setzen. Nehmen wir zum Beispiel die Still-Geschichte von A.Pippa oder Pingi3107 , bei denen trotz aller Bemühungen  irgendwann dieser Punkt erreicht war. Oder nehmen wir den Fall, dass die Mama gar nicht stillen möchte, weil es einfach nichts für sie ist… Leben und Leben lassen!
Als Nicht-Stillende Mutter ist man keine schlechte Mutter. Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun. Denn es gibt Alternativen, die zwar für Säuglinge nicht haargenau  so gut sind wie Muttermilch, aber eben beinahe. Satt und groß werden auch Flaschenkinder. Und bindungsfähig auch, wenn der Rest stimmt. Also bitte das „Jeder kann stillen“ nicht falsch verstehen. Es soll einfach nur Mut machen! Jeder könnte stillen. Aber jeder darf und muss selbst entscheiden, wo die persönlichen Limits sind.


So, das war sie, meine Stillgeschichte. Nun ist sie erst einmal abgeschlossen. Ein richtig abgeschlossenes Buch. Mit vielen Höhen und Tiefen. Wenn ihr noch irgendetwas wissen wollt, was euch selbst in harten Zeiten weiterhelfen könnte, so kontaktiert mich doch gerne und ich schaue, ob ich etwas tun kann. Das liegt mir wirklich am Herzen!

Vielleicht hat ja auch eine stillende Zwillingsmama Lust, ihre Geschichte zu teilen, bei der es alles recht reibungslos und entspannt lief? Das wäre doch auch noch äußerst Mut-machend,  hilfreich zu lesen und fehlt bislang in meiner Sammlung. Diese Geschichten gibt es nämlich tatsächlich auch, gar nicht so selten!
Alle anderen sind natürlich auch weiterhin willkommen, mitzumachen! Also wer gerne seine Stillerfahrungen hier teilen möchte…egal ob leicht, schwierig, kurz, lang…einfach melden!

Milch und Mehr


Ps.: Solltest du nun erst auf mein kleines Resümee über das Zwillingsstillen gestoßen sein und noch einmal gerne meine Erfahrungen der ersten Monate detailliert nachlesen wollen, empfehle ich dir folgende Blogposts:
Prolog | Akt1: Neonatologie | Akt 2: Die Milchpumpe | Akt3: Frühchen Stillen. Zwillinge Stillen.  | Akt 4: Komplikationen | Akt 5: Equipment | Epilog
Mehrlinge Abstillen
Rezept für Milchbildungskekse
Erfahrungsberichte anderer stillender (Zwillings-) Mamas

Meine Survival-Tipps auf dem Medela-Blog

3 Kommentare

  1. Sehr toller und authentischer Beitrag. Oftmals haben wir uns die Frage gestellt, wie das Leben bei Zwillingen abläuft. Denn manchmal hatten wir das Gefühl als Eltern, dass es gar nicht möglich ist xd Vielleicht war unser kleiner Engel auch manchmal zu ungeduldig. Aber wenn man dann 2 von solchen Schätzchen hat, dann ist das ganz normale Stillen schon eine Aufgabe. Eine Aufgabe, die man allerdings auch gerne macht! Du kannst gerne mal bei unserem Beitrag über das Clusterfeeding vorbeischauen.

  2. Tanja Berthues sagt

    Ich bin grade ganz zufällig über deinen Blog gestolpert und musste schmunzeln. Viele Situationen die du beschreibst kennen wir auch. Sei es nun die Frage – Zwillinge machen aber viel Arbeit… Oder der Gedanke endlich Beikost und nicht mehr Alleinversorger sein zu müssen…
    Wir haben das stillen für uns etwas anders gelöst. Genau wie bei dir auf der Neo – MuMi per Flasche. Zuhause dann ganz entspannt umgestellt (allerdings erst nach 6-8 Wochen). Tagsüber haben wir dann nach Bedarf gestillt, nachts bin ich bis wir mit Beikost einiges ersetzt hatten bei der Flasche geblieben – dachte lange das ist einfacher. Da haben wir es genau wie du auch na dem Prinzip gemacht, der erste der sich meldet gibt den Takt vor…
    Aus heutiger Sicht hätten wir vielleicht doch viel früher auch nachts voll stillen sollen – das ist so herrlich entspannt und alle bekommen mehr Schlaf.
    Der Plan war mit ca. 6 Monaten abzustillen…
    Naja erstens kommt es anders und zweitens als man denkt – sie werden nächste Woche 11 Monate und wir stillen noch.

    • Nora | milchundmehr.de sagt

      Liebe Tanja,
      vielen Dank für dein Feedback! Schön zu lesen, dass du dich/euch in meinen Texten wieder findest! Und super, dass du auch das Kapitel „Frühgeborene Zwillinge stillen“ erfolgreich meistern konntest bzw. immer noch kannst. Ich hätte auch nie gedacht, länger als 4-6 Monate durchzuhalten und dann wurden es 13. Ich habe mir auch schon oft zu diversen Themen die „Hätte…“ Frage gestellt. Es hatte bestimmt alles seinen Sinn. 😉 Ich muss aber zugeben, dass ich nächtliches Stillen auch viel bequemer fand als alles andere – zum Beispiel auch die Flaschenreinigung am Morgen fehlt mir nicht. Alles Gute für dich und deine Familie!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.