Beikost, Ernährung
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Tischmanieren – wie Babys gute Esser werden

Wieso sind meine Babys gute Esser?

Diese Frage habe ich mir schon häufig gestellt. Immer dann, wenn ich von Beikosterfahrungen mitbekomme, die die Eltern traurig oder gar wütend machen. Weil sie sich so viel Mühe geben. Liebevoll kochen. Hochwertig einkaufen. Unzählige Varianten anbieten. Und trotzdem wird alles verschmäht. Sie müssen sich ums Wachstum sorgen. Und sind bei jeder Mahlzeit kolossal genervt.

Erfahrungen Baby isst nicht gut

Mama macht sauber. Vier Mal am Tag.

Ein bisschen irreführend ist die Überschrift. Tischmanieren haben meine Zwillinge nämlich weiß Gott nicht. Nicht selten stehe ich während den Mahlzeiten kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Alles ist dreckig, überall Brei, seit neustem auch diverse Klumpen, der Boden könnte jeden Tag gewischt werden. Aber sie essen gerne seitdem sie ein halbes Jahr alt sind. Mit Höhen, aber auch Tiefen.

Woran liegt das also?

Zu größter Wahrscheinlichkeit ist es einfach nur Zufall bzw. Glück. Da bin ich mir ziemlich sicher.
Außerdem – wer weiß, ob es nicht ein Zwillingsvorteil ist?! Sie lernen voneinander. Was der eine hat und macht, will der andere auch. Und vielleicht haben Mehrlinge sogar evolutionär ein Gefühl dafür, dass die Muttermilchreserven nicht unendlich sind. Ich habe nämlich schon von einigen Zwillingen mitbekommen, die sehr früh Beikostreife zeigten.
Zu kleinem Anteil bilde ich mir ein, dass ich aber auch tatsächlich etwas zum Essverhalten meiner Kinder beigetragen habe. Und das will ich nun hier festhalten.
Wer meine Texte kennt, weiß, dass ich nicht sonderlich dogmatisch bin. So auch hier. Ich möchte niemandem etwas vorschreiben oder andere Einstellungen/ Wege verteufeln. Die Baby-Weisheit habe ich nämlich einfach nicht gefressen. Weder für meine eigenen Kinder noch für andere Babys. Jedes Baby isSt individuell.
Deshalb versteht meine Erfahrungen und Beobachtungen lediglich als Inspiration. Vielleicht kann sich jemand daraus Anregungen holen, vielleicht fühlt sich jemand in seinem Tun bestätigt, vielleicht kann jemand gar nichts damit anfangen und muss einfach nur den Kopf schütteln.
Hier ist, was ich empfehlen kann, um dem Baby das Essenlernen zu erleichtern:

Konsequent sein.

Menschen die mich persönlich kennen, wissen, dass ich sehr konsequent bin. Das ist nicht immer von Vorteil. Der Grat zwischen Konsequenz und Bestrafung ist sehr klein. Und Babys werden in meiner Philosophie ganz gewiss nicht bestraft.
Trotzdem war ich von Anfang an auch beim Thema Beikost ziemlich konsequent. Ich habe mir Gedanken gemacht, was ich wann anbiete. Und das gab es dann auch. Als einzige Option. Es gab lange Zeit keine Wahlmöglichkeiten. Auswahl überfordert Babys meiner Meinung nach.
Wenn ein Kind den Löffel verweigert, packe ich nicht sofort alles ein und erkläre die Mahlzeit für beendet, sondern wende mich erst dem anderen Kind zu und versuche es dann erneut (noch ein Zwillingsvorteil!). Wenn etwas nicht gemocht wird, was bisher bei meinen Breikreationen selten vorkam, wird keine Alternative aufgetaut oder eine Nachspeise aufgetischt, sondern getrickst. Teilweise gab es Konsistenzprobleme, die sich durch erneutes Pürieren oder Flüssigkeitszugabe lösen ließen. Erbse-Kartoffel war ihnen am Anfang zu derb. Da habe ich mit Apfelsaft nachgesüßt. Was ich aber an dieser Stelle auch noch mal betonen möchte ist, dass natürlich kein Kind zum Essen gezwungen werden soll.
Wenn wirklich kein Interesse mehr am Essen besteht, ist die entsprechende Mahlzeit beendet. Es wird nicht eine halbe Stunde später noch einmal versucht oder Milch angeboten (zu Beginn der Beikosteinführung selbstverständlich schon). So ist bei der folgenden Mahlzeit definitiv wieder Hunger und Interesse da. Einzige Ausnahme mache ich, wenn ein Kind beim Essen einschläft. Dann darf natürlich nach dem Powernap noch einmal zugelangt werden.

Begeistert sein.

Was ich schnell gelernt habe: Meine eigene Stimmung beeinflusst die Baby-Laune. Also bitte niemals skeptisch fragend gucken, ob der Brei nicht zu bitter/süß/trocken/flüssig/heiß/kalt ist. Oder selbst probieren und das Gesicht verziehen. Sondern das Gemüse anpreisen, als wäre es das schokoladigste Schokoeis. Ich sage immer wieder „hmm ist das lecker“ und nicke und grinse. Wie eine Kassette.

Routine vorgeben.

Bei uns wird plus/minus einer halben Stunde immer zur gleichen Zeit gegessen. Das passt auch gut vom Hunger (oder ist das schon Konditionierung?). Aktuell (mit 11 Monaten) vier Mal am Tag. Zwischendurch wird so gut wie nie gesnackt. Ich bin momentan auch noch die fiese Mutter die ihre Kinder auf dem Spielplatz nicht in die große Snackkiste der kleinen Sophie von gegenüber greifen lässt. Selbst habe ich gar nicht erst eine dabei.
Die strickte Routine hält uns aber trotzdem nicht zu Hause. Unterwegs kann man mit etwas Übung und viel Gelassenheit auch Zwillinge innerhalb von 20 Minuten überall satt kriegen (Buggy, Autositz…).
Bei jeder Mahlzeit wissen die Babys in etwa was sie erwartet. Das Grundgerüst ist jeden Tag gleich. Morgens gibt es Haferbrei, nachmittags Hirse, abends Dinkel. Weizen, Reis und Roggen gibt es in Mittagsgerichten und Brot. So sind alle Getreidesorten abgedeckt, was wichtig zur Allergieprophylaxe ist. Es wird aber nicht gemischt und auch nicht jeden Tag etwas neues probiert.
Es gibt für Fingerfood, Brei und Familiengerichte klare Strukturen und Zeitpunkte.
Diese Regelmäßigkeit ist meiner Meinung nach auch für die Verdauung gut. Der Körper weiß, was kommt und kann den Stoffwechsel darauf einstellen. Variation gibt es noch genug durch z.B. Obst- und Gemüsesorten, Fingerfood und bei dem, was sie mittlerweile von mir mitessen.

Zwillinge BLW Regeln

Wer selbst essen möchte, der tue das bitte im Freien. 😉

Vorbild sein.

Seitdem sie ein paar Wochen alt sind sitzen die Zwillinge bei einigen Mahlzeiten mit am Tisch. Die Neugeborenen-Aufsätze für den Hochstuhl haben sich für uns wirklich gelohnt. So konnten sie neugierig werden und abgucken. Dass sie dann mit zehn Monaten schon Familienkost verlangen, mag dem auch geschuldet sein. Für mich aktuell eher die Kehrseite der Medaille. Aber natürlich auch irgendwie gut.
Auch zählt zu diesem Punkt, dass man selbst mit viel Begeisterung sein eigenes Essen vertilgt, gerne und viel Wasser trinkt und auch nicht unentwegt offensichtlich snackt. Natürlich gönne ich mir mal auf dem Spaziergang mal ein Eis und die Früchtchen müssen doof aus der Wäsche gucken. Aber dann erkläre ich, dass das nun Erwachsenen-Essen ist und sie gleich exklusive Baby-Essen bekommen. Und wenn sie dann nach vorne gerichtet im Kinderwagen fahren, gibt es noch mehr Optionen 😉

Auf Bedürfnisse eingehen.

Wenn ich im ersten Jahr etwas gelernt habe, dann, dass sich ständig alles verändert, wenn man gerade gewisse Abläufe lieb gewonnen hat. Da klappt das endlich super mit dem Stillen, da wollen sie auf einmal Brei. Da klappt das mit dem Brei, da wollen sie auf einmal richtiges Essen. Dann wollen sie auf einmal gar nichts festes im Mund haben, weil der Kiefer weh tut. Dann soll es bitte kalt sein. Oder auf jedem Breilöffel MUSS ein Fruchtstückchen liegen. Oder es MUSS von meiner Gabel kommen. Oder aus der eigenen Hand. Ich bin gespannt, was sie sich noch einfallen lassen.
Ich gebe die Spielregeln vor und trickse, was das Zeug hält, um das gesunde Wachstum zu unterstützen. Ich gebe ihnen aber auch begrenzt Raum, eigene Entscheidungen zu treffen. Und das klappt mit Mama-Intuition und Beobachtung bislang eigentlich sehr gut.

Entspannt sein.

Vor der Beikosteinführung habe ich mir zeitweise sehr viel Sorgen um die Gewichtszunahme meiner Kinder gemacht und hatte Angst, dass die Milch nicht reicht. Mit dem ersten Brei ist die Alleinversorger-Last von mir abgefallen und ich hatte keine Bedenken mehr. Das Wachstum wurde mehr und mehr zur Nebensache.
Es gibt natürlich Situationen, wo das Gewicht auf einmal bei schlechten Essern wieder eine Rolle spielt. Oder die Trinkmenge ist zu gering. Hier würde ich empfehlen, so gelassen wie möglich zu bleiben. Es ist kein Beinbruch, wenn an einem Tag mal 100 g weniger gegessen werden oder die Windel leerer ist als sonst. Druck merken die Babys. Und unter Druck zu essen mag keiner. Das Beste in einer solchen Situation ist, dem Essen möglichst wenig Bedeutung zu schenken.
Auch habe ich für mich selbst festgelegt, welche Portionen meine Kinder essen sollten. Weder von der Babynahrungsindustrie noch durch Beikostbuch und Ernährungsleitlinie lasse ich mich verunsichern.

Baby ist selbst mit Manieren.

Muffin oder Knete? Das ist hier die Frage.

Ich bin gespannt wie ihr dieses Thema haltet! Wie lief/ läuft es bei euch?
Vielleicht mögen sich ja mal die Zwillings-Mamas melden, die zwei grundsätzlich verschiedene Esser haben. Das würde nämlich auch meine wilde Evolutionstheorie widerlegen.
Ich bin mir sicher, dass es einige Situationen geben wird, wo sich das Baby einfach nicht leiten lässt, egal was man tut. Schlicht und einfach Überforderung von Geruchs- und Geschmackssinn kann bei sensibleren Babys die Ursache sein. Und dann ist einfach Zeit besser, als kluge Weisheiten einer Möchtegern-Ernährungsexpertin. 😉

In ganz seltenen Fällen kann auch ein ernsteres Problem hinter einem scheinbar missglückten Beikost-Start stecken. Es gibt diverse hormonelle Ursachen und sogar Fälle von frühkindlicher Anorexie. Hier (in der ZEIT) kann man dazu einen ganz interessanten Erfahrungsbericht lesen.

Übrigens hatte ich diesen Post angefangen zu schreiben und zeitgleich schlug das Essen bei uns in einen richtigen Kampf um. Deshalb hatte ich erst gar keine Lust zur Vollendung und bin mir noch sicherer, dass ich weder Zaubrerin bin, noch Zauber-Babys habe. So schnell kann es also gehen. Allerdings war es nur eine kurze Phase und nun sind wir bei den meisten Mahlzeiten auf einem erträglichen Niveau.

4 Kommentare

  1. Denise sagt

    Bin keine Zwillingsmama aber ich finde du machst das toll und gerade richtig! Ich lerne gerade selbst wie wichtig die Routine für meine fast einjährige ist und auch bei uns wird nicht gesnackt. Dieses Dauergesnacke von anderen Kindern erschreckt mich manchmal richtig. Und auch ich habe von Anfang an konsequent gesunde ausgewogene selbstgekochte Breie angeboten ohne dabei mit allzu viel Vielfalt zu überfordern. Auch jetzt noch bin ich sehr vorsichtig mit der Auswahl der Speisen, diese Quetschies gibt’s bei uns zbsp gar nicht, das sind meiner Meinung nach viel zu viele Geschmacksrichtungen auf einmal. Jetzt kommt das große ABER in meiner Erfahrung: meine Tochter ist dennoch eine schlechte Esserin. Sie schafft in etwa 300g Brei täglich wenns gut läuft und wird immer noch viel gestillt. Mit fester Nahrung kommt sie noch gar nicht zurecht obwohl sie fingerfood schon seit dem siebten Lebensmonat haben darf. Sie schluckt einfach nichts und spuckt alles wieder aus. Wenn sie dann wieder mal kaum Brei mag und schon beim Tisch auf meine Brüste zeigt ist es teilweise wirklich schwierig nicht wütend zu werden. Also bei meinem Einling hab ichs also umgekehrt erlebt: solange sie voll gestillt wurde hatte ich keinerlei Sorge ob sie genug bekommen würde, seit Beikoststart ists schwierig…

    • Nora | milchundmehr.de sagt

      Liebe Denise,
      vielen Dank für deine lieben Worte und deinen Einblick in quasi die andere Seite der Medaille.
      Wie ich schon im Artikel schrieb – wenn es so läuft, wie du beschreibst, tut mir das echt immer Leid! Du gibst dir viel Mühe, bist konsequent und stehst dahinter…machst quasi alles richtig! Bestimmt fällt bei deiner Tochter demnächst plötzlich der Groschen und solange genießt ihr noch die Vorzüge des Stillens. Ist sie generell eher sensibler? Ich habe das Gefühl, dass Essgewohnheiten manchmal auch einfach mit der Persönlichkeit zusammenhängen… Ich drücke die Daumen!

      • Denise sagt

        Danke für deine Antwort! Naja sensibel ist sie schon, hab aber keinen Vergleich… Sie ist aber ein seeeeehr aktives Kind, konnte noch nie länger ruhig liegen und später sitzen, läuft seit sie zehn Monate alt ist. Ich glaub Brei essen oder essen generell ist ihr einfach zu langweilig, deswegen muss ich nach ein paar Löffel immer tricksen anfangen. Aber ich will deswegen nicht meine Prinzipien über den Haufen werfen und ihr mit dem Löffel nachrennen oder sie mit Snacks und Süßigkeiten „verwöhnen“. Sie ist einfach noch nicht soweit und es wird sich alles fügen… Hier ist meine Geduld gefragt. Also zusammenfassend lässt sich wohl sagen es dürfte Glücksache sein und mit den richtigen Rahmenbedingungen ist dann der langfristige Erfolg wahrscheinlicher ?

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