Gesundheit, Kinderwunsch
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Uterogest vs. Crinone

Heute ist ein denkwürdiger Tag, quasi ein Tag zum Feiern. Nach vier Großpackungen bin ich endlich das olle Progesteron los. Also vorausgesetzt, es kommt jetzt  nicht zu Blutungen oder es geht noch sonst wie was schief.
Diese vier Packungen waren aber nicht die einzigen, die im letzten Jahr durch meine Medikamentenschublade gewandert sind. Auf Grund meiner nicht vorhandenen Zyklen kam da noch die ein oder andere Schachtel zum Menstruation einleiten hinzu. Deshalb betitel ich mich nun guten Gewissens als waschechte Progesteron-Expertin und möchte euch anmeinen Erfahrungen teilhaben lassen, genau wie in meinem Erfahrungspost zu Hemmstoffen.

Denn auch zu den verschiedenen Applikationsformen von Progesteron habe ich schon viele Fragen und Halbwahrheiten in Foren gelesen. Ich hoffe, deim einen oder anderen ein paar Unklarheiten nehmen zu können.

 

Wozu brauchen wir künstliches Progesteron?
Progesteron ist das Hormon der zweiten Zyklushälfte und wird vom geplatzen Follikel produziert (der heißt dann Gelbkörper). Es wandelt die Gebärmutterschleimhaut so um, dass sie einnistungsbereit ist und wenn der Spiegel im Blut plötzlich abfällt, weil der Gelbkörper zu Grunde geht, wird die Menstruation ausgelöst. Bei einer Einnistung arbeitet der Gelbkörper einfach weiter, produziert unheimlich viel Progesteron und simuliert erst einmal die Funktion von HCG, bis die Plazenta in der Lage ist alleine genug Hormone zu bilden. Progesteron soll auch für die meisten PMS-Symptome verantwortlich sein. Das ist ganz fies, weil die natürlich gerade nach einer künstlichen Befruchtung gerne (fälschlich) als erste Schwangerschaftsanzeichen gewertet werden.
 
 
 Eigentlich müsste bei einer künstlichen Befruchtung, bei der eine Vielzahl von reifen Follikel gezüchtet und punktiert werden, auch Gelbkörper in ausreichender Menge vorhanden sein. Allerdings ist durch das invasive Eizellenabsaugen natürlich nicht sichergestellt, dass sich diese vernünftig bilden können. Da man das Hormon generell leicht substituieren kann, es nicht schrecklich ungesund ist, und man nicht das Risiko eingehen möchte, dass davon doch aus irgendeinem Grund zu wenig von da ist, wird es vom Tag der Punktion bis zum negativen Bluttest bzw. zur 8. Bis 12. Schwangerschaftswoche substituiert. Damit sich die Schleimhaut gut umbaut und keine Menstruation zu früh ausgelöst wird. Genauso bei Behandlungen, in denen der Eisprung medikamentös ausgelöst wird.
Bei Frauen, die zu kurze zweite Zyklushälften haben, kann eine Gelbkörperschwäche Ursache für „Unfruchtbarkeit“ sein, die dann durch die Einnahme des Hormons schnell und einfach behandelt werden kann.
Außerdem kann man bei fehlenden Zyklen durch eine mindestens zehntägige Einnahme die Abbruchblutung, wie durch die Pilleneinnahme, auslösen (praktisch für PCO-Patientinnen!).
In Deutschland werden vor allem zwei Präparate benutzt – Uterogest-Kapseln und Crinone-Gel . Von den beiden werde ich nun meine persönlichen Erfahrungen zusammenfassen. Bei besonderen medizinischen Indikationen hier und standardmäßig in Amerika wird Progesteron auch als intramuskuläres (und scheinbar auch subkutanes?) Depot gespritzt. Damit habe ich keine Bekanntschaft gemacht.  
Nachtrag: In den Kommentaren berichtet aber netterweise eine Anwenderin von ihren Erfahrungen damit!
Uterogest
Uterogest-Weichkapseln enthalten pro Kapsel 100 mg Progesteron. Während einer künstlichen Befruchtung werden bis zu drei Mal täglich zwei Kapseln lokal (also bis kurz vor den Muttermund) eingeführt (es kann sein, dass die Dosierung von Klinik zu Klinik leicht abweicht). Bei positivem Schwangerschaftstest und unkompliziertem Verlauf werden sie irgendwann ab der 8. Woche ausgeschlichen, das heißt von der Anzahl langsam reduziert. Insgesamt kommen so mehr als 300 Kügelchen zusammen, was Therapiekosten von ca. 140 Euro ausmacht.
Wenn man nur eine zweite Zyklushälfte simulieren will, reichen 1-2 Kapseln pro Tag für 10-14 Tage aus.
Die Firma, die Uterogest ursprünglich patentiert hatte, bringt mittlerweile auch noch das etwas günstigere Produkt „Progestan“ heraus, um bei abgelaufenem Patent weiter markführend sein zu können. Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um komplett das gleiche Produkt handelt.
meine Erfahrung – Vorteile:
Die Therapiekosten sind im Vergleich zu Crinone nicht sonderlich hoch. Deshalb wird es auch, obwohl Crinone eindeutig potenter wirkt, immer noch gerne verschrieben.
Zum Ausschleichen kann man die Kapseln einfach täglich langsam reduzieren.
Die Anwendung ist relativ stumpf. Kapsel tief rein und fertig – da kann nicht viel schief gehen.
meine Erfahrung – Nachteile:
Ich bevorzuge ganz klar Crionone. Nachteile habe ich zwar nicht in so großer Zahl gesammelt, allerdings sind diese für mich gewichtig.
Drei Einnahmen pro Tag von je zwei Kapseln sind kein Zuckerschlecken. Man kann die Einnahme leicht mal vergessen, man ist unterwegs…man bewegt sich tagsüber, sodass man mit viel Ausfluss und Krümeln zu kämpfen hat.
Außerdem finde ich das Einführen mit dem Finger manchmal etwas unhygienisch. Mehrere Kugeln gleichzeitig taten auch ganz schön weh und haben gestört.
Die Trägerstoffe, die man ja alle auch wieder ausscheidet, reizen die Schleimhäute. Manche Frauen reagieren auch allergisch. Durch die gereizte Schleimhaut kann es leicht zu Pilz- und Bakterienbefall kommen.
Crinone
Crinone 8% ist ein Progesteron-Vaginalgel, das einmal abendlich vor dem Schlafengehen durch einen Einmal-Applikator eingeführt wird und bloß 90 mg Progesteron enthält. Durch die gel-artige Zusammensetzung und gewisse Trägerstoffe wird es langsam über 24 Stunden in die Blutbahn abgegeben und ist dadurch potenter als die Kapseln – auch wenn eine Portion nur einen Bruchteil der Wirkstoffdosis enthält. Bei einer Anwendungsdauer von 8-10 Wochen fallen Kosten von ca. 340 Euro an, eine Packung für 14 Tage kostet 85 Euro.
meine Erfahrung – Vorteile:
Eine einzige abendliche Einnahme z.B. nach dem Zähneputzen ist gut machbar. Spätestens wenn ich im Bett lag, ist mir immer eingefallen, dass noch was fehlt.
Das Einführen mit dem Applikator ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber meines Erachtens deutlich hygienischer. Schmerzhafte Krümel kamen bei mir so gut wie nie vor.
meine Erfahrung – Nachteile:
Der Preis ist happig. Gerade zum „nur“ Menstruationsauslösen wäre mir das zu teuer. Auch hier kann es zu ganz schön viel Ausfluss, Schleimhautirritationen und Superinfektionen kommen. Ich hatte nur phasen-/ tagesweise damit zu kämpfen und die meiste Zeit Ruhe. Ich habe aber auch schon von Frauen gelesen, die durchgehend richtiggehend ausgelaufen sind. Bei mir war das allenfalls 3-4 von 60 Tagen ein Problem.
Allerdings hat es mir dann einen unschönen Fleck in meiner weißen Arbeitsjeans beschert. Dieser ist auch bei Vorwaschbehandlung, 60 °C-Wäsche und Bleiche nicht rausgegangen (hat da vielleicht jemand einen Tipp?).
Ansonsten hat die Apotheke mir oft Produkte aus dem Ausland bestellt, weil es dabei bessere Konditionen für sie gab. Da war ich irgendwie etwas skeptisch und hatte das Gefühl, eine Charge aus Tschechien wäre fehlerhaft, weil es da plötzlich mit dem Ausfluss angefangen hat. Aber das war bei mir wirklich nur tagesweise und hörte wieder auf.
Übrigens – ab positivem Schwangerschaftstest profitiert man (zumindest in der GKV) vom Mutterschutzgesetz und bekommt verschreibungspflichtige Medikamente zuzahlungsbefreit, wenn das Rezept vom Arzt entsprechend ausgefüllt wird! Das hat mich echt positiv überrascht! Weil so merkt zumindest das eigene Portemonnaie nichts mehr von den hohen Crinone-Kosten.
Generell wird empfohlen, dass man auf Grund der Infektionsgefahr während der Einnahme öffentliche Schwimmbäder und Whirlpools meidet. Ich habe zunächst auch aufs Baden in der heimischen Wanne verzichtet. Vor kurzem bin ich da aber schwach geworden, nachdem ich mir erstens sicher war mittlerweile genug HCG zu produzieren und zweitens auf einer Homepage einer Kinderwunschklinik gelesen hatte, dass es unbedenklich sein soll.
Was Intimitäten während der Einnahmezeit angeht, muss jeder seinen eigenen Weg finden. Wichtig ist, dass auch der Partner auf anschließende Hygiene achtet, da Progesteron für Männer natürlich nicht so gesund ist.
Insgesamt habe ich natürlich viel mehr Erfahrung mit Crinone sammeln können. Allerdings habe ich auch Uterogest für 3-4 Zyklen eingenommen.
Was mir in Forenbeiträgen immer wieder aufgefallen ist, waren die Verwirrungen bezüglich der Progesteron-Dosierung. Die viel geringere Menge pro Tag im Gel resultiert aus anderen Trägerstoffen und einem anderen Aufnahmeverhalten der Schleimhäute. Somit hat die Gramm-Zahl keine direkte vergleichende Wirkung.
Ich hoffe, ich konnte mit meinen Erfahrungen irgendwem in einer hellen oder dunklen Google-Stunde behilflich sein. Ergänzungen, Fragen und Co wie immer gerne!

0 Kommentare

  1. Sehr interessant.

    Ich für meinen Teil fand die Kapseln eigentlich "besser". Wobei die von dir aufgezählten Nachteile wie bsp. unterwegs einführen definitiv auch für mich Nachteile waren. Außerdem hatte ich sowohl bei den Kapseln als auch beim Gel ständig dieses "Sabber-Problem".

    Am allerbesten fand ich allerdings die Prolutex-Spritzen. Die bekam ich auf Grund der Blutungen, da ist das Progesteron wohl höher dosiert (?) und wird durch die Spritzerei eben auch anders an den Körper abgegeben. Anfangs gab es 2x täglich eine Spritze, nach 2 Tagen 1x täglich eine. Selbst gespritzt, in den Bauch. Tat nicht weh, brannte nicht, von mir keine Nebenwirkungen feststellbar. Gut, letzteres könnte auch an den Symptomen durch die Schwangerschaft liegen 😉 Aber von allen Dreien fand ich das wirklich am Angenehmsten – und ich bin eine wirkliche Spritzen-Memme.

    LG

  2. Dankeschön für diese spannende Ergänzung! Mit den Spritzen habe ich ja keine Bekanntschaft gemacht. Kann ich aber gut mit leben, die ganzen Stimulationen haben gereicht 😉 Deshalb sind deine Erfahrungen super der Vollständigkeit halber…

  3. Nicole sagt

    Ich nehme auch Crinone und bin damit voll zufrieden. Denke aber dass das jeder für sich entscheiden muss. Eine Frage die ich mir noch stellt ist die Frage nach der Uhrzeit der Medikamentengabe, was wenn ich es vergesse oder lange unterwegs bin.
    Dein Beitrag ist aber voll super gemacht

  4. Liebe Nicole,
    ich würde mir keine Sorgen machen, wenn die Einnahme mal um ein paar Stunden abweicht. Schließlich soll es ja langsam und gleichmäßig von der Schleimhaut aufgenommen werden – ob das jetzt 20, 24 oder 28 Stunden sind, wird auch indivuell unterschiedlich sein und von zig äußeren Faktoren (Temperatur, Wasserstand und Durchblutung des Körpers…) abhängen – und für einen langanhaltenden gleichmäßigen Spiegel sorgen. Außerdem dient es ja nur zur Vorsicht/ Unterstützung. Das ist im Gegensatz zu einer Auslöser- oder Hemmspritze kein Ding…

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