Ernährung, Ernährung in der Schwangerschaft
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Ernährung in der Schwangerschaft Teil I: Die „Don‘ts“

Beim Frauenarzt, in allen Ratgebern, Magazinen oder auch durch den allwissenden Bekanntenkreis wird man ja ziemlich schnell mit Informationen zu diesem Thema überhäuft. Deshalb ist das ja hier eigentlich schon ein bisschen langweilig, gebe ich zu. Was mir aber immer etwas zu kurz kommt ist einmal die Frage, warum man jetzt was ganz genau nicht essen soll. Schließlich sollte sich jeder selbst ein Bild machen können, ob der Verzicht für einen selbst angemessen ist. Und ich fühlte mich nicht genau informiert genug über Details: Wo ist jetzt überhaupt alles rohes Ei drin? Wann gelten Fisch und Fleisch als genug gar? Welche Käsesorten sind zum Teufel aus Rohmilch hergestellt?
Gerade in unserem Urlaub bin ich oft im Restaurant an meine Rohmilch-Grenzen gestoßen. Google wusste dazu auf die Schnelle auch nur, dass man das mit seinem Käsehändler abklären sollte. Na klasse, da würde sich der spanische Kellner ja freuen, wenn ich bei der Bestellung nach dem Käsehändler verlange…
Wer die Verbote ganz eng sieht, dem kann ich übrigens fürs auswärtige Essen eine vegane Speisekarte empfehlen. Hier sollten ja die Problembereiche Ei, Käse und rohes Getier eliminiert sein. Obwohl – wir wissen ja gar nicht, ob die dort ihren Bio-Salat richtig gewaschen haben oder ob da noch Katzenkot dran ist (= Toxoplasmosegefahr) ;-)…
Der aufmerksame Leser wird es zwischen den Zeilen merken, ich probiere einen Mittelweg zwischen panischer und entspannter Schwangerer zu finden und nicht allzu streng, aber auch nicht allzu locker mit den Essensreglementierungen umzugehen. Eben weil ich mich mit den jeweiligen Risiken und Konsequenzen auseinander gesetzt habe.
Interessant ist auch die Frage, ab wann man die Ernährung anpasst. Ab dem aktiven Kinderwunsch? Oder erst funktionierender plazentarer Blutübertragung? Ich hielt den positiven Schwangerschaftstest als geeigneten Zeitpunkt für sinnvoll, habe da aber auch schon andere Meinungen zu gehört. In meinem Fall hatte ich diesen ja schon vor dem theoretischen Nicht-Menstruationstag. Theoretisch kann aber eine frühe Fehlgeburt, die man ja vielleicht gar nicht mitbekommt, auch auf das Konto einer Lebensmittelinfektion gehen. Somit macht es für die ein oder andere vielleicht schon Sinn, früher die Ernährung etwas anzupassen.
Übrigens musste ich das alles schon grob für mein Examen lernen. Da wurden früher im Fachgebiet Gynäkologie auch Käsesorten und Meeresgetier abgefragt. Im tatsächlichen Examen ging es dann freundlicherweise aber um den Vergleich zwischen Muttermilch und Prä-Nahrung. Aber das ist eine andere Geschichte…
Nun kommen erst einmal meine Erkenntnisse zu den wichtigsten Ernährungs-Tabus in der Schwangerschaft.
Da der Artikel irgendwie zu lang geworden ist, habe ich ihn in zwei Abschnitte aufteilen müssen. Montag gibt es die Fortsetzung zu: Milch-Produkten, rohem Ei, Fleisch und Fisch sowie erdigem Grünzeugs.
Los geht es nun aber mit Koffein und überraschenderweise mit ein paar Süßigkeiten…

Koffein in der Schwangerschaft

Koffein wird über Plazenta und Blut vom ungeborenen Kind aufgenommen und wirkt im kleinen Organismus dann ungefähr 1:1 wie in unserem, nämlich mit Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin. Hinzu kommt, dass die mütterliche Leber weniger aktiv ist, weil mit anderen Dingen beschäftigt, und es auch noch etwas langsamer abbaut als nicht-schwanger.

Koffein in der Schwangerschaft

Als längerfristige Auswirkung von hohem Koffeinkonsum (>300 mg/Tag) wird ein niedrigeres Geburtsgewicht vermutet, allerdings auch Zusammenhänge mit Fehl- und Totgeburten gesehen, so richtig in kontrollierten Studien bewiesen ist das aber wohl eher nicht. Nach der Geburt kann beim Baby manchmal eine Art Entzug beobachtet werden.
Wichtig finde ich, dass man seine Gewohnheiten nicht vollkommen umstellt. Wer vor der Schwangerschaft nicht an Koffein gewöhnt war, so wie ich, sollte da nun auch nicht mit anfangen, weil der Körper dann viel sensibler reagiert. Wer vorher schon an größere Mengen adaptiert war, sollte nicht ganz darauf verzichten müssen.
Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte unter 200-300 Miligramm/ Tag bleiben, das entspricht maximal 3 Tassen Kaffee oder eben 3 Tafeln Schokolade (siehe Grafik). Somit kann man sich gut ausrechnen, ab wann eine Reduktion des Konsums sinnvoll wäre.
Und ja, ich war auch erstaunt – eine Tafel Vollmilchschokolade (100 g) soll genauso viel Koffein wie eine Tasse Kaffee (125 ml) enthalten!

Lakritz

Eine Mitschwangere aus dem Bekanntenkreis guckte mich einmal ganz entsetzt an, als ich mir genüsslich ein Lakritz aus einer gemischten Tüte pickte. Darf man das jetzt auch nicht mehr? Das war irgendwie an mir vorbeigegangen…
Es gibt wohl Hinweise darauf, dass ein Bestandteil der Süßholzwurzel (Glycyrrhizin) in großen Mengen (> 100 Milligramm/ Tag, das entspricht 50 g Lakritz) im Zusammenhang mit Frühgeburten und Nierenproblemen stehen könnte. In großen Mengen (> 1 Tüte/ Tag) beeinflusst es den Salz- und Hormonstoffwechsel. Somit gilt hierbei einfach, dass es die Dosis macht! Ein bisschen Naschen sollte unbedenklich sein.

Kein Lakritz in der Schwangerschaft

Süßholzwurzel kann übrigens auch noch in anderen Lebensmitteln, zum Beispiel in Kräutertees und Erkältungsmittelchen enthalten sein.
Vorsicht ist außerdem auch beim Stillen geboten, auch hier kann Lakritz in großen Mengen negative hormonelle Auswirkungen haben.

So, dann packt jetzt bitte nicht schnell die verfrühten Schokohäschen und Haribo-Tüten weg, sondern genießt schön in Maßen – das wollte ich nochmal klarstellen. Oder seht ihr das anders? Geht ihr eher locker oder streng mit dem Thema um? Gibt es noch weitere skurile Verbote, die ich noch nicht mitbekommen habe?

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Ps.: Dass Alkohol, Nikotin und diverse Drogen selbstverständlich strikte „Don’ts“ sind, brauche ich wohl eigentlich nicht zu erwähnen. Tue es aber hiermit der Vollständigkeit halber!

PPs.: Die ganzen Fakten wusste ich natürlich nicht aus dem Kopf, sondern musste auch einiges nachschlagen. Eine gute Übersicht dazu habe ich im „Rundum schwanger“ Informations-Material der TK gefunden. Die Koffein-Angaben der Lebensmittel stammen von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).


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