Meine Still-Erfahrungen (Zwillinge, Frühgeburt), Stillen
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Ein Stilldrama: Epilog – vorläufiges Fazit.

Ein Prolog und fünf lange Akte hat es gebraucht. Ich hätte eigentlich ein ganzes Buch mit Gedanken und Anregungen füllen können.
Gratulation, wenn jemand es bis hierhin durchgehalten hat ;-). Das ist ein triftiger guter Grund, an der Verlosung teilzunehmen!
Ich schrieb ja schon ganz am Anfang, dass das Stillen für mich teilweise zu einer Art Grenzerfahrung geworden ist. Das Stillen, was für tausende von Frauen etwas ganz Nebensächliches und Natürliches ist.
Ich bin wirklich stolz, nicht aufgegeben zu haben. Ich kann aber nur immer wieder betonen, dass ich mit diesem Drama nicht bezwecken wollte, dass sich jemand schlecht fühlt, weil er an irgendeinem früheren Punkt nicht mehr weitermachen wollte oder konnte.
Ich werde auch nicht das Gefühl los, dass die Konstellation Frühchen-Zwillinge-Stillen neben Geduld und starken Nerven ein bisschen Glück benötigt.

Dennoch glaube ich mittlerweile an den umstrittenen Satz „jede Frau, die entbunden hat, kann stillen“. Ja – das kann sie evolutionstechnisch. Aber der Preis, den sie und die ganze Familie dafür zu zahlen hat, der ist stark variabel. Deshalb sollte man immer überlegen, wie das Verhältnis zwischen Motivation und Kraft ist.
Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich aufgeben wollte. Wirklich! Mittlerweile weiß ich, dass ich es aber einfach nicht gekonnt hätte. Es war fast schon ein bisschen wie eine Sucht für mich. 
Ich möchte mit diesen ganzen, teilweise sehr persönlichen Einblicken in mein Stillleben (haha, welche Wortwitz!) keine Lobeshymnen oder der gleichen ernten. Ich hatte das große Bedürfnis, alles für mich festzuhalten. Weil es mich sehr viel beschäftigt und aufgewühlt hat. Quasi als Psychotherapie. Und als ich dann anfing, kam mir der Gedanke, dass bestimmt noch andere Frauen in ähnliche Situationen kommen…und dass ich auch von ähnlichen Real-Still-Life-Erfahrungen profitiert habe. Und dann habe ich beschlossen, wenn schon – dann mach ich es richtig: haue alles raus, was ich weiß (damit überhaupt jemand das Ende schafft, habe ich trotzdem viel gekürzt :-), bitte den Pumpenfachmann und Mithilfe und organisiere eine Zusammenarbeit mit Medela. So hoffe ich, dass die unzähligen Mittagsschläfchen der Früchtchen, in denen ich tippend neben der Wiege gesessen habe, sich gelohnt haben.
Über Feedback würde ich mich deshalb wahnsinnig freuen! Also wenn mal jemand mitten in der Nacht in der tiefen Stillkrise über das Drama stolpert und daraus neue Kraft schöpft, bitte einen kurzen Kommentar hinterlassen…
Weshalb ich immer wieder aus dem großen Tief hochgekommen bin, waren wohl „die anderen“: eine Zwillingsmama aus dem Freundeskreis, die mir versicherte, dass sie nach einigen Monaten totaler Schlappheit wieder kräftiger wurde. Die erfahrenen (Zwillings-)Still-Mamas aus dem Internet, die immer einen Tipp parat hatten…und vor allem mein Still-Buddy. Jemanden, mit dem man sich austauschen kann, der zur selben Zeit in der selben Situation steckt, ist wohl unbezahlbar. Vor allem für die Psyche. Da hat sich das Schicksal wirklich etwas praktisches überlegt. (Gut will ich nicht schreiben, weil vier oder zumindest zwei reif Geborene wären besser gewesen…ihr versteht was ich meine?!)
Und deshalb habe ich mir noch etwas Schönes überlegt: Ich suche nun nach weiteren Stillgeschichten, die wir hier zusammentragen können, um ratsuchenden Frauen zu helfen! Längere oder kürzere, härtere oder leichtere…ungewöhnliche oder bilderbuch-artige Stillgeschichten. Mit einem, zwei oder drei Babys. Wer sich dazu von mir mit ein paar Fragen (schriftlich) interviewen lassen möchte, selbst etwas als Gastbeitrag teilen möchte (schreiben hilft auch definitiv zur Verarbeitung!) oder schon etwas im eigenen Blog veröffentlicht hat und hierher verlinken möchte – ob mit Namen oder Anonym – melde sich doch bitte bei mir per Instagram-Direktnachricht, Kommentar oder E-Mail (frolleindoctor(at)gemail(punkt)de).
Eine große Sammlung, die Kraft und Motivation schenkt sowie Antworten auf viele Still-Fragen hat, wäre doch eine tolle Sache!
Denn wenn ich auch eins gelernt habe, dann dass es beim Stillen nicht DIE RICHTIGE Antwort gibt. Es ist einfach ein individuelles, intuitives Bauchding, bei dem die Wissenschaft an vielen Stellen einpacken kann. Nicht leicht für das Frollein Doctor.
Auch wenn die Hebamme sagt, dass du bequem sitzen musst, kann es sein, dass das Kind nur trinkt, wenn du mit halb gebrochenem Rücken auf der Erde hockst. Auch wenn es heißt, dein Kind könne die Brust nicht leer trinken, kann die Brust leer sein. Pauschal ist hier einfach nichts. Das macht es aber nicht gerade leichter.

Nun stillen wir nach mehr als vier Monaten immer noch, die letzten Wochen sogar relativ harmonisch. Ich habe mein persönliches Soll-Ziel erfüllt. Das hat mich ungeheuer erleichtert und glücklich gemacht. Es machte mich gelassener – von heute auf morgen. Dennoch wünsche ich mir für die Früchtchen (und für mich!) noch etwas Kür. Aber nicht mehr um jeden Preis. Wie es mit uns weitergeht, werde ich natürlich nachtragen. Wenn es nur noch ein paar Tage dauert, werde ich hier einfach ein Update schreiben. Wenn wir noch ein paar Wochen dabeibleiben, wird es noch einmal einen weiteren Still-Drama-Post geben. Die Beikost ist ja gar nicht mehr in allzu ferner Ferne!

Falls euch noch Fragen, die ich tatsächlich unbeantwortet gelassen habe, auf der Zunge brennen – kontaktiert mich gerne!

Hier geht es zum Prolog.
Hier geht es zu Akt 5: Equipment (mit Verlosung!).

Hier geht es zu meinen gebündelten Survival-Tipps auf dem Medela-Blog.

Ps.: Vielen Dank schon einmal für alle lieben Kommentare, die mich bislang erreicht haben. Über jeden einzelnen habe ich mich sehr gefreut… und auch über die ganzen tollen Still-Momente! 

0 Kommentare

  1. Anonym sagt

    Danke für die ausführliche Geschichte! Bei mir ist es ja schon Jahre her, aber ich habe heute noch die Aussage einer Schwester im KH im Ohr, als das Kind 1 1/2 Tage alt war: "Naja, wenn Sie bis heute abend keine Milch haben, dann hat ihr Kind 1/4 seines Geburtsgewichts verloren und muss SOFORT auf die Überwachungsstation!" (das Kind hatte ein Geburtsgewicht von über 4000 gr.)
    Das tat so richtig gut und ich saß dann heulend an der Milchpumpe und wundersame Weise versiegte dann auch noch der letzte Rest der spärlich fließenden Milch, tata! Gsd konnte ich am nächsten Tag nach Hause und mit Hilfe meiner tollen Hebamme "floss" dann die Milch sehr schnell wieder in rausten Mengen und ich habe viel Zeit unter der warmen Dusche mit Ausstreichen verbracht.
    Dir und deinen Beiden wünsche ich auf jeden Fall noch viele schöne Still-Momente und noch mal Danke fürs Teilhaben lassen.

    Gruß Caro

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