Ernährung, Kinder Ernährung
Schreibe einen Kommentar

Buchrezension: Zuckerfrei von Anfang an

Buchrezension | Wie ihr wisst habe ich von Anfang an ein wachsames Auge auf die Zuckermenge, die meine Kinder tagtäglich zu sich nehmen.
Mein Plan, die Zwillinge in den ersten zwei Lebensjahre weitestgehend zuckerfrei zu ernähren, ist nach und nach aus dem Bauch heraus gewachsen.
Während wir in unserem Umfeld eher zu den Exoten gehörten und mir gleichzeitig oft beim Blick auf beliebte Fertigprodukte ein kalter Schauer über den Rücken läuft , sind nach und nach mehr Eltern mit großer Leidenschaft an das komplexe Thema Zucker herangegangen: Einige Start Ups entwickeln alternative Convenience Produkte. Ernährungsberaterinnen veröffentlichen kreative Rezepte, um Verzicht in der Familie gar nicht erst thematisieren zu müssen.
Die Journalistin Marianne Falck ist wissenschaftlich an die Sache herangegangen. In ihrem Ratgeber „Zuckerfrei von Anfang an“*, der Anfang 2020 im Heyne Verlag erschienen ist, beleuchtet sie die Zusammenhänge von Zucker, Industrie und dem kindlichen Körper. Teilweise liest er sich wie ein Krimi!



Das Buch möchte ich euch nun genauer vorstellen. Außerdem bringe ich meine persönliche Meinung zum Zuckerkonsum in der Kinderernährung nochmals zum Ausdruck.

Mehr über meine Gedanken zur zuckerfreien Kleinkindernährung könnt ihr hier nachlesen:

Projekt Zuckerfrei – keine Schokolade für meine Babys.

Zuckerfrei von Anfang an Falck

die Auswirkungen von Zucker

Eine wichtige Bemerkung vorweg: Solltet ihr einfach nur auf der Suche nach zuckerfreien Alternativrezepten sein, seid ihr mit einem richtigen Kochbuch oder dem Milch & Mehr Blog-Archiv besser bedient.
Im letzten Buchkapitel findet ihr zwar auch einige alltägliche, praktische Lieblingsrezepte der Autorin, auf denen liegt aber nicht der Fokus. Vielmehr geht es um das Grundverständnis: Welche Auswirkungen hat Zucker auf den Körper? Wo lauern Zuckerfallen? Wieso wird er überhaupt in solchen Massen verwendet?
Somit sollte man zumindest ein kleines Foodie-Herz wie ich haben, wenn man zu diesem Ratgeber greift.
Dieses Buch befasst sich nicht mit der Frage, WIE wir uns ernähren, sondern WARUM wir es zuckerfrei tun sollten!
Das finde ich als Hobby-Ernährungswissenschaftlerin sehr abwechslungsreich.

Einblicke in die Zucker-Lobby

Für Marianne Falck ist der Zuckerkonsum ein absolutes Herzensthema. Der Leser merkt schnell, dass sie total dafür brennt und sich ein sehr umfangreiches Wissen angeeignet hat.
Sie taucht teilweise so tief in die wirtschaftlichen Beziehungen und medizinischen Zusammenhänge ein, das es mir von außen schwer fällt, die Dinge wirklich komplett nachzuvollziehen.
Bei mir kam das ein oder andere Mal beim Lesen das Gefühl auf, dass die Grenze von Wahrheit zu Verschwörung recht fließend ist. Wie gesagt: teilweise liest sich das Buch wie ein Krimi.
(Das war im Februar. Mit der aktuellen Politik im Hinterkopf finde ich die ganzen Gedanken zum Lobbyismus gar nicht mehr so schrecklich abwegig. Aber das ist ein anderes Thema…).

zuckerfrei von Anfang an Inhalt

Zuckerfrei Ratgeber Kinder

Falck ist ganz klar für eine drastische Reduktion des Zuckerkonsums und für mehr staatliche Lenkung.
Ihre Thesen belegt sie mit weltweiten Studienergebnissen, Zitaten von Kongressen und von Gesprächen mit Fachleuten, die sie im Rahmen der Recherche für dieses Buch geführt hat.
Die Antithesen – also die Gegenmeinungen – stellt sie auch dar und versucht die diesbezügliche Studienlage zu entkräften. So funktioniert Wissenschaft!

Einige Kapitel widmet die Autorin den pyhsiologischen Auswirkungen von Zucker auf den menschlichen Körper sowie ernährungswissenschaftlichen Grundlagen, auch über Fett und Eiweiß. Sie geht auf die Babyernährung ein und die speziellen Bedürfnisse eines heranwachsenden Kindes. Dabei lässt die zweifache Mutter viele persönliche Alltagserfahrungen mit einfließen. Sie skizziert ihr eigenes Essverhalten in der Kindheit in der DDR rund um dem Mauerfall und kommt zu spannenden Ergebnissen.

zu viel Zucker in Industrieprodukten

Letztendlich kommt Falck zu einem ganz einfachen Schluss: verarbeitete Produkte sind zwar bequem und schmackhaft, machen aber in großen Mengen krank. Naturbelassene Lebensmittel verursachen Arbeitsaufwand und sind manchmal auch nicht optimal in der Zusammensetzung, ärgern den Körper aber nicht in dem Maße, wie es die Convenience Produkte tun. Denn: die Dosis macht das Gift. Da stimme ich voll und ganz zu!

Die Lösung – nämlich dass die Lebensmittelindustrie umdeckt – klingt so banal, kann aber aus Marianne Falcks Sicht nur erreicht werden, wenn es Regeln und Verbote gibt, die die Firmen dazu zwingt.

Aufklärung statt Zuckerverbot

Hier weicht mein Standpunkt ein bisschen ab. Konsumenten haben den Markt doch eigentlich auch in der Hand, oder? Ich setze auf Aufklärung, Verständnis und einen augenöffnenden Selbstversuch, der mich vom Kauf überzuckerter Produkte abhält.
Wahrscheinlich braucht es von allem ein bisschen mehr.

In diesem Zuge stimme ich aber voll und ganz zu, dass die Kennzeichung deutlicher und transparenter sein sollte, vor allem bei verstecktem Zucker in Saucen, Milchprodukten, Teigwaren oder Cerealien.
In der Süßwarenabteilung anzufangen, wäre witzlos… da erwarte ich nichts anderes.

Zuckerfreie Kinderernaehrung

Was ich sehr lesenswert finde, sind die Erläuterungen und Begriffstabellen über versteckte Zuckerarten: was hat es mit Fructose-Sirup oder Maltodextrin auf sich? Warum ist Glucose-Sirup schädlicher als Haushaltszucker (Saccharose)? Anschauliche Antworten findet ihr im Ratgeber!

Ebenfalls spannend für mich war der Einblick in die Lebensmitttelwissenschaft. Oft gibt es nur Beobachtungsstudien, die eine schlechte Güte aufweisen. Die qualitativ hochwertigeren Interventionsstudien würden oft daran scheitern, weil die Teilnehmer nicht mitmachen oder nicht ehrlich berichten.

Zucker bewusst & in Maßen

Seitdem ich mich als Mutter intensiv mit der Kinderernährung auseinander gesetzt habe, habe ich meinen eigenen Zuckerkonsum auch komplett überdacht.
Erst passierte es nur auf Grund der Vorbildfunktion. Ich esse meinen Kindern natürlich nichts vor, was ich ihnen selbst verwehre.
Der Griff in die Süßigkeitenschublade beschränkte sich in den ersten Jahren auf den Mittagsschlaf.
Die Schokocreme fürs Brot stelle ich nun selbst mit Dattelsüße und Mandeln her (Rezept), häufig auch Eis (Nicecream-Rezept ohne Zuckerzusatz), Granola und Kuchen/ Kekse.
Nach und nach entwöhnte ich mich. Nur noch selten habe ich das Verlangen nach einer Süßigkeit, die ich mir dann aber auch guten Gewissens gönne.
Mit nur geringen, bewussten Zuckermengen geht es mir körperlich deutlich besser: ich habe ein stärkeres Immunsystem, benötige weniger Schlaf und habe ein viel besseres Hautbild. Sehr praktisch: Heißhungerattacken kenne ich kaum noch.

Fett besser als Zucker?!

Allerdings bin ich tierischen Fetten trotzdem kritischer gegenüber eingestellt, als es die Autorin ist. Nicht, weil mich die Datenlage überzeugt, bin ich kein großer Fan, sondern weil ich wieder an meinem eigenen Körper negative Effekte auf Verdauung, Haut und Sättigungsgefühl beobachte. Auch hier macht aber ganz klar die Dosis das Gift.

Somit konnte mich der Selbstversuch wirklich sehr gut überzeugen von meinem pflanzenfokussiertem Ernährungskonzept ohne strikte Tabus. Von Lobbyismus und Werbekampagnen lasse ich mich eigentlich nicht beeinflussen.

die Dosis macht das Gift

Ich verteufle weder Zucker noch tierische Lebensmittel komplett, bin aber der Auffassung, dass   geringe, bewusste Mengen der richtige Weg sind – sowohl medizinisch als auch pädagogisch. Wir reden ja hier vor allem über die Kinderernährung!

Sehr spannend und denkanstoßend fand ich den umfassenden Einblick in die Lebensmittelindustrie für mich als Hobby-Ernährungswissenschaftlerin.
Mein Blick auf den Produktrücken ist nun auf jeden Fall noch geschulter.

Candycake Schokolade

Ausnahmen bestätigen bei uns die Regel.

Falls ihr auch mehr zum Thema Zuckerfreiheit lesen wollt, findet ihr hier nochmal weitere Infos zum Ratgeber:

Zuckerfrei von Anfang an*
Marianne Falck bei Instagram

Hier auf dem Blog findet ihr viele zuckerfreie, alternative Rezepte beliebter Klassiker:

Currywurst
Schokoladen-Aufstrich
Mousse au Chocolat
die besten Babykekse
der beste Babykuchen

Falls ihr auch eine Ernährungsumstellung plant und Fragen dazu habt, könnt ihr mich gerne kontaktieren!

Milch und Mehr Kinderernaehrung Signatur

* Affiliate Link | Rezension: das Buch wurde mir kosten- und bedingungslos vom Heyne Verlag zu Verfügung gestellt.

Ps. zum Merken & Weitersagen:

Zuckerfrei Ratgeber



.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.