Familie, Leben mit Zwillingen
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Zwillingsalltag: mit Superkräften über die eigenen Grenzen

„Na, mit Zwillingen ist das Leben aber anstrengend?!“

Die Frage der Fragen- oder ist es eher eine Feststellung? – die ich mittlerweile nicht mehr hören kann, aber trotzdem so gut wie täglich gestellt bekomme. Von Bekannten und Fremden. Von Besuch zu Hause, auf Feiern und beim Supermarkt um die Ecke. Oder einfach nur, während ich die Post aus dem Briefkasten fische und die Kinder mal eben auf Socken an mir vorbei auf die Straße flitzen. Was möchten die Leute hören? Dass den Alltag mit Zwillingen  ein Kinderspiel ist und ich eigentlich lieber noch ein, zwei Säuglinge mehr gehabt hätte? Oder dass ich jeden Abend heulend in der Ecke hänge, weil es einfach zu viel ist und mich das Mama-Burnout voll erwischt hat? Oder wollen sie eigentlich gar nichts hören, sondern sich nur an ihre eigene, anstrengende Zeit als junge Eltern erinnern?
Ja, zwei gleichaltrige Kinder 24/7 zu betreuen ist anstrengend. Es ist langfristig gesehen wahrscheinlich sogar das Anstrengendste, was ich bisher in meinem Leben gemacht habe. Aber – und das ist auch meine Standard-Antwort: Ich kenne es nun mal nicht anders.
Schon lange habe ich nichts mehr aus unserem Alltag berichtet. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass da der Schuh auf ist. Dass der Zwillingsalltag auf Dauer zu langweilig ist. Und ich wollte natürlich nicht langweilen und weder Mitleid noch eine Goldmedaille für besondere Tapferkeit bekommen.
Nun hat Sarah von Lotte und Lieke zur #mompositivity Challange aufgerufen: sie sammelt Situationen, in denen wir Mamas unsere Superkräfte spüren, die unseren inneren Kritiker ganz winzig werden lassen.

Mompositivity Blogparade Zwillingsalltag

#mompositivity Challange Tag 1: Lieblingstasse

Die Gelegenheit nutze ich mal, um ein paar von den Hürden festzuhalten, über die ich in den letzten Wochen und Monaten gehüpft bin. Ich bin nicht mehr und nicht weniger Supermama als alle anderen auch. Egal ob ein oder zehn Kinder. Egal ob Hausfrau oder Arbeitend. Egal ob Alleinerziehend oder mit präsentem Papa im Team.Jeder hat sein Päckchen zu tragen, wie es so schön heißt. Mal ist es schwerer, mal leichter. Diesen Gedanken finde ich beruhigend. Oft macht man als Mama seine Aufgabe echt gut. Die eigenen Ansprüche sind hoch. Oft wächst man dabei über sich hinaus. Manchmal macht man seine Aufgabe aber auch grottenschlecht. Ist ungeduldig und unnötig impulsiv, trifft falsche Entscheidungen, setzt falsche Prioritäten und knabbert an den Konsequenzen. Aber – man ist in beiden Fällen nicht alleine. Und solche überfordernden Momente hatte ich definitiv schon vor meiner Mutterrolle. Menschen brauchen sie. Die Über-sich-Hinaus-Wachs-Momente. Die einen Menschen mehr, die anderen weniger. Ohne sie wäre das Leben vielleicht ruhiger, aber nicht unbedingt glücklicher. Oder wie seht ihr das?
Oft spüre ich die Superkräfte erst viel später und absolut nicht in der Situation selbst. Und dann bin ich kurz stolz auf mich. Und auch auf die Kinder, auf die die Superkräfte dann meistens einwirken. Meistens wird aber das, von dem ich glaubte es nie schaffen zu können, schneller als ich eine schöne Runde im Stolz-Schaum baden kann, selbstverständlich. Die nächste Herausforderung steht bevor. Das ist es, was das Leben mit Kindern ausmacht und es so wunderbar erfüllend macht. Und absolut nicht kalkulierbar.

#mompositivity Challange Tag 5: Lieblingsort

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie viel Respekt ich vor dem Tandemstillen hatte. Angst, dass sich einer von uns dreien weh tut. Aber dann war da dieser eine Moment, in dem ich mit zwei hungrigen ungemütlichen Babys alleine war. Und da stoß es mir durch den Kopf „Du machst das jetzt einfach“. Es ging es wie von alleine. Was habe ich geheult vor Glück, als die wenige Wochen alten Zwillinge unbewusst nach den Händchen des anderen griffen.
Von da an wurde es unser Ding. In welch abenteuerlichen Positionen und Situationen ich in den folgenden Monaten zwei Babys gleichzeitig gestillt habe – so als hätte ich nie etwas anderes gemacht…

Dann kam aber schon der erste Brei und ich stand kurz vor dem Nervenzusammenbruch: so ein Gematsche und Gehampel. Ich sollte nun mehrmals täglich zwei Kinder gleichzeitig füttern, den Kriegsschauplatz jedes Mal wieder herrichten und stets für frischen Nachschub in der Schüssel sorgen? Wie sollte das bitte alles im sowieso schon vollen Tagesablauf untergebracht werden? Es wurde alles selbstverständlich. Gegessen wurde nicht nur zu Hause, sondern zur Not an der Straßenecke. Selbstverständlich auch im Restaurant und unter vielen Menschen innerhalb von wenigen Minuten. Nicht selten blieben die Lätzchen fleckenlos. Plötzlich wollten zwei Kinder gleichzeitig mein eigenes Essen essen. Erneut war es eine einzige Sauerei und ich war überzeugt, sie niemals so satt zu bekommen. Aktuell wird zu Tisch keine Hilfe mehr angenommen. Diesmal bin ich von den Reinigungsarbeiten nicht weniger genervt, allerdings weiß ich, dass es besser wird. Spätestens in der Grundschule. 😉

Mompositivity Challange Mama Superkraefte im Alltag

#mompositivity Challange Tag 15: Sommer Erinnerung

Ich war mir sicher, niemals mit zwei Kindern alleine den Wocheneinkauf erledigt zu bekommen. Mit zwei Babyschalen ist es auch wirklich etwas tricky, weil man sich natürlich nicht darauf verlassen kann, dass die entsprechenden Einkaufswagen frei sind. Und sie sind wirklich schwer zu schieben. Ein Kind in der Trage, das andere im Wagen, finde ich auch nicht so praktisch, weil man weniger mobil ist und alles viel länger dauert. Aber zwei Kinder im Buggy und ein Einkaufswagen sind machbar. Und zwei Einkaufswagen mit je einem Kleinkind im Körbchen sind auch alleine machbar. Vor allem sowieso nötig, weil die Zwillinge uns die Haare vom Kopf futtern und ein Wagen gar nicht mehr reicht. Luxus ist der Zwillingseinkaufswagen, den es zum Beispiel in einigen Drogerien gibt. Eine vollkommene Katastrophe war der Versuch, ein Kind unten im Wagen und das andere im Körbchen sitzen zu lassen. Ein peinlicher Linsen-Pilz-Regen für den Supermarktboden und eine schweißnasse Mutter waren das Resultat.
Übrigens wird mir fast immer beim Schieben geholfen. Meist von den netten Rentnern, die mir kurz vorher die obige Frage gestellt haben. Aber zwei verbitterte Ladys tauschten sich auch schon lautstark vor mir aus, wie ich denn zu Stoßzeiten mit so einer Aktion alles blockieren könnte (es war Donnerstagvormittag)🙄.

Ich behauptete steif und fest nach dem ersten Flug mit zwei Babys, in den nächsten Jahren nicht wieder in den Flieger zu steigen. Aber dann tat ich es doch, diesmal besser organisiert und wir hatten einen tollen, verhältnismäßig entspannten Urlaub zu Viert.

Mit ein paar Monate alten Zwillingen besuchte ich einen Pekipkurs und wollte nach der Probestunde eigentlich nicht wieder kommen: An- und Abreise, An- und Ausziehen, Stillen, fehlende Hände. Aber die Zwillinge hatten so viel Spaß. Da fühlte ich mich egoistisch und biss in den sauren Apfel. Mittlerweile finde ich einen Babykurs in der Woche schon fast zu wenig und gehe wenn ich total gut drauf bin auch mit beiden Wilden auf den Spielplatz.

Als mich letztens die herbstlichen Erkältungsviren stärker im Griff hatten, als die Zwillinge zusammen, habe ich fiebernd nach zwischen den Gitterbetten durchzechter Nacht nicht geglaubt, dass wir den Tag zu dritt lebend überstehen. Aber irgendwie wurde es Abend und der Papa kam heim.  Kein Kreislaufkollaps, keiner vom Wickeltisch gefallen oder verhungert.

Mompositivity Blogparade Hobby Mama mit Zwillingen

#mompositivity Challange Tag 23: Hobby

Apropos, manchmal spielen wir Windel-Ping-Pong. Dann habe ich schon vor dem Frühstück öfter gewickelt, als so manche Mama es den ganzen Tag machen muss. Selbstverständlich bekommt der gerade saubere Zwilling einen Tobsuchtsanfall, weil er in dieser Zeit schlimm vernachlässigt wird oder er macht irgendwelchen Unfug, zu dessen Beseitigung ich wenn überhaupt erst am Abend komme, weil wir sonst das Frühstück komplett ausfallen lassen und direkt Mittagessen könnten.


Wann spürt ihr eure Superpower?
„Beschreibt eine oder mehrere Situationen, die ihr gewuppt habt oder täglich wuppt. Situationen von denen ihr vorher nie gedacht hättet, dass ihr DAS einmal hinbekommt. Oder die einfach scheiße schwer (auszuhalten) sind und trotzdem hinbekommt. Das muss nicht reibungslos oder perfekt sein, sondern einfach Situationen, die euch viel abverlangen und trotzdem glücken.“ Sarah sammelt die Beiträge hier. Es sind schon ein paar total schöne, inspirierende Texte dabei.

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