Gesundheit, Kinderwunsch
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Orgalutran vs. Synarela


Jedes Mal, wenn ich Dr. Google zu ziemlich verrückten Sachen befrage und keine vernünftige Antwort erhalte, nehme ich mir fest vor, diese Google-Wissenslücke selbst zu stopfen. Und ich hoffe, dass irgendwann mal jemand vollkommen verzweifelt das Internet fragt, ob Synarela immer die Menstruation verschiebt oder gar aussetzen lässt (nein! keineswegs!), und dann hier in diesem Beitrag plausible Antworten findet.
Nun gut, es soll zunächst um einen Vergleich zwischen den beiden Hemmstoffen bei der künstlichen Befruchtung gehen, mit denen ich nun Erfahrungen sammeln konnte. Beide sorgen dafür, dass die körpereigene Produktion übergeordneter Hormone heruntergefahren wird und damit auch letztendlich ein Eisprung zunächst unterdrückt wird. Die Medikamete setzen an unterschiedlichen Angriffspunkten an, das Endresultat ist aber im Grunde das gleiche.
Anwendung
Orgalutran wird subcutan als Einmal-Fertigspritze appliziert. Wenn die Stimulation am Abend stattfindet, werden die Spritzen am Morgen gesetzt. Je nach Östrogenwert und Ultraschallbefund startet man damit am 5-6 Stimulationstag und führt das ganze täglich bis zum Auslösen fort.
Synarela wird transdermal, über die Nasenschleimhaut appliziert. Das ist die schlaue Formulierung für „Nasenspray“. Man startet schon im Vorzyklus mit der Downregulation. Ich musste täglich morgens und abends einen Hub sprühen.

Orgalutran
Bei diesem Wirkstoff handelt es sich um einen Antagonisten. Er kommt beim „Kurzen Protokoll“, und damit dem gängigeren, zum Einsatz. EineFertigspritze kostet ca. 50 Euro und je nach Stimulationsdauer benötigt man so 6-8 Stück.
meine Erfahrung – Vorteile:
Es ist kein Vorzyklus und damit längere Wartezeit notwendig. Anwendungsfehler sind kaum möglich: einfach rein ins Unterhautfettgewebe. Außerdem soll es eine starke Überstimulation relativ verlässlich vorbeugen.
meine Erfahrung – Nachteile:
Es kommt eine zusätzliche, morgendliche Spritze hinzu. Wenn man sich die von einer anderen Person geben lässt, weil man bei sich selbst zu feige ist, ist dies in unserem Fall mit höherem logistischem Aufwand verbunden als am Abend. Das Mittel ist echt fies zum Unterhautfettgewebe, es tut für ca. eine Stunde höllisch weh und macht blaue Flecken.
Und zuletzt ist natürlich noch der Grund zu nennen, weshalb bei mir nun ein anderes Protokoll zum Einsatz kommt: Es gibt die Theorie, dass (eventuell auch auf Grund meines geringen Körpergewichts) der Hemmstoff zu stark gehemmt hat und den ganzen Stimulationsvorgang lahm gelegt hat. Literatur gibt es dazu soweit ich weiß keine. Nachweisen kann man das retrospektiv natürlich auch nicht mehr. Vielleicht gab es auch eine andere Ursache… Der Nachteil an den Fertigspritzen ist, dass sie nicht vernünftig und individuell dosiert werden können wie zum Beispiel ein Pen.
Synarela
Synarela enthält Nafarelin, was ein Agonist ist und wird beim „Langen Protokoll“ eingesetzt, wo im Vorzyklus eine Downregulation stattfindet. Es hat auch eine Zulassung zur medikamentösen Therapie der Endometriose. Ganz flach gesagt tut es nämlich nur eins: es versetzt den Körper in die künstlichen Wechseljahre. Eine Nasenspray-Flasche kostet ca. 180 Euro und reicht laut Herstellerangaben sicher für 30 Sprühstöße. Ich musste morgens und abends einen Hub nehmen. Nach zwei Wochen war die Flasche aber immer noch so voll, dass es locker bis Punktion gereicht hat. Gestartet wird am Zyklustag 21 des Vorzykluses bzw. ca. 5 Tage überlappend zur letzten Pilleneinnahme.
meine Erfahrung – Vorteile:
Es kann auf eine (verdammt schmerzhafte) Spritze verzichtet werden. Ich glaube, mehr muss ich gar nicht sagen.
Außerdem macht die Downregulation den eigentlichen Stimulationsstart echt flexibel. Theoretisch könnte man wochenlang damit warten. Das macht ja natürlich keiner freiwillig (Hallo, Wechseljahre!). Aber um 1-2 Tage flexibler planen zu können, war das schon praktisch. Mittlerweile kann ich auch berichten, dass es bei mir nun in der zweiten Stimulation zu einem vernünftigen Follikelwachstum und Anstieg des Estradiol-Wertes gekommen ist, unter Orgalutran-Hemmung halt nicht mehr.
meine Erfahrung – Nachteile:
Obwohl ein Nasenspray natürlich leicht anzuwenden ist und man das ja schon zig mal gemacht hat, war ich immer skeptisch, ob auch alles im Gehirn ankommt, wie es soll. Mal aus Versehen zu schwach gedrückt, mal den Kopf zu schnell bewegt, sodass etwas aus der Nase gelaufen ist, mal musste ich direkt nach dem Sprühen niesen. Was wäre zum Beispiel gewesen, wenn ich Schnupfen bekommen hätte?
Außerdem ist die Einnahme so unkompliziert, dass man leichter vergessen kann als eine doofe Spritze. Einmal musste mein Mann mich deshalb auf der Arbeit besuchen…
Nach ungefähr dem fünften Einnahmetag hab ich nächtlich echt doll geschwitzt. Sind das die Wechseljahre? Nach einigen Tagen wurde es aber wieder besser. Ansonsten wären mir keine Nebenwirkungen aufgefallen.
Ein großer Nachteil, und darauf wurde ich vom Kinderwunsch-Arzt auch vorher aufmerksam gemacht, ist, dass eine Überstimulation nicht mehr nachträglich gehemmt werden kann. Gerade deshalb wird Synarela eigentlich bei PCO-Kandidatinnen, die für eine Überstimulation prädestiniert sind, nur zurückhaltend eingesetzt. Ich habe aber mal im IVF-Register nach der Datenlage dazu geforscht und fand diese jetzt gar nicht so eindrücklich.
Auch noch zu berücksichtigen ist, dass der Anwendungsbeginn im Vorzyklus die Konsequenz hat, dass eine Menstruationsblutung stattfinden muss. Pathophysiologisch erklärbar und in Foren öfter angesprochen ist, dass sich unter Agonisten-Gabe diese verzögern oder gar ausbleiben kann. Das war für mich die absolute Horrorvorstellung. Noch mehr Warterei! Ich habe erfreulicherweise die Erfahrung machen können, dass die Abbruchblutung drei Tage nach letzter Pilleneinnahme zuverlässlich kam.
So, das sind soweit meine Erfahrungen mit Hemmstoffen. Sollten sie jemandem geholfen haben oder sollte mir jemand in Punkten widersprechen oder gar noch zusätzliche Informationen haben, würde ich mich sehr über ein Feedback freuen!

3 Kommentare

  1. Anonym sagt

    Hallo. Ich bin hier stille Mitleserin. Ich kenne deine Überlegungen und ich habe mittlerweile ein paar Varianten durchspielen "dürfen". Für mich am angenehmsten ( da weniger Spritzen;)) ist die mit Synarela. Allerdings ist da das Problem der möglichst exakten Einhaltung der Applikationszeiten nicht ganz unerheblich, aber es geht einzurichten auch mit Diensten. Ich hab mir dann halt mein Handy gestellt oder mich von meinem Mann anrufen lassen…
    Eine Depotspritze im Vorzyklus ist auch nicht schlecht. Man braucht zumindest in der Richtung an nix mehr zu denken, allerdings wird einem auch der Zyklus für 10-12 Wochen außer Kraft gesetzt. Es hat halt alles sein Pro&Contra, hast du ja schon festgestellt.
    Dir alles Gute, dass alles so läuft, wie du es dir wünschst. ✊
    Lg Katja und ich finde deinen Blog toll. Ich denke, es hilft der einen oder anderen, dass du die Dinge versuchst zu "übersetzen".

  2. Huhu Katja, schön dass dich meldest und vielen Dank für die netten Worte. Da freu ich mich echt drüber. Die dritte Variante ist bis jetzt an mir vorbeigegangen. Ich denke, es ist auch noch mal sehr individuell unterschiedlich, was passt.
    Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg und dass das Ausprobieren ein Ende hat/hatte!

  3. Hallo, ich habe bezüglich der Schmerzen bei der orgalutran Fertigspitze folgende Erfahrung: einfach die Stelle am Bauch für 2-3 Minuten mit einem Kühlpack etwas kühlen. Ich die gekühlte Haut merkt man den Einstich nicht so, es macht keine blauen Flecken und tut auch nicht mehr weh bzw. Ist auszuhalten und angenehmer. Lg

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