Familie, Leben mit Zwillingen & Baby
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Leben mit Zwillingen: Die Autonomiephase

Der Mama-Alltag ist wie eine Pralinenschachtel. Manchmal ist der Tagesinhalt mehr, manchmal weniger überraschend – aber größtenteils ziemlich lecker schön. Wenn man gerade denkt „ach, jetzt ist ja wirklich alles rosig“, kommt meistens schneller eine neue Herausforderung als man drei Mal Aramsamsam singen kann: neue Zähne, eine Erkältung, Impfnachwirkungen oder bahnbrechende Fortschritte in der motorischen und geistigen Entwicklung.
Aktuell bei uns: Autonomie im Doppelpack. Freud nannte es den Autonomie-Abhängigkeits-Konflikt. Die Mama von nebenan redet von der Trotzphase. Ich schmeiße jetzt mal ganz plump den Begriff Willensbildung in den Raum. Wir alle meinen das gleiche: das Kind merkt, dass es ein eigenständiger Mensch ist, der Vorlieben hat und Entscheidungen treffen kann. Und SELBA existiert und machen kann. Das ist aber erst einmal total überfordernd. Vor allem, wenn man gar nicht so genau weiß, wie man sich entscheiden soll…
Ich gebe ja zu, für richtig intensive Pädagogik fehlt mir die Zeit. Bei uns gibt es kein Montessori, kein Attachment Parenting, kein Unerzogen. Weder nehme ich mir die Zeit zur ausführlichen Literaturrecherche, noch bleibt mir im Alltag oft die Chance, vor dem Handeln vernünftig zu Reflektieren. Hier wird meistens einfach gemacht. Mal autoritärer, mal demokratischer. Aber immer mit Liebe und Respekt.
Bei diesem wilden Autonomie-Ding – ja ich weiß, es ist normal und richtig und stellenweise ja sogar ganz niedlich – da fühle ich mich aktuell manchmal ein bisschen hilflos. Vor allem, weil ich mir immer Sorgen um das gerade nicht trotzende, zufriedene Kind mache. Wie fühlt sich dieser Zwilling, wenn der andere gerade kurz vor dem emotionalen Untergang steht und so viel Beachtung braucht? Hat das irgendwelche Auswirkungen, oder gar Lerneffekte?

Autonomie Trotzphase bei Zwillingen

Antworten und Inspirationen hoffte ich im neuen Trias-Ratgeber mit dem witzigen Titel „Die Trotzphase ist kein Ponyhof“* zu finden, der mir zur Rezension zu Verfügung gestellt wurde. Und bei dieser Lektüre wurde ich auch nicht enttäuscht!
Ich nahm an, dass ich das Buch erst viel später auspacken werden. Im Sommer, wenn die Zwillinge zwei Jahre alt werden? Aber nun – mit noch nicht einmal Eineinhalbjährigen –  habe ich schon das Gefühl, dass wir allmählich den Trotzberg erklimmen. Deshalb ist es gut, nun für die nächsten Etappen gerüstet zu sein.

Die Trotzphase ist kein Ponyhof

Autorenehepaar Tropper ist mir richtig sympathisch. Er hat Psychologie studiert. Sie ist Pädagogin und führt den erfolgreichen Zwillings-Blog „Einer Schreit Immer“. Und ist somit mein Idol. 😉 Cooles Blog – eBook – Buch. Und nebenbei noch zwei Wirbelwinde. Oder andersherum. Eine super Leistung und mein großer Traum!
Jedenfalls, wenn ich irgendwo praktische Lösungen für unsere alltäglichen Herausforderungen finde, dann doch wohl bei anderen Zwillingseltern.
Der Ratgeber ist lockerer, witziger aber eben auch sehr informativ. Grob durch kommt man in zwei bis drei Mittagspausen.
Was habe ich für mich, die Zwillinge und unsere sich anbahnende Autonomiephase mitgenommen?!

Verständnis.

Ein Wutausbruch ist das Resultat aus kompletter emotionaler Überforderung. Die Hirnhälften arbeiten nicht mehr zusammen. Die Folge: Kurzschlussreaktionen. Dass das Leben überfordert, wenn man ständig mit neuen Situationen und Fähigkeiten konfrontiert wird oder sich an Regeln halten soll, die man nicht ganz versteht, weiß ich auch als Erwachsene selbst noch. Und diese physiologisch-anatomische Erklärung für den Totalausfall macht Sinn. Solche Fakten punkten bei mir ja immer besonders.

Strategien.

Den eigenen Willen soll ich dort zulassen und die Kinder  machen lassen, wenn und wo ich damit leben kann – ansonsten soll ein gemeinsamer Nenner gefunden werden. Das mache ich ehrlich gesagt von Anfang an so. „Nein“ versuche ich für die wirklich notwenigen Momente aufzusparen, damit es wirkt. Aber keine Sorge, es ist trotzdem noch neben „Baga“ und „Gackgack“ das hier am meisten benutzte Wort.
Trott und Routine können Wutausbrüche verhindern. Damit leben wir schon von Anfang an ganz gut. Ich werde es aber auch für die nächsten Monate im Hinterkopf behalten, wenn zum Beispiel Chaos-Events anstehen. Dann kann ich mich schon mal auf Ausbrüche vorbereiten.
Klare Ansagen und Regeln sind wichtig. Da muss ich noch an mir arbeiten. Wahrscheinlich quatsche ich zu viel und änder auch hin und wieder schon einmal meinen Standpunkt, nur um noch schnell etwas erledigt zu bekommen. Da wäre ich glaube ich mit einem Einling konsequenter und geduldiger.

Trotzphase ist kein Ponyhof Erfahrungen

Ausblick.

Mit drei, spätestens vier Jahren soll der ganze Wut-Spuk in den meisten Fällen vorbei sein. Die Kinder sind plötzlich viel selbstständiger und haben weniger Frust.
Die kleine Lektüre entlässt mich nun mit gutem Gefühl in die nächsten Monate. Die Autoren haben es wirklich geschafft, die fordernde Autonomiephase positiv zu würzen und allen Tücken etwas Erfreuliches abzugewinnen. Die vielen Alltagsbeispiele sind wirklich hilfreich und aus dem echten Leben gegriffen. Zu den wichtigsten Themen und typischsten Trotzfällen gibt es zusätzlich noch Tipps von vielen anderen Eltern.  Zu den konkreten Situationen werde ich immer noch mal blättern wenn ich Anregungen brauche…

So, mehr möchte ich aber gar nicht verraten. Amüsiert und bildet euch lieber selbst. Es lohnt sich!

autonome Zwillinge

Ein paar Praxisfragen für den Trotzalltag mit eineinhalbjährigen Zwillingen sind bei mir aber dennoch offen geblieben. Vielleicht habt ihr, meine lieben Leser, ja noch ein paar gute Ideen oder Erfahrungen parat?!
Wie beugt man in der Küche den Helfenwollen-Frustanfall vor, wenn maximal ein Lernturm hineinpasst? Oder im Badezimmer, wenn nicht beide Kinder gleichzeitig Händewaschen können?
Wie begegnet man dem Trotzer im Interessenkonflikt, wenn logische Argumente und Sprache generell nicht wirken, weil das Wortverständnis noch sehr selektiv ist?
Wie bringt man Kind A dazu, sich in der Öffentlichkeit in den Kinderwagen zu setzen ohne Brachialgewalt anzuwenden (die ich körperlich gar nicht hätte…), wenn zum Beispiel Kind B in einer Gefahrensituation ist oder man echt dringend nach Hause muss?


* Affiliate Link | Rezension: das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos zu Verfügung gestellt.

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